Vermischtes

Notfälle Mehr als 30 Tiere verbrennen im Krefelder Zoo / Auslöser offenbar verbotene Himmelslaternen

„Unfassbare Tragödie hat uns überrollt“

Archivartikel

Krefeld.Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld das Affenhaus ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben, darunter auch viele Menschenaffen. In den Flammen seien fünf Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Affen ums Leben gekommen, sagte Zoo-Direktor Wolfgang Dreßler. „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos.“ Der Brand hinterließ einen Millionenschaden.

Auslöser des um 0.38 Uhr gemeldeten Feuers könnte nach Angaben der Polizei eine Himmelslaterne sein. Mehrere dieser in Deutschland verbotenen Leuchtkörper seien sichergestellt worden, berichtete ein Vertreter der Krefelder Kriminalpolizei. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Mögliche Verursacher melden sich

„Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen“, sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht. Sie seien „hochgefährlich“ und könnten einige Kilometer weit fliegen. Am späten Nachmittag meldeten sich mögliche Verursacher des Brandes bei der Polizei. Ihre Angaben wurden überprüft, weitere Informationen gab es zunächst nicht.

Zwei Schimpansen überlebten mit leichten Verletzungen die Feuersbrunst in dem Affenhaus. Die beiden Tiere Bally und Limbo seien narkotisiert worden und in ein benachbartes Haus gekommen, berichtete der Zoo-Direktor, der zum Zeichen der Trauer am Neujahrstag schwarze Kleidung trug.

Unter Tränen stellten vor dem Eingang zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf – bis zum Nachmittag war es eine große Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren. Dazu platzierten Zoofreunde Schilder mit Aufschriften wie „Warum“ oder „Gestorben für euer Silvestervergnügen“. Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort. Am Neujahrstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: „Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock“, erklärte der Zoo. Auch am Donnerstag werde man nicht öffnen.

Als die Feuerwehr gut eine halbe Stunde nach Mitternacht zum Gelände kam, sei das Affenhaus schon voll in Flammen gewesen, berichtete der Sprecher der Krefelder Feuerwehr, Kai Günther. Es sei so groß gewesen, „dass uns klar war, dass wir es nicht retten können“.

Bei Tageslicht offenbarte sich die ganze Tragödie: Nur noch das Gerippe des im Gewächshausstil erbauten Affentropenhauses steht noch. Die Haltung von Affen soll aber weitergehen, bekräftigten Zoo-Direktor Dreßler und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD).

Gorillagehege verschont

Laut einer Sprecherin waren unter den toten Tieren auch kleinere Affen wie goldene Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen sowie Flughunde und Vögel. Ein direkt angrenzendes Gehege mit einer jungen siebenköpfigen Gorillafamilie blieb verschont.

Der vergleichsweise kleine Zoo bekam zahlreiche Botschaften via Facebook. „Ein Tag mit einer schwarzen Trauerkante!“, schrieb ein Besucher und wünschte den Pflegern und Mitarbeitern eine Menge Kraft, um mit diesem schrecklichen Verlust fertig zu werden. „Wir hatten als Familie seit Jahrzehnten viele schöne Momente im Affenhaus“, schrieben andere.

Der Zoo selbst hatte das Unglück auf seiner Facebookseite bekannt gemacht: „Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt.“ Es gebe bereits zahlreiche Hilfsangebote, etwa aus dem nahen Duisburger Zoo.

Der Zoo hat mehr als 400 000 Besucher im Jahr und 75 Mitarbeiter. Dort leben fast 200 Arten und insgesamt rund 1000 Tiere.

Info: Bilderstrecke unter morgenweb.de/vermischtes

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