Vermischtes

Studie Viele Eltern sind durch Handy und Tablet oft abgelenkt – für die Beziehung zum Kind kann das gefährlich werden, warnen Forscher

Smartphone statt Ballspielen

Archivartikel

Ann Arbor.Die Kleinen backen Sandkuchen, die Großen gucken aufs Smartphone. Auf vielen Spielplätzen und auch daheim ist das inzwischen Alltag. Auf Dauer kann der Mangel an aktivem Miteinander ungünstige Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben, warnen Experten. Eltern, die viel Zeit mit digitalen Medien oder vorm Fernseher verbringen, statt sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, können einer Studie zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern fördern.

Missachtete Kinder seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten, schmollten oder reagierten mit Wutanfällen, berichten Forscher im Fachjournal „Pedriatic Research“. Ein negativer Kreislauf entstehe, denn viele Eltern reagierten auf auffällige, als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Nach innen gewandte Probleme wie Angst oder Rückzug der Kinder seien nicht ganz so häufig, erläutern Brandon McDaniel von der Illinois State University und Jenny Radesky von der University of Michigan Medical School.

Beim gemeinsamen Essen tabu

Für die Studie hatten 181 Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren über sechs Monate hinweg online in Fragebögen Auskunft gegeben – zu ihrer eigenen Mediennutzung sowie zur Entwicklung ihrer Kinder und deren Verhalten. Auch ihre eigenen Gefühle gaben die Eltern an. Das Ergebnis: In fast allen Fällen kam es pro Tag mindestens einmal dazu, dass digitale Geräte den Eltern-Kind-Austausch unterbrachen. Sowohl Mütter wie Väter gaben an, dass mit der Menge dieser Unterbrechungen auch Verhaltenauffälligkeiten der Kinder und elterliche Stressgefühle zunahmen.

Gelegenheit gibt es inzwischen viele für solche „Technoferenzen“ – so nennen die Forscher es, wenn Smartphone und Co. den persönlichen Kontakt von Auge zu Auge stören. Anderen Studien zufolge verbringen zumindest US-Eltern neun Stunden pro Tag vor TV, Computer, Tablet oder Smartphone. „Wir glauben, dass spezifische Aspekte der Digitaltechnologie, inklusive verführerischer Design-Elemente, besonders für solche Eltern anziehend sind, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulation haben oder die mit dem familiären Sozialleben unzufrieden sind“, schreiben die Forscher.

Manche lenkten sich dann durchs Digitale ab, während ihre Kinder immer intensiver nach Aufmerksamkeit heischten. Vor allem beim gemeinsamen Essen, Spielen oder Zubettbringen des Nachwuchses sei es wichtig, auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ohne Ablenkungen eingehen zu können.

Dem Tenor der Studie stimmen deutsche Expertinnen zu. „Dass Probleme zwischen Eltern und Kindern größer werden, wenn es weniger persönlichen Kontakt gibt und Probleme nicht ausgehandelt werden, ist nicht verwunderlich und schließt an vorliegende Studien an“, so Susanne Eggert und Gisela Schubert vom JFF-Institut für Medienpädagogik in München.