Vermischtes

Untersuchung Heidelberger Wissenschaftler berechnen vermeidbare Krebserkrankungen

Tabak und Alkohol besonders gefährlich

Archivartikel

Heidelberg.Was wäre, wenn niemand rauchen, trinken oder ungesund essen würde? Wenn die Luft sauber wäre und jeder Sport treiben würde? Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben hochgerechnet, wie viele Krebserkrankungen sich dadurch verhindern ließen. Demnach sind von 440 000 erwarteten Krebsneuerkrankungen in diesem Jahr bei 35- bis 84-Jährigen geschätzt rund 165 000 den untersuchten Risikofaktoren zuzuschreiben. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Rauchen: Tabakkonsum macht der Hochrechnung zufolge den Großteil der vermeidbaren Fälle aus. Fast jede fünfte neu diagnostizierte Krebserkrankung in diesem Jahr wird demnach auf das Rauchen zurückzuführen sein. Von 440 000 zu erwartenden Neuerkrankungen hängen demnach geschätzt 85 000 mit Tabakkonsum zusammen.

Alkohol: Von den erwarteten Neuerkrankungen werden in diesem Jahr rund 9600 (rund zwei Prozent) auf hohen Alkoholkonsum zurückgehen. „Für Frauen gibt es zwar mehr alkoholassoziierte Krebsarten, doch insgesamt ist die Gesamtzahl der alkoholbedingten Krebsfälle bei Männern mehr als fünfmal so hoch wie bei Frauen“, schreiben die Forscher. Ein Grund ist auch, dass Männer mehr Alkohol trinken.

Übergewicht/wenig Bewegung: Die Studie zeigt einen Zusammenhang von Übergewicht und geringer körperlicher Aktivität für das Auftreten von Krebs bei Menschen zwischen 35 bis 84 Jahren in Deutschland. Von den im Jahr 2018 zu erwartenden Neuerkrankungen werden demnach etwa 30 600 (rund sieben Prozent) auf Übergewicht und etwa 27 100 (rund sechs Prozent) auf geringe körperliche Aktivität zurückzuführen sein.

Ernährung: Rund 14 500 (rund drei Prozent) der erwarteten Erkrankungen werden den Forschern zufolge mit einer geringen Ballaststoffzufuhr zusammenhängen, rund 9500 (rund zwei Prozent) mit geringer Obst- und Gemüsezufuhr, weitere etwa 9500 mit Wurstverzehr und rund 1700 (rund 0,4 Prozent) mit hohem Verzehr von rotem Fleisch sowie rund 1200 (rund 0,3 Prozent) mit hohem Salzkonsum.

Infektionen: Für das Jahr 2018 werden nach Schätzungen der Forscher mehr als 17 600 Krebsfälle auf Infektionen zurückzuführen sein, das entspricht rund vier Prozent aller Neuerkrankungen. Das Bakterium Helicobacter pylori und humane Papillomaviren tragen demnach am meisten zu diesen Krebsfällen bei.

Umweltraumfaktoren: Mehr als 5400 Krebsfälle – 1,2 Prozent aller Neuerkrankungen – werden auf Umweltfaktoren zurückgehen. Der umweltbedingte Risikofaktor mit dem größten Anteil ist demnach das radioaktive Gas Radon in Innenräumen, gefolgt von Feinstaub, Solariennutzung und Passivrauchen.

Traumhafte Erfolgsmöglichkeiten also für die Prävention? Forscher sind vorsichtig. Schließlich sei fraglich, ob sich ein Risikofaktor komplett eliminieren lasse, erklärt Alexander Katalinic von der Universität zu Lübeck im Editorial. „Wie wirklichkeitsnah sind eine Raucherquote von null Prozent, der komplette Verzicht auf Wurstwaren oder ein normaler Body-Mass-Index für die gesamte Bevölkerung?“

Wertvoll seien die vorgestellten Werte aber sehr wohl: Sie könnten „der Gesundheitspolitik und der Bevölkerung das Setzen von Prioritäten erleichtern“. Dringend notwendig sei ein komplettes Werbeverbots für Tabakprodukte, so Katalinic. „Dies gilt umso mehr, als Rauchen weitere Erkrankungen verursacht, die nicht weniger bedeutsam sind als Krebs.“