Vermischtes

Prominente Insolvenzverfahren heute in London erneut vor Gericht / Farce um Status als Diplomat

Was Boris Becker bleibt

Archivartikel

London.Für Boris Becker (51) läuft es derzeit alles andere als rund. Erst erklärte ihn ein englisches Gericht für insolvent, dann kam die Trennung von seiner Frau Lilly (42). Dazu musste Becker Spott über sich ergehen lassen, nachdem er behauptet hatte, er sei Diplomat der bitterarmen Zentralafrikanischen Republik – und daher von seinen Gläubigern nicht mehr zu belangen.

Ob Becker zuletzt lacht, könnte sich heute entscheiden, wenn der Fall bei einer Anhörung vor Gericht in London verhandelt wird. Auch die Frage, ob sein Insolvenzjahr nun endet, könnte dort entschieden werden. Bereits im Juni hätte das Elend eigentlich zuende sein sollen. Doch das Verfahren zog sich hin.

Die Insolvenzverwalter waren unzufrieden, dass Becker einen Teil seiner Trophäen aus seiner schillernden Tenniskarriere angeblich nicht aushändigte. Becker dagegen fühlte sich gedemütigt. Dutzende Erinnerungsstücke sollten bei einer Online-Versteigerung zum Kauf angeboten werden, neben Tennis-Trophäen, Uhren und einem Bambi auch Socken des ehemaligen Weltranglistenersten. Und das ausgerechnet zum Start in Wimbledon, mit Becker als Kommentator im BBC-Fernsehen.

In letzter Minute konnte er die Versteigerung auf Eis legen lassen. „Ich freue mich sehr, dass die Auktion abgesagt wurde“, teilte Becker mit. Bitterlich beklagte er sich über das „merkwürdige Verhalten“ der Insolvenzverwalter.

„Opfer eines Kredithais“

Der wohl überraschendste Zug war aber die Ankündigung, er sei als Diplomat nicht mehr zu belangen. Als Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik genieße er Immunität gegen die „Farce“, die über ihn gebracht worden sei, meinte Becker und fügte hinzu: „Ich werde diejenigen, die diesen Prozess erzwungen haben, verfolgen und öffentlich zur Rechenschaft ziehen.“

Nur wenige Tage später gab er in einem Interview Einblick in seine Verhältnisse und stellte sich als Opfer eines Kredithais dar. Er habe die Summe längst hinterlegt, die er einer englischen Privatbank rechtmäßig schulde. Die Bank aber fordere mehr als das Doppelte, weil sie 25 Prozent Zinsen draufgeschlagen habe – das sei aber „weder rechtskräftig noch rechtswirksam“.

Zu Beckers Unglück wollten Regierungsmitglieder in der Zentralafrikanischen Republik nichts von seinem Diplomatenstatus wissen. Zwar sprang ihm der Botschafter der Landes in Brüssel bei, doch der Außenminister Charles Armel Doubane widersprach. Beckers Diplomatenpass sei eine Fälschung, betonte gar Doubanes Stabschef Chérubin Moroubama.

Zu der ganzen Misere kam auch noch die Trennung von seiner Frau Lilly nach neun Ehejahren. Was zunächst als „einvernehmlich und freundschaftlich“ bezeichnet wurde, geriet schnell zum Drama. Becker wäre nicht Becker, wenn er nicht öffentlich über pikante Details plaudern würde. Berichte, die Polizei habe einen Streit in seiner Villa in London schlichten müssen, kommentierte er mit dem Satz: „Wie Sie alle wissen, habe ich eine sehr temperamentvolle Frau, die kann schon mal lauter werden.“

Scheidung bald vor Gericht

Noch vor Weihnachten war ein Termin vor dem Familiengericht in London angesetzt. Trotz der finanziellen Probleme geht Becker davon aus, dass Lilly bei der Scheidung „gut wegkommen“ werde. „Aber es muss natürlich alles fair zugehen. Und ich kann nur das bezahlen, was ich habe.“ Auf die Frage, wie viel das sei, sagte er: „Ein paar Mark oder Euro oder Pfund habe ich schon, aber vielleicht nicht mehr ganz so viel wie vor zehn Jahren.“ dpa