Vermischtes

Asien Wirbelsturm hinterlässt Spur der Verwüstung / Osaka unter Wasser

„Super-Taifun“ Jebi wütet über Japan

Archivartikel

Peking.Ein tropischer Wirbelsturm hat die japanische Metropole Osaka unter Wasser gesetzt und gewaltige Zerstörungen hinterlassen. Der nahe gelegene Flughafen Kansai International steht seit gestern weitgehend unter Wasser, nachdem er von einer drei Meter hohen Flutwelle überschwemmt wurde; mindestens bis Mittwochabend sind dort keine Starts und Landungen möglich. Die Behörden zählten bis gestern Abend drei Tote und mehrere Tausend verletzte. Ein Mann starb, weil ein Lagerhaus über ihm zusammenbrach.

Eine Million Menschen wurden an der Küste evakuiert, um sie vor Sturm „Jebi“ in Sicherheit zu bringen. Japan ist in diesem Jahr besonders von Naturkatastrophen betroffen. Mitte Juli hatte sehr heftiger Regen 200 Menschenleben gekostet; zum Teil wurden ganze Dörfer unter herabrutschenden Berghängen begraben. Kurz darauf traf eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad das Land.

Die japanischen Bevölkerung und die Behörden sind auf Naturkatastrophen vergleichsweise gut vorbereitet. Doch die Intensität der Wetterphänomene in diesem Jahr übertrifft alle Möglichkeiten der Vorsorge. Die Stärke und Häufigkeit tropischer Stürme in Asien hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Der chinesische Klimawissenschaftler Wei Mei führt das auf den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt zurück. „Der Anstieg ist substanziell“, sagt der Wissenschaftler, der derzeit am Institut für Ozeanografie der University of North Carolina at Chapel Hill in den USA forscht. In den zurückliegenden Jahren hat sich der Anteil sehr schwerer Stürme in der Region verdoppelt.

Mehr als 200 Stundenkilometer

Ihre Zerstörungskraft ist in diesem Zeitraum um 50 Prozent gestiegen. Seinen Modellen zufolge wird ihre Häufigkeit mit der weiteren Erwärmung der Weltmeere in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen. Je wärmer der Ozean, desto mehr Energie pumpt er in aufsteigende Luftmassen, die dann in Rotation geraten, und desto mehr Wasser verdunstet, das später abregnen kann. In der Region Osaka mit 20 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von 550 Milliarden Euro herrscht nun der Katastrophenzustand. Knapp zehntausend Schulen sind geschlossen. Der Sturm hat einen Frachter so lange gegen eine wichtige Brücke geworfen, bis diese zerstört war. Züge fahren nicht, Autobahnen sind geschlossen, Fabriken stehen still.

Ein Stromausfall in den Präfekturen Fukui, Shiga und Kyoto betraf 1,6 Millionen Haushalte. Dächer wurden abgedeckt, Autos und Bäume flogen durch die Luft; Trümmerstücke schlugen in Fassaden ein. Augenzeugen aus Kobe berichteten davon, dass ihre Straße und das Erdgeschoss überflutet sind, die Möbel seien alle ruiniert. Aus Osaka wird von einem „infernalischen Pfeifen und Rauschen“ berichtet, das der starke Wind über Stunden erzeugt hat. Am Hauptbahnhof der alten Kaiserstadt Kyoto sind Teile der Glasfassade und -decke heruntergekracht. Die beliebte Togetsu-Brücke im Ausflugsgebiet Arashiyama soll zerstört sein. „Jebi“ hatte in den schlimmsten Stunden den Status eines „Super-Taifuns“ mit Windgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 200 Stundenkilometern. Die Sturmflut war in einigen Gegenden die höchste seit 1961, der Sturm war insgesamt der schwerste, der Japan seit 25 Jahren getroffen hat.