Vermischtes

Geschichte Die Riesenglocke im Elizabeth Tower gehört zu den Wahrzeichen Londons

Vor 160 Jahren läutete Big Ben zum ersten Mal

London.Tief unten sind Themse und Buckingham-Palast zu sehen, in der Ferne die Hügel in der Umgebung Londons. Es ist eng in fast 100 Metern Höhe auf dem Wahrzeichen Big Ben. Im Gewirr von Gerüsten und Leitern für die Sanierung können nur wenige Arbeiter zeitgleich werkeln. Höhen- und Platzangst sind hier fehl am Platz.

Vor 160 Jahren, am 11. Juli 1859, ertönte das erste Mal die große Glocke – der Big Ben – neben dem Parlament in Westminster. Die Briten nennen auch liebevoll den ganzen Turm so. Das Wahrzeichen, zur Enttäuschung von Touristen zurzeit hinter Gerüsten und Plastikplanen kaum zu erkennen, ist inzwischen nach der britischen Königin benannt: Es heißt Elizabeth Tower.

Ziffernblätter aus der Oberpfalz

Der Zahn der Zeit hat mächtig an dem Wahrzeichen genagt. Doch die Hälfte der aufwendigen Sanierung sei schon geschafft, sagt Projektmanager Nicholas Sturge. „Die Arbeiter müssen sehr vorsichtig vorgehen.“ Experten nehmen Stück für Stück auseinander, bearbeiten die Teile und setzen sie dann wieder zum großen Ganzen zusammen. Geht alles gut, wird das Außengerüst laut Sturge ab Ende 2020 abgebaut. Bis 2021 sei dann auch das Innere des Turms komplett renoviert.

Die Dimensionen des Projekts sind enorm: Allein die vier Ziffernblätter der Uhr haben jeweils einen Durchmesser von sieben Metern. Jedes Ziffernblatt besteht aus 324 Glasscheiben. „Die sind alle mundgeblasen und nicht transparent“, erläuterte Robert Christ von der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Das Unternehmen in der Oberpfalz im nördlichen Bayern stellt die neuen Scheiben für Big Ben her.

Auch das gusseiserne Dach und das sogenannte Ayrton-Licht werden generalüberholt. Das laternenartige Gebilde leuchtet nur oben im Elizabeth Tower, wenn das Parlament nach Sonnenuntergang tagt.

Das Geläut bleibt voraussichtlich bis 2021 ausgesetzt – auch das Uhrwerk muss überholt werden. Außerdem würden die Arbeiter ansonsten Hörschäden bekommen. Experten verglichen die Lautstärke von 120 Dezibel im Turm mit Polizeisirenen.

Apropos Polizei: Im Turm war sogar einst ein kleines Gefängnis für Mitglieder des Parlaments untergebracht. Zuletzt kam ein Abgeordneter 1880 dort hinein, der nicht die religiöse Eidesformel leisten wollte.

Dass sie lange Zeit wegen der Sanierung auf die Schläge des Big Ben und der übrigen vier Glocken verzichten müssen, ärgert etliche Briten. Es gab sogar mächtig Streit im Parlament; auch Premierministerin Theresa May passte das lange Aussetzen des Geläuts nicht. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hielt dagegen das Verstummen der Glocken nicht gerade für ein „nationales Desaster“.

Der fast 14 Tonnen schwere Big Ben schlägt normalerweise stündlich, die kleineren Glocken im Viertelstundentakt. Nur zu besonderen Anlässen – etwa Silvester – ist das Läuten in der Bauphase jetzt noch zu hören. Benannt wurde der Big Ben vermutlich nach dem britischen Baumeister und Politiker Sir Benjamin „Ben“ Hall (1802-1867). Eine andere Theorie besagt, dass die Glocke nach dem Schwergewichtsboxer Ben Caunt benannt worden ist.

Problem Luftverschmutzung

Dass Uhrwerk des Wahrzeichens gilt als äußerst präzise. Damit die Zeitbestimmung auch weiter so exakt funktioniert, sind vier Mechaniker, die „Hüter der Großen Uhr“, im Einsatz. Einer von ihnen ist Steve Jaggs, für den die Uhr und die große Glocke „Repräsentanten unserer Demokratie und unserer Hauptstadt sind“.

„Vor allem die Luftverschmutzung hat dem Gebäude zu schaffen gemacht“, sagt der leitende Architekt Adam Watrobski. Die Materialien seien durch Schadstoffe angegriffen worden. Künftig dürfte dies dank Umweltschutzmaßnahmen kein großes Problem mehr sein – dafür könnte ein anderes hinzukommen, so Watrobski. „Wir wissen einfach nicht, wie sich die Klimaerwärmung auf das Gebäude auswirkt.“