Vermischtes

Schwimmen Durchwachsener Sommer führt zu einem deutlichen Rückgang der tödlichen Badeunfälle

Weniger Menschen ertrunken

Bad Nenndorf.Das durchwachsene Sommerwetter hat auch etwas Gutes: Es gab deutlich weniger tödliche Badeunfälle. In den ersten acht Monaten dieses Jahres ertranken 297 Menschen, wie gestern die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in ihrer Sommerbilanz vorstellte. Im Vorjahreszeitraum waren es insgesamt 425 Opfer und damit 30 Prozent mehr.

Die meisten tödlichen Wasserunfälle gab es erneut in Bayern. Dort starben 62 Menschen. In Baden-Württemberg verunglückten 31 Menschen (2016: 47). Sechs davon kamen laut der DLRG-Statistik in Mannheim ums Leben. Je einen Todesfall gab es in Heidelberg, Zwingenberg, Adelsheim, Ketsch und Hemsbach. Ein deutlicher Rückgang wurde auch in Hessen festgestellt: Die Anzahl der ertrunkenen Menschen sank von 30 auf 14. Von je einem tödlichen Unglück waren Biebesheim am Rhein und Erbach im Odenwald betroffen. In Rheinland-Pfalz blieb es bei 13 Unglücksfällen. Zwei davon ereigneten sich in Speyer. Todesopfer gab es außerdem in Ludwigshafen, Lambsheim, Lingenfeld und Neuhofen.

Leichtsinn hat zugenommen

An den Küsten weist die DLRG-Bilanz bisher ähnlich viele Todesfälle aus wie im Vorjahr. In diesem Jahr ertranken 25 Menschen an der Nord- und Ostsee. Im Gesamtjahr 2016 waren es 26. "Die rückläufige Entwicklung der Opferzahlen ist auf den ersten Blick sehr erfreulich", sagte DLRG-Vizepräsident Achim Haag. Er teilte jedoch mit, dass der zweitniedrigste Wert seit der Erhebung der tödlichen Badeunglücke kein Grund zur Entwarnung sei. Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung hätten zugenommen, beklagte Haag. Die vergleichsweise geringe Zahl der Todesfälle sei bei genauerer Betrachtungen auf den nassen Sommer zurückzuführen. Denn im warmen Juni 2017 habe es im Vergleich zu 2016 mehr Todesfälle gegeben. Im Gegensatz zum Vorjahr erhöhte sich für diesen Monat die Anzahl der Todesopfer von 51 auf 69.

Die Unfallschwerpunkte liegen weiterhin in den Binnengewässern. 240 Menschen starben in Flüssen, Seen, Teichen und Kanälen. Diese Gewässer seien selten bewacht, sagte DLRG-Vizechef Haag. Rettungsschwimmer sollten auch diese Badestellen überwachen, forderte er. Landkreise, Kommunen und Badbetreiber stünden deswegen in der Pflicht. Flüchtlinge gelten Haag zufolge als besondere Risikogruppe. Auf die mindestens 21 ertrunkenen Asylsuchenden hat die DLRG reagiert. Haag erklärte: "Wir haben Baderegeln als Piktogramme erstellt und den Kommunen wie Städten kostenlos zur Verfügung gestellt." Eine weitere Risikogruppe sind Männer, die in 235 der insgesamt 297 Fälle tödlich verunglückten.

Weniger Jugendliche betroffen

Erfreuliche Nachrichten gibt es dagegen bei den Jugendlichen. Deren Zahl sei zwar rückläufig, erklärte der Präsident des Verbands Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ein Land der Nichtschwimmer werden", warnte er jedoch und forderte mehr Kursangebote für Kinder. Dafür brauche es in Schulen und Bädern mehr Personal. Nach Angaben des Schwimmmeisterverbandes können 40 bis 45 Prozent der Viert- bis Sechstklässler nicht richtig schwimmen. (mit dpa)