Vermischtes

Verloren in fremden Welten

Der fieseste Schurke kann man sein oder der unerschrockenste Held. Der größte Entdecker, der fremde Welten erkundet gemeinsam mit Millionen Mitstreitern. Es ist schon erstaunlich, was in einem Computerspiel so alles geht.

Erstaunlich und gefährlich. Denn je faszinierender die digitale Realität ist, desto unattraktiver kann auch die echte werden – gerade, wenn dort Probleme warten, die man lieber nicht angeht: nervige Lehrer, langweilige Uni-Seminare, das Projekt, bei dem der Chef im Nacken sitzt. Da doch lieber die Spielekonsole einschalten und flüchten. Flüchten vor dem Alltag. Die Zahl jener Menschen, die das in hohem Maße tun, steigt. Sie gelten nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) künftig als krank, und das ist gut so.

Denn diese Zocker erfüllen alle Merkmale eines Süchtigen. Sie vernachlässigen ihr berufliches und soziales Umfeld, sie schlafen tagsüber und zocken nachts, sie essen unregelmäßig – sie verabschieden sich von der Gesellschaft. Genau so wie das Drogenkranke eben tun. Weil die WHO übermäßiges Computerspielen nun als Sucht anerkannt hat, können Betroffene bei einer Therapie künftig sogar auf die Unterstützung der Krankenkassen hoffen. Eine gute Nachricht für all jene, die sich in den fremden Welten verloren haben.

Experten haben bei dem Schritt jedoch Bedenken, und auch die sind ernstzunehmen. Denn wo verläuft die Linie zwischen einem Hobby- und einem Suchtspieler? Zieht sich eine Person zurück und verbringt sie viel Zeit vor dem Computer, kann das andere Gründe haben. Psychische Erkrankungen, eine Depression zum Beispiel. Die WHO legt im Moment lediglich drei – sehr vage – Kriterien für eine Diagnose an. Da braucht es eine genauere Definition.

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