Vermischtes

Gesellschaft Ab morgen kann die Schau über muslimische Kleider in Frankfurt besichtigt werden

Umstrittene Ausstellung öffnet ihre Türen

Archivartikel

Frankfurt.Ein Kopftuch mit der Aufschrift „Feminist“, Frauen mit Haarhauben beim Sport, Rap-Videos mit verschleierten Mädchen – die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashions“ im Frankfurter Museum Angewandte Kunst steckt voller Widersprüche und Kontraste. Die Kritik, die sich schon im Vorfeld entzündet hatte, setzt vor allem auf ein Argument: Die Ausstellung mache sich zum „Handlanger von Frauenunterdrückung“.

Ab Freitag können sich Besucher selbst ein Urteil bilden. Zuvor werden sie allerdings elektronisch abgetastet und müssen ihre Taschen durchsuchen lassen. Nachdem das Museum Hass-Mails rechter Kreise erhalten hatte, sahen die Organisatoren keine andere Möglichkeit, Gäste und Mitarbeiter zu schützen.

Züchtige Modelle

Die mit drei Räumen eher kleine Sonderschau ist ein Import. Der Ex-Frankfurter Museumsmacher Max Hollein hatte sich das Thema in San Francisco ausgedacht. Dort sei die Ausstellung sehr gut aufgenommen worden, erklärt Kuratorin Jill D’Alessandro. „Es ist die erste umfassende Museumsausstellung, die sich dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode widmet.“

Zu sehen sind vor allem Kleiderpuppen mit Mode, die international als „modest fashion“ bezeichnet wird – in Deutschland hätte man früher gesagt: züchtig. Einziges gemeinsames Kennzeichen der gezeigten Modelle ist, dass sie Arme und Beine bedecken. Manche Puppen tragen Kopftuch, andere nicht, Sport- und Schwimmanzüge sind dabei, traditionell gefertigte Hochzeitskleidung und hippe Streetwear, Hosenanzüge für billige Massenlabels und Haute Couture für die First Ladys islamischer Länder.

An den Wänden der Ausstellung hängt eher unkritische Modefotografie, dazwischen aber immer wieder Arbeiten von Künstlerinnen, die diese Mode und die ihnen zugrundeliegenden Vorschriften kommentieren. Eine Fotoserie zeigt, wie unterschiedlich Frauen wirken, wenn sie eine Burka, einen Schleier oder nur ihre Haare tragen; eine Inszenierung zeigt vollverschleierte Frauen, die auf verdreckten Motorrädern posieren; Schwarz-Weiß-Fotos dokumentieren Proteste von Frauen gegen das Verhüllungsgebot.

Ziel der Ausstellung sei es, Stereotype aufzubrechen, sagt Museumsdirektor Matthias Wagner K.. Die Schau sei „keine Kopftuchausstellung“. Man wolle vielmehr zeigen, „wie vielfältig, ausdifferenziert und ungemein kreativ“ muslimische Mode ist. Er hofft, dass die Ausstellung – wie die gezeigte Mode selbst – „ein positives Bewusstsein für muslimische Kulturen“ fördern kann.

Danach sieht es derzeit eher nicht aus. Die Zeitschrift „Emma“ veröffentlichte gestern eine lange Liste überwiegend kritischer Stimmen prominenter Muslime. Die Verantwortlichen der Ausstellung machten sich zu „nützlichen Idioten des politischen Islam“, seien „verlogene Handlanger von Frauenunterdrückung und der Wirtschaft“ und „unterstützen damit die Macht der männlichen Herrschaft“.

Forum über Gleichberechtigung

Nabila Bushra findet die Ausstellung dagegen „bereichernd“ und die Debatte „mühsam und nicht berechtigt“. Es gehe um Kunst, Ästhetik und Mode, sagt die Frau, die selbst ein Kopftuch trägt. „Aber die dominanten Bilder sind so starr, dass niemand das Eigentliche sieht.“ Die facettenreichen Kunstwerke der Designerinnen würden ausgeblendet, stattdessen werde über das Kopftuch diskutiert.

Als Projektkoordinatorin ist Bushra für das „Contemporary Muslim Fashions Forum“ mitverantwortlich, das vom 12. bis 14. April im Museum stattfindet. Eingeladen sind Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen, Bloggerinnen und Influencerinnen, die nicht nur über muslimische Mode sprechen wollen, sondern ganz allgemein über „Themen wie kulturelle Identität, Gender, Nachhaltigkeit, Politik und Gleichberechtigung“, wie das Museum ankündigte.