Vermischtes

Brauchtum Vatertage gibt es weltweit – welcher Zusammenhang besteht mit Christi Himmelfahrt?

Was Biertouren mit der Bibel zu tun haben

Archivartikel

Berlin.Am Vatertag haben Wandertouren mit Bier und Bollerwagen Tradition – zumindest hierzulande. Dass die feucht-fröhlichen „Herrenpartien“ auf die Apostelgeschichte im Neuen Testament zurückgehen, wissen aber wohl die wenigsten.

Der Ursprung

Wie schon der Muttertag hat auch „Father’s Day“ seine Wurzeln in den USA. Erfunden hat ihn eine Frau: Sonora Louise Smart Dodd aus der kleinen Stadt Spokane im US-Bundesstaat Washington. Ihr Vater hatte nach dem Tod seiner Ehefrau sechs Kinder alleine groß gezogen. Um ihn zu ehren und vom gerade erst eingeführten Muttertag inspiriert, konnte Dodd zunächst die örtlichen Behörden davon überzeugen, am dritten Sonntag im Juni künftig auch der Väter zu gedenken. Zum ersten Mal war dies im Jahr 1910 der Fall. Sechs Jahre später feierte Präsident Woodrow Wilson den Vatertag im Weißen Haus, doch erst 1972 erklärte ihn Präsident Richard Nixon zum offiziellen Feiertag.

Über den Teich

In Europa hätten in den 1930er Jahren niederländische Zigarrenfabrikanten begonnen, den Vatertag als Gegenstück zum schon etablierten Muttertag zu propagieren, berichten Volkskundler. Es seien „kommerzielle Propagandisten“ gewesen, die den Vatertag auch in Europa heimisch machen wollten, bestätigt die Historikerin Susanne Rouette. In Österreich zum Beispiel gilt Helmut Herz als Erfinder. Er war Werbeleiter einer Hemdenmanufaktur. „Vater sein ist vielfach Plag’, drum leb er hoch, der Vatertag“, dichtete er in den 1950er Jahren. Neben Ostern und Weihnachten sind die Tage vor Muttertag und Vatertag dort für den Handel zur umsatzstärksten Zeit des Jahres geworden.

Länder und Sitten

In Frankreich oder den Niederlanden zum Beispiel bekommt Papa am dritten Sonntag im Juni Geschenke oder das Frühstück ans Bett. In Neuseeland oder Australien hingegen fällt der Vatertag – ein Fest für die ganze Familie – stets auf den ersten Sonntag im September. In Italien wird nach römisch-katholischer Tradition am Josefstag gefeiert, „Festa di San Giuseppe“ ist dort bereits am 19. März. Der Tag geht auf den Ziehvater Jesu und Ehemann der heiligen Mutter Maria zurück. Auch hierzulande fällt der Vater-, Männer- oder Herrentag mit einem kirchlichen Fest zusammen: Christi Himmelfahrt.

Tradition

Die wenigsten Vatertagsausflügler dürften sich der Wurzeln dieses Brauchs bewusst sein. Seit dem 4. Jahrhundert feiern Christen an Himmelfahrt die „Aufhebung“ Jesu in den Himmel, die Rückkehr des Gottessohnes zum Vater. Später zogen die Gläubigen an diesem Tag um die Felder und baten um eine gute Ernte. Dass schon damals ordentlich gezecht wurde, belegen Zeugnisse aus dem frühen 16. Jahrhundert. Schließlich rückte der christliche Ursprung zunehmend in den Hintergrund: Im 19. Jahrhundert kamen die ersten „Herrentouren“ aufs Land in Mode, Frauen waren damals nicht dabei. Mittlerweile ist der Vatertag aber auch hierzulande zu einem Fest für die ganze Familie geworden.

Ernüchternd

Statistiker lenken ihren sachlichen Blick aber auch auf die Schattenseiten feucht-fröhlicher Herrenpartien. Der Bund der Versicherten verweist auf Zahlen des Statistischen Bundesamts: Am Vatertag 2017 gab es 270 Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol im Spiel war. Der Durchschnitt des Jahres lag bei 97. Auch eine Studie der Universität Jena mahnt zur Vorsicht und bilanziert: „Vor allem an Tagen mit besonderen Ereignissen oder an Feiertagen wie am Männer- bzw. Vatertag werden mehr Patienten als sonst aufgrund ihres Alkoholkonsums in der Notfallaufnahme behandelt“. dpa

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