Vermischtes

Pädophilie-Plattformen Minister zielt auf Betreiber statt Nutzer ab

„Werden garantiert nie alle erwischen“

Archivartikel

Münster.Nach der Aufdeckung eines Pädophilen-Netzes in Münster wird es aus Sicht von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) nicht gelingen, alle Beteiligten zu fassen. „Wir werden garantiert nie alle erwischen“, sagte Reul am Montag mit Blick auf Täter, die das Material bezogen haben.

„Im Moment ist auch die Priorität darauf gerichtet, erstens die, die wir jetzt erwischt haben, die es ja selber betrieben haben, zur Verurteilung zu bringen. Und zweitens, noch mögliche weitere Täter und – das ist das Allerwichtigste – mögliche weitere Kinder zu finden“, sagte Reul im „Bild“-Live-Interview. „Und am Schluss werden wir uns wahrscheinlich um die Frage kümmern: Wer hat denn das alles noch konsumiert?“ Die Datenmengen seien so groß, dass die Ermittler nicht alles auf einmal machen könnten.

Hunderte Terabyte Daten

In dem neuen Missbrauchsfall sind bundesweit elf Verdächtige festgenommen worden. Sieben der Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Bisher sind drei Kinder als Opfer identifiziert worden. Am Montag kamen nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine weiteren Opfer, neue Tatorte oder Tatverdächtige dazu.

Der Hauptbeschuldigte ist ein 27 Jahre alter IT-Techniker aus Münster. Ermittler fanden hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung. Sie stellten Hunderte Terabyte versiert verschlüsselten Materials sicher. Nach der Aufdeckung des Pädophilen-Netzwerks in Münster werden nach Überzeugung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in den kommenden Monaten weitere Fälle folgen. Dass in Nordrhein-Westfalen „immer mehr Missbrauchsfälle bekanntwerden“, habe viel damit zu tun, dass dort die Ermittlungskapazitäten in dem Bereich erhöht worden seien, sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Michael Maatz. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass in den nächsten Monaten weitere Gruppen von Kinderschändern auffliegen werden, zum Teil in Dimensionen, die sich bislang niemand vorstellen kann.“

Reul sagte, dass sich Fälle von Kindesmissbrauch durch Kinderpornografie im Internet beschleunigten. „Sehr häufig ist es so, dass jemand, der kinderpornografisches Material konsumiert, irgendwann nur in den Chats bleiben kann, wenn er selber liefert.“

Nach Ansicht der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger könnte der Fall in Münster die Wahrnehmung von Missbrauchstaten in der Gesellschaft erhöhen. „Sexueller Missbrauch zieht sich durch alle sozialen Schichten“, sagte Julia von Weiler, Geschäftsführerin der Initiative gegen Kindesmissbrauch. Der Tatort in Münster liegt in einer Kleingartenanlage in der Stadt. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation erlitten in Deutschland eine Million Kinder jährlich sexuellen Missbrauch. dpa

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