Vermischtes

Vatikan Mehrheit der Teilnehmer plädiert bei Synode für Ausnahmeregelung im Amazonas-Gebiet / Frauen ohne Stimmrecht

Verheiratete bald als Priester?

Archivartikel

Rom.Für die einen sind es Schritte in die Moderne, andere sehen die gesamte Kirche in Gefahr: Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die umstrittene Priesterweihe verheirateter Männer ausgesprochen – allerdings nur in Ausnahmefällen und nur für eine bestimmte Region.

Im Amazonas-Gebiet sollen angesehene Männer, die eine Familie haben und schon als Diakone tätig sind, auch Priester werden dürfen. Dafür stimmte am Samstag die Mehrheit der Teilnehmer der Synode in Rom, die sich mit den Problemen der südamerikanischen Region beschäftigte. Zugleich stellte Papst Franziskus eine neue Diskussion über Frauen in gewissen Weiheämtern in Aussicht.

„Ich glaube, es ist eine wichtige Wende, denn es ist das erste Mal, nachdem man über das Thema schon 50 Jahre diskutiert hat, dass auf einer Synode eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe ein verheiratetes Priestertum fordert“, sagte der Buchautor und Vatikan-Experte Marco Politi. Er sieht die Möglichkeit, das auf globale Ebene zu übertragen. Und „Gewinner ist ganz bestimmt die Reformlinie“, denn diese habe eine Mehrheit gefunden. Konservative Kritiker des argentinischen Papstes sehen dagegen einen Angriff auf den Zölibat – die mehr als 1000 Jahre alte Pflicht zur Ehelosigkeit der Priester – und die Kirche insgesamt. Die deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller gehörten dabei zu den lautesten Querschlägern. Brandmüller sah ein „Grüppchen von Ideologen“ am Werk, die den Zölibat zu Fall bringen wollten. Müller warnte vor einem „Umbau der Weltkirche“ und einer „Abrissbirne“.

Neue Kommission geplant

Die Synode stand damit für diesen internen Richtungskampf der katholischen Kirche. „Es ist ein Erfolg für Franziskus“, sagte Politi. In dem Abschlussdokument bekam der Punkt über die verheirateten Männer erwartungsgemäß die meisten Gegenstimmen. Auch wenn Synodenteilnehmer wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ein ums andere Mal betonten: „Die Abschaffung des Zölibats ist nie ein Thema gewesen.“

Doch einen Spalt öffnet der Vorschlag dennoch. So steht auch im Abschlussdokument: Einige Teilnehmer hätten sich dafür ausgesprochen, das Thema auf „universaler“ Ebene anzugehen. Priestermangel gibt es schließlich nicht nur im Amazonas-Gebiet, sondern auch in Ländern wie Deutschland. Wenn auch nicht so extrem, dass nur einmal im Jahr die Messe gefeiert werden kann.

Zweiter heikler Punkt: Dürfen Frauen zu Diakoninnen geweiht werden? Zwar sprachen sich die Synodenteilnehmer blumig für mehr Anerkennung der Frau und mehr Frauen in Führungspositionen aus – bei der Frage nach Frauen als Diakoninnen bleibt das Abschlussdokument jedoch vage. Franziskus sagte, es solle noch einmal untersucht werden, wie das Frauendiakonat in der Urkirche aussah. Eine 2016 eingesetzte Kommission war da zu keinem klaren Urteil gekommen und soll nun mit neuen Personen besetzt werden.

Mehr als 30 Teilnehmerinnen

Für sich spricht die Tatsache, dass über das Abschlussdokument nur 181 Männer abstimmen durften – obwohl auch mehr als 30 Frauen bei der Synode waren. „Die Erfahrung auf der Synode hat gezeigt, dass es ein langwieriger Prozess ist, im Vatikan Veränderungen zu erzeugen“, sagte Birgit Weiler, deutsche Synodenteilnehmerin und missionsärztliche Schwester in Peru. „Frauen sollten auf Synoden auch ein Stimmrecht haben. Es gibt keinen Grund, warum das nicht so sein könnte.“

Über all das gelang das ursprüngliche Thema der Synode in den Hintergrund: die Umweltzerstörung im Amazonas, die Abholzung des Regenwaldes, der Klimawandel, die Ausbeutung indigener Völker. „Wenn wir den Amazonas zerstören, zerstören wir die Erde“, sagte der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, der bei der Synode als Redner auftrat.

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