Vermischtes

Medien Seit seiner Gründung durch Henri Nannen hat das Magazin turbulente Zeiten hinter sich

„Stern“ feiert 70. Geburtstag – ein Auf und Ab

Archivartikel

Hamburg.Gründer Henri Nannen nannte ihn gern die „Wundertüte“: Der „Stern“ wird am heutigen 1. August 70 Jahre alt. Der Geburtstag wird von einem Sonderheft begleitet. Außerdem gewährt das Magazin aus dem Verlagshaus Gruner + Jahr (G+J) einen Blick hinter die Kulissen. Am 15. September lädt es in seine Redaktionsräume am Hamburger Baumwall zum „Tag des Journalismus“ ein. Dann sollen auch die berühmten gefälschten Hitler-Tagebücher ausgestellt werden, auf die das Magazin vor 35 Jahren hereingefallen ist.

„Ein Tag zum Austauschen und Diskutieren, der informieren und unterhalten will – Eigenschaften, die großen Journalismus im Kern auszeichnen und lebendig machen: so wie den „Stern“ seit 70 Jahren“, kündigte Stern-Chefredakteur Christian Krug in Hamburg an. Der 52-Jährige führt die Redaktion seit rund vier Jahren. „Im Kern unserer Recherche stehen immer die Menschen und was sie bewegt“, schreibt er im Editorial des Sonderhefts.

Krugs Beziehung zum wöchentlichen Magazin hat schon vor 40 Jahren begonnen, als der „Stern“ erstmals über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ berichtete. Die erfolgreiche Print-Serie kam, so berichtet es der frühere „Stern“-Autor Claus Lutterbeck, auf Druck von Nannen (1913-1996) ins Heft. Der hatte sich schon aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen.

„Großer Gesellschaftsbegleiter“

Doch sein Gespür für Geschichten zahlte sich erneut aus, wie auch etwa schon 1971, als prominente Frauen mit der Aussage „Wir haben abgetrieben!“ Aufsehen erregten. Skandalträchtig war die Episode um die falschen Hitler-Tagebücher 1983. Nannen kam aus dem Ruhestand zurück und brachte das Magazin wieder auf Kurs. Die vermeintlichen Tagebücher sollen aber nicht ins Bundesarchiv nach Koblenz. „Der „Stern“ hat die Kladden immerhin teuer gekauft. Dafür haben wir nicht nur viel Geld, sondern auch viel Lehrgeld bezahlt“, zitierte die Wochenzeitung „Die Zeit“ jüngst den „Stern“-Chefredakteur. „Deshalb möchte ich, dass die Bücher bei uns bleiben. Dass wir die Dokumente unserer größten Niederlage selbst verwahren.“

Damals war „Stern“-Reporter Gerd Heidemann auf den Fälscher Konrad Kujau hereingefallen, beide mussten ins Gefängnis. Der Verlag Gruner+Jahr gab 9,3 Millionen Mark in bar für die vermeintliche Sensation aus. Danach steckte Nannen seine Energie in die von ihm gestiftete Kunsthalle in Emden, die von seiner Witwe Eske Nannen (76) als Aufsichtsratschefin kontrolliert wird.

Für G+J-Verlagschefin Julia Jäkel ist der „Stern“ einer der „großen Gesellschaftsbegleiter“ in Deutschland. „Und wenn Lautstärke und Polarisierung zunehmen, kommt dem „Stern“ eine immer wichtigere Rolle zu – unabhängig, kritisch, wirtschaftlich weiterhin kraftvoll und innovativ, wie auch die Ableger zeigen“, teilte sie mit. Darüber hinaus ist der „Stern“ längst mit einem Internetangebot präsent, das kostenlos für die Nutzer ist. Es erreicht 12,84 Millionen Nutzer (Unique User, AGOF 2018-06).

Allerdings kann sich das Magazin im Zeitalter des Online-Journalismus nicht dem allgemein rückläufigen Auflagentrend entziehen. Im 1. Quartal wurden wöchentlich knapp 540 000 Exemplare (1/2018, IVW-geprüft) verkauft, im 2. Quartal waren es 528 860. Die einstige Millionen-Auflage – in den späten 60er Jahren waren es sogar fast zwei Millionen Verkaufsauflage – ist Teil der Historie, die am 1. August 1948 mit Schauspielerin Hildegard Knef (1925-2002) auf dem Titel der ersten Ausgabe begann.