Vermischtes

Raumfahrt Amerikaner wollen nach Jahren eigenständig zur Internationalen Raumstation

USA starten wieder durch

Archivartikel

Cape Canaveral.Es ist eine der ironischen Wendungen der Weltgeschichte: Zu ihrem wohl teuersten Bauwerk haben die US-Amerikaner ohne die Russen seit Jahren keinen Zugang mehr. Nur russische Sojus-Raumschiffe transportierten noch Astronauten zur hauptsächlich von den USA finanzierten Internationalen Raumstation (ISS). Damit soll nun Schluss sein: Nach knapp neunjähriger Pause sollen am 27. Mai erstmals wieder Astronauten von den USA aus zur ISS starten.

Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre „Atlantis“ von der Abschussrampe 39 A des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral aus zur Raumstation geflogen. Danach mottete die US-Raumfahrtbehörde Nasa ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen ein und war für Flüge zur ISS seither auf Russland angewiesen. Das war mit bis zu 80 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel nicht nur teuer, sondern kratzte auch mächtig am Ego.

Hoffnung ruht auf SpaceX

„Die bedeutendste Nation der Welt sollte bei der Raumfahrt nicht auf irgendein anderes Land angewiesen sein“, hatte der damalige Nasa-Chef Charles Bolden 2014 gesagt – und eigene Flüge für 2017 angekündigt. Im Zuge technischer Probleme, Finanzierungsschwierigkeiten und Umstrukturierungen nach der Wahl von Präsident Donald Trump wurde das Projekt immer weiter aufgeschoben.

Neben SpaceX war auch Boeing damit beauftragt worden, Transporter für Astronauten zu entwickeln. Der von Boeing entwickelte „Starliner“ schaffte es allerdings bei einem ersten Versuch im Dezember nicht zur ISS. Der unbemannte Test soll nun wiederholt werden. Bis dahin ruhen alle Hoffnungen auf dem „Crew Dragon“ der privaten Raumfahrt-Firma SpaceX, wie Nasa-Chef Bridenstine deutlich macht. „Diese Mission hat für die Vereinigten Staaten eine hohe Priorität.“

Los geht es nach derzeitigem Plan am 27. Mai um 22.32 Uhr, wieder an der Abschussrampe 39 A. Aber sonst ist diesmal vieles anders. Die Astronauten starten nicht an Bord eines Raumschiffs der Nasa, sondern in deren Auftrag mit einer „Falcon 9“-Rakete und dem „Crew Dragon“ – und das mitten in der Corona-Pandemie, in der Unternehmen nur eingeschränkt arbeiten können und Zuschauer nicht zugelassen werden.

Im „Crew Dragon“ sollen die Nasa-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley sitzen, beide Veteranen des Space-Shuttle-Programms. „Es ist wahrscheinlich der Traum von jedem Schüler einer Testpilotenschule, mit einem brandneuen Raumschiff zu fliegen“, sagte der 49-jährige Behnken jüngst bei einer Pressekonferenz. „Und ich habe das große Glück, so eine Chance zu haben.“ Rund einen Monat sollen die beiden US-Astronauten an Bord der ISS bleiben – deutlich länger als geplant, denn die Raumstation ist derzeit mit nur drei Raumfahrern – den beiden Russen Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner sowie dem Nasa-Astronauten Christoper Cassidy – zu knapp besetzt.

Rogosin gegen Musk

Das Ganze sei ein Test, der „letzte Flugtest“ des „Crew Dragon“, betont die Nasa. „Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren“, sagt Nasa-Chef Jim Bridenstine. „Wir machen das, um Dinge zu lernen. Und wir nehmen es sehr, sehr ernst in Hinblick auf Sicherheit.“

Russland wird den Start ebenfalls mit Spannung verfolgen – Kosmonauten sind aber nicht mit an Bord. In den vergangenen Jahren flogen mit der Sojus gemischte Besatzungen ins All, davor aber Amerikaner und Russen jeweils mit ihren Raumschiffen. Ohnehin giften sich der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, und der Boss von SpaceX, Elon Musk, gerne mal öffentlich an. dpa

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