Vermischtes

Serie Heute wie vor 100 Jahren kämpft sie um Anerkennung ihrer Arbeit

Was macht … die Hausfrau ?

Zu ihrer Konfirmation bekam die Mannheimerin Josephine Soenker 1882 ein Buch von ihrem Cousin. Es möge ihr angenehm und eine „belehrende Unterweisung“ sein, schrieb er in die Widmung: Auf dem Gabentisch lag „Der Jungfrau Wesen und Wirken“, ein Standardwerk des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Unter dem Pseudonym Karoline S.J. Milde veröffentlichte es Similde Gerhard erstmals 1869; bis 1910 gab es 14 Auflagen, die in der Tat nicht mit belehrenden Unterweisungen sparten, an deren Ende die perfekte Hausfrau stehen sollte.

„Eine Zierde in ihrem Hause“

„Wie die Sonne, wenn sie aufgegangen ist, an dem hohen Himmel des Herrn eine Zierde ist, also ist ein tugendsames Weib eine Zierde in ihrem Hause“ – der Satz steht über dem Kapitel „Die hauswirthschaftliche Lebensaufgabe“. Die Konfirmandin ging klug mit den Unterweisungen um: Sie ignorierte sie. Die Goldschnittseiten blieben ungelesen, innen klebt noch immer das Schild aus „Julius Hermann´s Buchhandlung, Mannheim O.3 Nr.6“.

In der Quadratestadt wurde 1915 der Hausfrauenbund gegründet, der die Haushaltsführung in Notzeiten lehrte, wie Christiane Pfanz-Sponagel in ihrer Dissertation „Vom Frauenverein zum Mandat“ ausführt. Vorsitzende Emma Kromer organisierte Vorträge, richtete Kriegsküche, Näh- und Flickstuben ein. Nach 1919 ging es, so Pfanz-Sponagel, darum, „die Hauswirtschaft vom Image der unproduktiven Arbeit zu befreien und die Anerkennung der Hausfrauentätigkeit als Beruf durchzusetzen“. Ein Anliegen, das noch immer aktuell ist.

Dem Verein gehörte Lokalprominenz wie Julie Bassermann oder Fanny Boehringer an; seine Positionen waren konservativ, etwa wenn es um die Rechte von Angestellten ging. 1930 gab der Bund ein „machtvolles Bekenntnis zu hauswirtschaftlichem Denken und gesunder Mütterlichkeit“ ab, so die Autorin; manche rücken das in die Nähe der NS-Ideologie – wenig wahrscheinlich angesichts vieler jüdischer Mitglieder.

Ein Strukturwandel prägte die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Personal wurde durch technisches Gerät ersetzt, über das nun eine herrschte: die Hausfrau. Klischees von damals prägen bis heute ihr Image. „Sie wissen ja“, heißt es 1956 in der Reklame eines Pudding-Herstellers: „Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?“ Die Frau mit der gusseisernen Dauerwelle folgte nun brav der Stimme des Ansagers, der aus dem Off kommandierte: „Jetzt aber Tempo. Bald kommt Peter nach Hause, mit einem Bärenhunger.“

1958 schreibt die „Zeit“, dass jeder dritte Arbeitnehmer weiblich sei; jede Zweite war verheiratet, die Hälfte hatte Kinder. Frauen brauchten die Erlaubnis des Gatten, um arbeiten zu dürfen, oft redete noch die ältere Generation mit. Ein WDR-Schulfilm von 1976 erzählt davon. Ein Mann hat seine Arbeit verloren, die Familie spricht über die Zukunft. „Hömma, Dieter“, sagt die Gattin, „wie wär’s denn, wenn isch wieder arbeiten gehe?“ Ihm dämmert, was das heißt: waschen, kochen, Arztbesuche. Nun mischt sich die Oma ein: „Wenn die Kinder da sind, muss die Frau daheim bleiben.“ Mit Argumenten hält sie sich nicht auf, sagt: „Mir kannten dat früher nit.“

Viele sind heute überfordert

„Du brauchst keinen Beruf zu lernen, du bist ein Mädchen.“ Auch Sybille Lotterer (kleines Bild) hörte diesen Satz. Die Vorsitzende des Mannheimer Hausfrauenbunds (DHB) weiß, „dass das tief verwurzelt ist“. Daneben kämpft ihr Verein heute für dasselbe Ziel wie vor 100 Jahren: „Die Anerkennung der Arbeit im Haus.“

Junge Frauen wollten nach der Elternzeit rasch ins Erwerbsleben zurück. Doch Personalchefs würden nicht sehen, dass man auch in Kinder- oder Altenpflege Kompetenzen erwerbe: „Flexibilität, Einfühlungsvermögen. Zur Haushaltsführung gehören Struktur und Disziplin.“

Zu den regelmäßig angebotenen Kursen des DHB gehört der „Haushaltsführerschein“, und Lotterer berichtet, dass immer mehr Männer teilnehmen: „Viele Haushalte sind überschuldet, oft sind die Leute mit der Hausarbeit überfordert.“ Bleibt die Überzeugungsarbeit bei einem zentralen Thema: „Gesellschaftlich anerkannt wird nur Arbeit, die bezahlt wird.“

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