Vermischtes

Brände Ein Jahr nach den Jahrhundertfeuern sprießt im Busch neues Leben – doch die Fauna braucht noch viel Zeit

Verbrannte Erde: Australiens Tierwelt leidet noch immer

Archivartikel

Blackheath.Die Geschäfte in Blackheath, einem Ort in den Blue Mountains westlich von Sydney, sind zum Bersten voll. Alle wollen vor Weihnachten noch Einkäufe erledigen, die Stimmung ist gelöst: Die Corona-Situation hat sich in der Region beruhigt, und der feuchte Sommeranfang verspricht Entspannung in der bis März andauernden Brandsaison.

Noch vor einem Jahr war die Lage dramatisch. „Der 20. Dezember war der schlimmste Tag für Blackheath“, erinnert sich Kathy Butler, die seit zwölf Jahren im Ort wohnt. Mehrere große Feuersbrünste hatten sich vereint und bedrohten die 4000-Seelen-Gemeinde. „Der Rauch war so dicht, dass man ohne Maske nicht mehr atmen konnte“, sagt die Ökologin, die als Rangerin für den Blue Mountains National Park arbeitet.

Sorge um Wildtierarten

Die Jahrhundertfeuer verwandelten weite Teile des Landes in eine apokalyptische Landschaft voller schwarzer Baumskelette. Fast 70 Prozent des Nationalparks wurden von den Flammen überrollt, weit über 100 Millionen Tiere kamen ums Leben, verloren ihr Habitat oder verhungerten im Nachhinein. Schätzungen zufolge könnten in ganz Australien mehr als drei Milliarden Tiere gestorben sein. Kathy Butler schaudert noch immer bei dem Gedanken an die Feuer. Sie seien „absolut furchteinflößend“ gewesen, sagt sie. Und erinnert sich daran, wie es „verkohlte Blätter regnete“.

Mindestens 33 Menschen kamen damals ums Leben, australienweit verbrannten über 17 Millionen Hektar Land. Trevor Evans betreibt einen kleinen Tierpark – das Secret Creek Sanctuary – in Lithgow, rund 30 Minuten von Blackheath entfernt. Ihm gelang es zwar, sämtliche seiner Tiere zu retten und kurzfristig in einen größeren Tierpark nach Sydney umzusiedeln. Doch viele Wildtierarten seien wohl ausgestorben. So habe er seit den Feuern keinen Leierschwanz mehr gesehen. Unzählige Gleitbeutler und Possums fand er verkohlt an Zäunen hängend, halbverbrannte Schlangen schauten aus Löchern im Boden heraus. „In den Monaten nach den Feuern fanden wir immer wieder tote Vögel, die durch den Rauch noch lange danach verendeten“, sagt er. Es dauere wohl mindestens ein Jahrhundert, bis sich die Tierwelt erholt haben werde. Besonders gefährdet seien die spezialisierten Tiere, die bestimmtes Futter und einen bestimmten Lebensraum brauchen – die symbolträchtigen Koalas beispielsweise.

Die Menschen in Blackheath haben längst nicht vergessen, was passiert ist. Die Solidarität sei immens gewesen, so die Rangerin Butler. Während die einen alles wegschafften, was brennbar war, kochte eine Nachbarin für Butlers gesamte Straße. „Die Katastrophe hat uns näher zusammengebracht“, schwärmt sie. „In den Wochen danach feierten wir ein Fest – alle weinten und umarmten die Feuerwehrleute, die unser Dorf gerettet haben.“

Während die Tierwelt nach wie vor darbt, zeigt der australische Busch seine „erstaunlichen Fähigkeiten“, wie Butler sagt. Einheimische Pflanzen wie Eukalypten, Akazien und Waratahs sprießen wieder an fast jeder Ecke. Grasbäume stehen in voller Blüte, auch andere Büsche wachsen bereits nach. Samen, die die Hitze eines Feuers brauchten, um sich aus ihrer Kapsel zu befreien, haben Wurzeln geschlagen.

Künftig Drohnen im Einsatz

Tierschützer Trevor Evans hat trotzdem Angst vor der Zukunft. „All die kleinen Tiere – die Kaninchenkängurus, Wallabys und Nasenbeutler – fehlen. Diese kleinen Ingenieure des Busches, die das Unterholz klein halten“, warnt er. Sobald es wieder heiß wird und die Feuer zurückkommen, könne dies das Risiko eines erneuten Megafeuers erhöhen.

Künftig will Australien Buschbrände mithilfe von Drohnen, Satellitentechnologie und künstlicher Intelligenz in Rekordzeit unter Kontrolle bringen. Plan mit dem Namen „Mission Fire Shield“ (Mission Feuerschild) wurde von der philanthropischen Minderoo Foundation zusammen mit der australischen Ministerin für Wissenschaft und Technologie, Karen Andrews, entworfen. Unter anderem sollen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eingesetzt werden, um Brände zu lokalisieren. Drohnen und autonome Fahrzeuge sollen dann helfen, sie schnell zu löschen. (mit dpa)

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