Vermischtes

Verunglückte Versuche und emotionale Erinnerungen

Die ersten Küsse sind meist nicht so, wie man sich dies erträumt hätte. Redaktionsmitglieder erinnern sich an lustige, emotionale und verunglückte Versuche:

Sie war klein, ziemlich anspruchsvoll und hatte dralle rote Lippen. Ihr Name war Galaxy. Samsung Galaxy S4 Mini, um genau zu sein. Nein, das hier ist keine Geschichte vom ersten Kuss eines Jugendlichen, sondern die einer flüchtigen Liaison zwischen Mensch und Mobiltelefon. Es war vor etwa dreieinhalb Jahren. Der Auftrag lautete, für den „Wirtschaftsmorgen“, eine Beilage dieser Zeitung, eine Kuss-App fürs Handy zu testen. Die Anwendung war schnell auf dem Gerät installiert, ein roter Kussmund prangte erwartungsfroh in der Mitte des Bildschirms. Was dann folgte, war eine Enttäuschung: „Du bist zu verkrampft“, „Weniger Spucke!“ oder „Du bist ein wenig aus der Übung“, schleuderte einem der Kussmund nach getanem Werk entgegen. Das konnte keine Zukunft haben. Ich löschte die Anwendung. Wenig später ließ ich Galaxy fallen. Mein Herz hatte einen Sprung, genau wie ihr Display.

Julian Eistetter

Wenn man sich da an seinen ersten Kuss erinnern soll, denken sicherlich viele an einen zwischen zwei Geliebten. Ich denke da an den ersten – also wirklich den ersten – Kuss: nämlich der der Mutter. Nach der Geburt. Erinnern kann ich mich daran natürlich nicht. Aber ich weiß ja, wie meine Mama war. Nach vielen Stunden Wehen, Pressen, Blut und Schweiß hatte sie mich endlich im Arm. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie meinen Kopf festhielt, meine Stirn weinend küsste. Wie sie mir über die Wange streichelte. Und ich war wahrscheinlich auch ziemlich erschöpft. Schließlich ist eine Geburt nicht nur für die Mutter anstrengend. Es muss ein sehr schöner Moment gewesen sein. Schade, dass ich sie nicht mehr danach fragen kann.

Joana Rettig

Mein erster Kuss hätte kitschiger nicht sein können: Ich war sechs Jahre alt und in den Ferien auf einem Bauernhof. Dort lernte ich Lisa kennen, die ein Jahr älter war und zu den Stammgästen des Landgutes gehörte. Sie kannte sich dort aus, wusste, wo wir Kinder am besten spielen konnten. Ich freundete mich mit ihr schnell an, und zwischen den Strohballen in der Scheune trafen wir uns jeden Nachmittag. „Lass uns doch Mutter und Vater spielen und uns morgen küssen“, schlug sie zwei Tage vor unserer Abfahrt vor. Für 17 Uhr verabredeten wir uns – und schüchtern wie wir waren, gab es im Stroh liegend erstmal nur einen Schmatzer auf die Backe, bevor der echte erste Kuss auf die Lippen folgte. Wirklich geknistert hatte aber nur das Stroh unter uns. Was uns antrieb, war eher die Neugierde, wie es wohl ist, erwachsen zu sein und sich zu küssen.

Caspar Oesterreich

Romantisch sollen Küsse sein, eine emotionale Verbindung zwischen den Küssenden herstellen. Eine feste Verbindung hat ein Kuss in Jugendjahren definitiv zustande kommen lassen – nur keine romantische. Meine Zahnspange und die des damaligen Schwarms fanden sich anscheinend so sympathisch, dass sie sich ineinander verhakten. Von lauten Lachern der umstehenden Freunde begleitet und mit hochrotem Kopf dauerte es eine Weile, bis die feinen, festen Drähte wieder entwirrt waren. Die große Liebe ist aus dieser metallenen Verbindung nicht entsprungen, wohl aber eine bis heute andauernde Freundschaft, in der das Spangen-Malheur immer wieder Thema ist.

Heike Rentsch