Vermischtes

Welt-Aids-Konferenz Zunahme von Neu-Infektionen vor allem alarmiert Experten

Virus breitet sich rasant in Osteuropa aus

Archivartikel

Amsterdam.Zu Beginn der Welt-Aids-Konferenz haben Experten vor einem Rückschlag beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit gewarnt. Durch fehlenden politischen Willen, Geldmangel und Diskriminierung könne die Epidemie nicht überall wirkungsvoll bekämpft werden. Das betonten Wissenschaftler und Aktivisten zum Auftakt des weltweit größten Expertentreffens zu Aids und HIV gestern in Amsterdam. Besonders bedrohlich sei die Lage in Osteuropa und Zentralasien.

Die Zunahme bei Neu-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien sei alarmierend, warnten Aktivisten aus dieser Region. Vor allem Russland sei stark betroffen. Nur eine Minderheit der Patienten habe Zugang zu Medikamenten. Nach Angaben der UN-Organisation Unaids ist dies die Region, in der die Epidemie am deutlichsten zunimmt.

Betroffene häufig ausgegrenzt

Die UN hatten sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 die Epidemie zu beenden. Doch in etwa 50 Ländern nimmt die Zahl der Infizierten laut Unaids zu. Der HI-Virus schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte. Der Körper kann dadurch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze immer schwerer bekämpfen. Eine Ansteckung ist unter anderem über Blut und Sperma möglich. Wenn eine HIV-Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, entwickelt sich die Immunschwächekrankheit Aids.

Die Lage in Osteuropa ist auch eines der Hauptthemen auf der Welt-Aids-Konferenz. Rund 15 000 Experten aus über 160 Ländern beraten bis zum Freitag über den Kampf gegen die Epidemie. Das 22. Treffen von Wissenschaftlern, Aktivisten, Betroffenen und Politikern steht unter dem Motto: „Barrieren durchbrechen – Brücken bauen“.

Die neuen HIV-Infektionen in Osteuropa und Zentralasien seien unnötig, sagte der niederländische Vorsitzende der Konferenz, Peter Reiss. „Die Maßnahmen, die erfolgreich sind, müssen dort nur umgesetzt werden.“ Der Aidsforscher hofft auf ein Umdenken. „Wenn sich in diesen Ländern nach dieser Konferenz etwas ändert, dann wäre das der größte Erfolg.“

Als ein Grund für die Ausbreitung der Epidemie gilt auch die Stigmatisierung von besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Die sechs Organisationen von Betroffenen starteten die Kampagne „Jagt den Virus, nicht die Menschen“, um eine breite Öffentlichkeit aufzurütteln. Sie erhoffen sich auch stärkeren politischen Druck von der EU. Sie berichteten von systematischer Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen, Sex-Arbeitern und Drogenabhängigen. Daher würden sich diese auch oft nicht auf Aids testen lassen.

Auch die Deutsche Aidshilfe warnte vor einem Rückschlag. „Respekt, Solidarität und Zusammenarbeit mit den am stärksten bedrohten Menschen führen zum Erfolg“, sagte Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe.

Jahrzehntelang lag der Fokus des weltweiten Kampfes gegen Aids auf Afrika. Noch immer leben die meisten der rund 37 Millionen HIV-Infizierten auf diesem Kontinent. Doch gerade aus Afrika kamen nun positive Nachrichten. Vertreter aus Kenia, Ghana und Ruanda teilten mit, dass Aufklärung und Behandlung erfolgreich seien. Mehr Menschen hätten Zugang zu Medikamenten. dpa