Vermischtes

Jahrestag Vor 500 Jahren brach Ferdinand Magellan zur Weltumsegelung auf / Ziel: Route nach Indien

„Wichtiger als die erste Mondlandung“

Sevilla.Wenn demnächst in Spanien die Fußball-Saison beginnt, macht in der 3. Liga erstmals auch ein ungewöhnlicher Verein mit: Flat Earth FC heißt der Club im Madrider Vorort Móstoles, der laut Vereinspräsident Javi Poves „Millionen von Anhängern weltweit“ der Theorie einer flachen Erde eine „Heimat“ bietet. Einen ungeeigneteren Zeitpunkt zur Umbenennung seines Vereins hätte der 32-Jährige dabei wohl nicht wählen können. Denn in Spanien beginnen am Samstag die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der ersten Umsegelung der Erde. Jener Expedition, die wissenschaftlich den Beweis dafür lieferte, dass die Erde eine Kugel ist.

Die Umrundung war nicht das Ziel der Expedition, die am 10. August 1519 unter Leitung des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan in Sevilla startete. Magellan wollte im Auftrag der spanischen Krone eine Westroute nach Indien finden. Er sollte die Aufgabe vollenden, an der Amerika-„Entdecker“ Christoph Kolumbus knapp drei Jahrzehnte zuvor und anschließend auch andere Seefahrerkoryphäen gescheitert waren.

Das Ziel war der direkte Zugang zum Pfeffer, der mit Gold aufgewogen wurde. Mit Hilfe des Pfeffers konnten Lebensmittel haltbar gemacht werden, Pfeffer galt auch als Heilmittel.

Die erste Weltumsegelung war laut Vizeadmiral Ignacio Horcada Rubio vom ministeriellen Ausschuss derweil mehr als Gold oder Pfeffer wert. „Sie war wichtiger als die erste Mondlandung“, sagt der Mann, der durch Spanien tourt und Vorträge zum Jubiläum hält.

Rubio vergleicht die Weltumsegelung mit der Bedeutung des Internets. „Die erste Weltumsegelung hat praktisch alles verändert“, sagt er. In die gleiche Kerbe schlägt der portugiesische Außenminister Augusto Santos Silva. „Die erste Weltumsegelung war die erste Globalisierungsaktion.“ Spanien und Portugal feiern zusammen bis 2022 das Jubiläum.

Im Kampf gefallen

Dabei war Magellan bei König Manuel I., unter dem Portugal eine kulturelle und politische Blütezeit erlebte, auf taube Ohren gestoßen. Portugal hatte mit Vasco da Gama bereits die Ostroute erschlossen.

Der knapp 30-Jährige zog daher nach Spanien, wo er König Carlos I. überzeugen konnte. Carlos, der als Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, in die Geschichte einging, unterzeichnete den Vertrag im März 1518. Er stellte fünf Schiffe und 234 Mann zur Verfügung. Der Auftrag: eine Route zu den Gewürzinseln auf der kastilischen Erdhälfte zu erschließen. Im „Vertrag von Tordesillas“ hatten sich Spanien und Portugal 1494 die Welt in zwei Hälften aufgeteilt, um Konfrontationen zu verhindern. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitung ging es los. Die Flotte fuhr in Sevilla den Guadalquivir bis Sanlúcar de Barrameda hinab und stach am 20. September endgültig in See.

Auf seinem Weg entdeckte Magellan 1520 unter anderem die Meerenge zwischen der Südspitze Südamerikas und zahlreichen südlichen Inseln, vornehmlich Feuerland. Die Meerenge wurde nach ihm benannt.

Doch die Weltumsegelung schaffte Magellan nicht. Er starb im April 1521 auf den Philippinen. Als er die Insel Mactan in Besitz nehmen wollte, wurde er nach der Überlieferung von Chronist Pigafetta im Gefecht gegen Männer von Häuptling Lapu-Lapu von einem Giftpfeil am Oberschenkel getroffen. Außerdem erhielt er zwei Lanzenstöße. Seine Leiche konnte nie geborgen werden. Nach Nationalheld Lapu-Lapu wurde eine Großstadt benannt.

Knapp eineinhalb Jahre nach Magellans Tod war die Weltumsegelung perfekt – einzig die „Nau Victoria“, das viertkleinste Schiff der Flotte, schaffte die Rückkehr. Unter dem Kommando von Juan Sebastián Elcano und mit 18 Matrosen lief sie am 6. September 1522 in Sanlúcar ein.

In Spanien wird die Weltumsegelung am Samstag mit Straßentheater, Militärparaden und anderen Events gefeiert. Bis 2022 soll es Veranstaltungen geben. Flat-Earth-Mann Poves wird das aber wohl nicht überzeugen können.

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