Vermischtes

"Xavier" Stromausfälle, gesperrte Straßen, gestrichene Bahnverbindungen - nach dem Unwetter beginnt das große Aufräumen

Verheerende Sturm-Bilanz

Berlin/Mannheim.Am Tag nach dem schweren Wirbelsturm "Xavier" kämpfte die Bahn besonders schwer mit den Folgen des Sturms. Umgestürzte Bäume und zerstörte Oberleitungen sorgten vor allem im Fernverkehr den ganzen Tag für Zugausfälle und massive Verspätungen. Tausende Reisende strandeten an den Bahnhöfen. Hunderte von Mitarbeitern seien zur Räumung und Reparatur im Einsatz, hieß es vonseiten der Bahn.

"Man fühlt sich von der Bahn im Stich gelassen", meinte eine frustrierte Reisende gestern Nachmittag im Mannheimer Hauptbahnhof. Zwar trage das Unternehmen keine Schuld für ein Unwetter, aber für die spärlichen Informationen im Nachgang. "Und auch die App ist nicht immer zuverlässig. Oft stehen darin Verbindungen, die gar nicht mehr aktuell und schon längst ausgefallen sind." Auf ihrem Weg über Hannover ins westfälische Minden musste die junge Frau schlussendlich einen deutlich längeren Umweg über Dortmund in Kauf nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Im Mannheimer Bahnhofsgebäude blieb die Lage weitestgehend ruhig, die meisten Passagiere hatten sich auf die besondere Situation entsprechend eingestellt.

Umstieg auf Fernbusse

Auch die Bahn reagierte: So verlängerte sie als Folge der Zugausfälle durch den Sturm die Gültigkeit ihrer Fahrscheine. Alle Tickets für die betroffenen Verbindungen können nun bis 15. Oktober genutzt werden. Das gelte auch für Fahrkarten mit Zugbindung, teilte der Konzern gestern mit.

Viele Reisende warteten auch gar nicht, bis die Strecken freigeräumt seien, und stiegen kurzerhand auf Fernbusse um. "Wir hatten am Donnerstag für bestimmte Strecken einen Buchungsanstieg um bis zu 45 Prozent", teilte eine Sprecherin des Fernbusunternehmens Flixbus mit. Bis zum späten Abend waren gestern Verbindungen wie beispielsweise von Hannover nach Hamburg komplett ausgebucht.

"Xavier" war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) einer der schlimmsten Stürme der vergangenen Jahrzehnte. Er war am Donnerstag vor allem über den Norden und Osten Deutschlands hinweggefegt. In Brandenburg stürmte er mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 122 Stundenkilometern am heftigsten. Besonders schwer betroffen waren auch Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sieben Menschen starben, darunter auch die Journalistin und Politik-Expertin Sylke Tempel (siehe kleiner Artikel unten).

Die Bundesregierung würdigte den großen Einsatz der Rettungskräfte. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer dankte in Berlin allen, "die in den Stunden des Orkans hart daran gearbeitet haben, die Verkehrsverbindungen aufrechtzuerhalten und Menschen zu helfen, die in Not geraten sind". Betroffen äußerte sie sich über die hohe Zahl der Todesopfer: "Natürlich denken wir in diesen Stunden an die sieben Menschen, die auf tragische Weise in dem Orkan ihr Leben verloren haben, und an die Angehörigen, denen wir tief empfundenes Mitgefühl aussprechen."

Bäume beschädigen Leitungen

In Mecklenburg-Vorpommern waren gestern Nachmittag noch rund 4000 Kunden ohne Strom. Unmittelbar nach dem Sturm waren 35 000 Kunden von dem Stromausfall betroffen gewesen. Es seien mehrere, zum Teil sehr große Bäume in die Leitungen gefallen, sagte eine Sprecherin des Energieversorgers Wemag. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich schwierig.

In Mecklenburg-Vorpommern blieb der größte Landschaftspark, der Schlosspark Ludwigslust, gesperrt. "Xavier" habe zahlreiche Bäume entwurzelt, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebs für Bau und Liegenschaften. In Sachsen warnte die staatliche Forstverwaltung vor dem Betreten der Wälder. "Der Aufenthalt kann lebensgefährlich sein", sagte ein Sprecher.

Trotz der schweren Verwüstungen sei "Xavier" kein besonders außergewöhnlicher Sturm gewesen. "Sturm- und Orkantiefs gehören zum Herbst dazu, und es muss immer wieder mit ihnen gerechnet werden", erklärte DWD-Meteorologin Tanja Dressel. Bemerkenswert sei in diesem Fall, dass der Sturm ein "Schnellläufer" war, der sich sehr rasch innerhalb weniger Stunden weiterbewegt hat, vom Nordwesten bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg im Osten.

Für die nächsten Tage rechnen die Meteorologen mit anhaltend ungemütlichem Wetter und viel Regen. In der Nähe der Küsten kann der Wind in Böen wieder Sturmstärke erreichen.

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