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Verkehr ADAC fordert Lkw-Abbiegeassistenten / E-Tretroller werden erst ab 2020 erfasst

Starke Zunahme von tödlichen Radunfällen

Archivartikel

Wiesbaden.Auf Deutschlands Straßen leben Fahrradfahrer oft gefährlich. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag sind im ersten Halbjahr 2019 bei etwas mehr Verkehrsunfällen zwar weniger Menschen ums Leben gekommen als im Vorjahreszeitraum. In den ersten fünf Monaten – hier liegen Details vor – erreichte die Zahl der getöteten Radfahrer aber einen neuen Höchststand wie in den Vergleichen seit 2010 nicht mehr. 2019 kamen von Januar bis Mai 158 Radfahrer ums Leben, das waren 16 (11,3 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. Die neuen, als unfallträchtig geltenden E-Scooter sind dabei in der Statistik noch nicht mit drin. Sie werden erst von 2020 an erfasst.

Laut Automobilclub ADAC ist „mehr Radverkehr sicher eine Ursache“ für die hohe Zahl der in diesem Bereich ums Leben gekommenen Menschen. Radfahrer müssten daher auch stärker geschützt werden. „Aus Sicht des ADAC ist etwa der verpflichtende Einsatz von Lkw-Abbiegeassistenten elementar“, teilte Sprecherin Katrin van Randenborgh mit.

Zusammengerechnet zählten die Statistiker im ersten Halbjahr 1465 Menschen, die bei Verkehrsunfällen getötet wurden. Das waren 40 weniger als im Vorjahreszeitraum, ein Rückgang um 2,7 Prozent. Die Zahl der Verletzten nahm um 5,1 Prozent auf 178 544 Menschen ab. Die Gesamtzahl der Unfälle stieg hingegen leicht um 0,4 Prozent auf knapp 1,3 Millionen. Bei 1,16 Millionen Unfällen blieb es bei Sachschäden (plus 1,1 Prozent). Bei knapp 139 000 Unfällen wurden Menschen verletzt (minus 4,9 Prozent).

Fehlende Infrastruktur

Im Zeitraum der ersten fünf Monate sank die Zahl der getöteten Motorradfahrer um 44 auf 172 Menschen, ein Minus von 20,4 Prozent. Autoinsassen starben 529 (5,5 Prozent weniger). Die Zahl der getöteten Fußgänger blieb mit 173 dagegen unverändert.

Mit Blick auf die gestiegene Zahl der getöteten Radfahrer befürchtet Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer, „dass diese Entwicklung weitergeht“. Ein Grund sei die Infrastruktur. „Der Radverkehr wächst schneller als die Kommunen nachkommen. Städte und Gemeinden müssten hier massive Anstrengungen unternehmen.“

Ein besonderes Problem seien Pedelecs, die bis zu einem Tempo von 25 Kilometern pro Stunde in der Statistik bei Fahrrädern mitgerechnet werden. „Die Zahl der Pedelecs wird zunehmen. Das ist ein Riesenproblem“, sagte Brockmann. Die Steigerungsrate der Getöteten sei hier doppelt so hoch wie unter normalen Radfahrern. „Diese Entwicklung verläuft extrem ungünstig.“

Kreuzungen im Fokus

Ähnlich sieht es auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). „Deutschland muss jetzt einen Zahn zulegen beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur, sonst werden wir ständig solche Hiobsbotschaften bekommen“, teilte der Bundesgeschäftsführer des Verbandes, Burkhard Stork, mit, und fordert; „Wir brauchen sofort mehr Tempo 30 in den Städten, schnelle Ausbauprogramme für geschützte Radwege an Hauptachsen und vor allem: Geschützte Kreuzungen!“

Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle seien Zusammenstöße mit Autos. „Hauptschuld trägt in den allermeisten Fällen der Autofahrer.“ Der ADFC fordere „daher beim Ausbau der Radinfrastruktur besonders Augenmerk auf Kreuzungen und Einmündungen“.

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