Vermischtes

Ernährung Ausstellung in Nantes schockt mit ungewohnten Lebensmitteln aus aller Welt

Tarantel und Schafsauge – Ekel ist relativ

Archivartikel

Nantes.Man wusste zwar von der Liebe vieler Franzosen zu Froschschenkeln und in Knoblauchbutter getränkten Weinbergschnecken – also einer für deutsche Gaumen manchmal gewagten Auslegung von gutem Essen. Aber manche Dinge hätte man hier trotzdem nicht erwartet. Ausgerechnet in Frankreich, dem Land der Gourmets und Gastronomietempel, sollten gegrillte Grashüpfer, Stierhoden oder ein Schafsauge, adrett angerichtet in Tomatensaft, auf dem Teller landen?

Sie tun es zumindest zu Vorführungszwecken bei der Wanderausstellung „Disgusting Food Museum“ („Museum für widerliches Essen“), die derzeit in Nantes Station macht. Gezeigt werden nicht vorrangig französische Spezialitäten, auch wenn Tartar-Steak oder Gänsestopfleber nicht fehlen. Vielmehr stammen die Ausstellungsstücke aus aller Welt: Darunter ist eine nach kambodschanischem Rezept in Salz und Zucker eingelegte und dann in Knoblauchöl gebratene Tarantel, deren Beine laut Beschreibung knusprig sind und das Fleisch zart; auch der Bauchbereich kann verzehrt werden.

Reiswein mit eingelegten Mäusen

Oder die Larven von australischen Nachtfaltern, deren Textur laut Ausstellungsmachern im Inneren an „gebratenes Eigelb“ erinnere. Zum Trinken gibt es chinesischen Reiswein mit eingelegten Mäusen. Beruhigend natürlich wirkt gegen solche Angriffe auf den – guten – Geschmack die „Stinky Toe Fruit“, eine nach stinkenden Zehen riechende Frucht von den Antillen. Während ihr Erscheinungsbild durchaus an Füße denken lässt, erinnere der süßliche Geschmack an Milchpulver, heißt es, „mit einem Hauch von Parmesan und leicht pfeffrigen Kräutern“. Insgesamt 80 Beispiele für Essbares, dessen Anblick sensiblen Besuchern den Magen umdrehen dürfte, sind ausgestellt.

Passenderweise gibt es am Eingang statt eines Tickets Spucktüten, obwohl kein Besucher die Ausstellungsstücke schlucken muss. Für drei Euro kann er allerdings einige davon probieren, von der stark gesalzenen Lakritze bis zu vergorenem Haifischfleisch. Vor allem aber soll er zum Nachdenken über seine eigenen Prägungen angeregt werden. „Was am Ekel fasziniert, ist, dass er kulturell bestimmt wird: Dinge, mit denen Sie aufgewachsen sind, werden Sie köstlich finden, während Sie etwas Fremdes, Verrücktes oder Andersartiges eher als ekelhaft wahrnehmen“, sagt der Ausstellungs-Kurator Samuel West.

Zu Debatten anregen

Die Ausstellung stammt aus dem gleichnamigen „Disgusting Food Museum“, das vor einem Jahr im schwedischen Malmö eröffnet wurde und seither rund 40 000 Besucher anzog. Laut Museumsdirektor Andreas Ahrens will es „die Menschen zu der Erkenntnis bewegen, dass wir uns neuen Proteinquellen zuwenden müssen, die besser für die Umwelt sind“. Als Beispiele nannte er Insekten und künstliches Fleisch.

In Nantes läuft die kostenlose Ausstellung, die noch bis 3. November gezeigt wird, im Rahmen der fünftägigen Veranstaltungsreihe „Die Tische von Nantes“ („Les Tables de Nantes“). Diese will sensibilisieren in Zeiten, in denen die Landwirte immer weniger von ihrem Beruf leben können und sich viele Konsumenten zugleich immer mehr für das interessieren, was sie täglich essen. Die Veranstaltung in der westfranzösischen Stadt, die sich durch ihren großen Hafen auf eine lange Tradition beim Handel mit Nahrungsmitteln sowie deren Weiterverarbeitung stützt, möchte daher ein Ort sein, der all diese Fragen aufwirft und zu Debatten anregt. Die Ausstellung zieht im Anschluss weiter nach Las Vegas.

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