Vermischtes

Unwetter Hurrikan „Dorian“ wütet über den Bahamas / Küstenorte in den USA evakuiert

„So etwas haben wir niemals zuvor gesehen“

Marsh Harbour.Die „Abaco Inseln“ erlebten das Wüten von „Dorian“ als erste. Und das mit voller Wucht. Der Hurrikan von der Größe des US-Bundesstaates Florida traf Sonntagnacht bei der kleinen Stadt Marsh Harbour mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern auf Land. Von dort bewegte sich der Monstersturm langsam auf die nördlichen Bahamas zu. „Betet für uns“, appellierte der Ministerpräsident des Inselstaates Hubert Minnis an die Öffentlichkeit.

Er ahnte, warum. Nach ersten Berichten zerstörte Dorian alles, was auf seinem Weg lag. Strommasten knickten wie Streichhölzer, Dächer flogen weg und Wasser flutete tiefer gelegene Teile der Bahamas. Marsh Harbour steht unter Wasser. Viele der 6000 Einwohner versuchen verzweifelt, sich auf Dächern in Sicherheit zu bringen.

Ersthelfer warten auf Einsatz

Bevor der Mobilfunk-Verkehr teilweise zusammenbrach, posteten Betroffene Bilder, die einen ersten Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe erlauben. Die 34-jährige Gertha Joseph berichtet von Nachbarn, die versuchten, in den steigenden Fluten zu einer Gruppe höher gelegener Häuser zu schwimmen. „Das Wasser hat sie genommen“, sagt sie. „Sie haben es nicht geschafft.“

Noch ist nicht absehbar, wie viele Menschenleben der Monstersturm auf den Bahamas forderte oder wie hoch der Sachschaden sein wird. Ersthelfer würden in die betroffenen Gebiete fahren, sobald das Wetter es zulasse, hieß es. Doch Ministerpräsident Minnis rechnet mit dem Schlimmsten. „So etwas haben wir niemals zuvor in der Geschichte unseres Landes gesehen“, sagt der Regierungschef der Inselnation, die es gewohnt ist, mit tropischen Stürmen und Hurrikans zu leben.

Doch Dorian ist anders. Nicht nur wegen seiner enormen Winde und erheblichen Ausbreitung, sondern auch, weil das Sturmsystem sich nur im Schritttempo fortbewegt. Je länger der Hurrikan über einer Region wütet, desto größer die Zerstörungskraft. Ein Eindruck vom Ausmaß der Schäden lasse sich nicht vor Montagnachmittag (Ortszeit) verschaffen, sagte Joy Jibrilu, Generaldirektorin des Tourismusministeriums.

Derweil bereiten sich Florida, Georgia, South- und North-Carolina auf die Ankunft von „Dorian“ vor, der schon jetzt fast alle Rekorde eingeholt hat. Nur einmal zuvor, im Jahr 1980, stellten Meteorologen bei Hurrikan „Allen“ leicht stärkere Winde fest. Für den Osten Floridas und die nördliche Karibik ist es der mächtigste Hurrikan in der Geschichte.

Der „National Hurrikan Center“ warnte zudem vor dem schwer vorhersagbaren Pfad von „Dorian“. „Ein kleiner Schwenker nach links kann das Zentrum des extrem gefährlichen Hurrikans an der Ostküste von Florida an Land gehen lassen“, hieß es. An der US-Küste sei daher mit zerstörerischen Winden, Sturmfluten und Überschwemmungen zu rechnen, warnten die Meteorologen.

Die Gouverneure der betroffenen Bundesstaaten ordneten die Evakuierung gesamter Teile der Küsten an. In South Carolina sind davon fast eine Million Menschen betroffen. Für viele ist es die vierte Evakuierung innerhalb von vier Jahren.

Tui fliegt Urlauber aus

Der Reisekonzern Tui hat deutsche Urlauber vor dem Eintreffen des Hurrikans auf den Bahamas in Sicherheit gebracht. Bereits am Samstag sei Vorsorge getroffen worden und die Gäste seien von der Insel Grand Bahama abgereist. Es handelte sich um weniger als zehn Urlauber, sagte eine Sprecherin. Reisen auf die nordwestlichen Inseln der Bahamas würden bis einschließlich 15. September vorsorglich abgesagt.

Da der Hurrikan weiter Kurs auf die Südostküste der USA nimmt, seien nun Urlauber dort von Sicherheitsvorkehrungen betroffen. Tui empfiehlt Touristen mit Aufenthalten zwischen Fort Lauderdale bis Jacksonville, vorsorglich nach Orlando ins Landesinnere zu reisen. Dabei handele es sich den Angaben zufolge um 270 Gäste. (mit dpa)

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