Vermischtes

Sexuelle Belästigung Deutsche TV-Journalistin hält früherem französischen Staatspräsidenten übergriffiges Verhalten vor / Kanzlei hält Schilderungen für glaubhaft

Vorwürfe gegen Valéry Giscard d’Estaing

Archivartikel

Paris.Bisher hing ihm in Frankreich der Ruf eines unermüdlichen „Verführers“ an. Mit Verführung haben die Vorwürfe gegen den früheren Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, die nun bekannt wurden, allerdings nichts zu tun. Bereits am 12. März 2020 hat ihn die deutsche Fernseh-Journalistin Ann-Kathrin Stracke wegen sexueller Belästigung bei der Staatsanwaltschaft in Paris angezeigt. Sie habe lange überlegt, sagte die heute 37-Jährige. Doch die #metoo-Debatte habe sie bestärkt und ihr „gezeigt, wie wichtig eine gesellschaftliche Diskussion über dieses Thema ist“.

Im Dezember 2018 war die WDR-Reporterin für einen Beitrag zum 100. Geburtstags des 2015 verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Schmidt nach Paris gereist, um d’Estaing zu interviewen. Der frühere Staatspräsident von 1974 bis 1981 gilt als ein enger Weggefährte Schmidts. Das Interview sei sehr gut gelaufen, erzählte Stracke, die im Anschluss um ein Foto mit dem Politiker und dem Team, einem Kameramann und einer Ton-Assistentin, bat. Dabei habe ihr der damals 92-Jährige einen Arm um die Taille gelegt, seine Hand über die Hüften Richtung Gesäß gleiten lassen und dies bei einer neuerlichen Foto-Aufnahme wiederholt. Anschließend schlug er ihr vor, Fotos in seinem Büro anzusehen, kam ihr dabei immer näher und fasste ihr erneut ans Gesäß. Der Kameramann bestätigte die Szene und sagte, er habe eine Lampe umgeworfen, um seiner Kollegin aus dieser Lage zu helfen.

Der WDR beauftragte eine Anwaltskanzlei, die sie und den Kameramann befragte und im April 2019 ihre Schilderungen als „insgesamt glaubhaft“ bezeichnete. Im Juni 2019 schickte eine Pariser Anwaltskanzlei im Namen des WDR einen Protestbrief an das Büro d’Estaings. Nun sagte sein Bürochef Olivier Revol, d’Estaing erinnere sich nicht an das Interview. Sollten die Vorwürfe stimmen, tue es dem 94-Jährigen sehr leid. Sein Anwalt ließ wissen, man behalte sich Schritte im Fall eines entstandenen Schadens vor.

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