Vermischtes

Interview Psychologin über seelische Folgen für die Jungen

„Situation akuter Bedrohung“

Mannheim.Die aus einer Höhle in Thailand befreiten Jungen waren einer äußerst belastenden psychischen Situation ausgesetzt. In der Dunkelheit mussten sie tagelang ausharren, wussten nicht, ob Helfer sie erreichen würden. Dazu kam die gefährliche Rettung auf dem Tauchweg. Dennoch müssen sie nach den Worten der Mannheimer Psychologin Lea Schell nicht zwangsläufige seelische Schäden davontragen.

Frau Schell, ist das, was die in einer Höhle eingeschlossenen Jungen erlebt haben, ein Trauma?

Lea Schell: Das, was sie erlebt haben, fällt auf jeden Fall unter die Definition von Trauma. Denn dabei handelt es sich um eine Situation akuter Bedrohung der körperlichen oder auch der seelischen Unversehrtheit. Ob die Jungen aber tatsächlich eine Traumafolgenstörung, also zum Beispiel eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), entwickeln, das kann man noch nicht sagen. Traumata erleben viele Menschen irgendwann in ihrem Leben, aber nur ein kleiner Teil von ihnen entwickelt in der Folge eine psychische Erkrankung.

Was ist eigentlich eine post- traumatische Belastungsstörung?

Schell: Bei einer PTBS haben die Betroffenen Schwierigkeiten, die Geschehnisse zu verarbeiten. Sie erleben die Ereignisse in Form von lebhaften Erinnerungen oder Albträumen immer wieder und versuchen deshalb, dem Ereignis ähnliche Situationen zu vermeiden. Hinzu kommt, dass sie sich ständig auf der Hut fühlen und beispielsweise unter Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten leiden.

Wovon hängt es ab, wie die zwölf Jungen und ihr Trainer die Ereignisse wegstecken?

Schell: Von vielen verschiedenen Faktoren. So kommt es zum Beispiel darauf an, wie gut man zum Zeitpunkt eines Traumas psychisch aufgestellt ist. Was hat man bereits für Erfahrungen gemacht? Wenn jemand stabil in seinem familiären Umfeld aufgewachsen ist, ein gutes soziales Netz hat, würde man von einer höheren psychischen Stabilität ausgehen, wir sprechen dann von Resilienz. Anders wäre es, wenn es eine schwierige Vorgeschichte oder bereits andere kritische Lebensereignisse gab.

Sollten die Jugendlichen in Thailand eine psychologische Nachsorge erhalten?

Schell: Das wäre auf jeden Fall wünschenswert. Denn das, was sie erlebt haben, war schon sehr gravierend und auch über einen längeren Zeitraum. Da ergibt es bestimmt Sinn, dass es hinterher die Möglichkeit gibt, in einem sicheren Umfeld und therapeutisch unterstützt darüber reden zu können.