Vermischtes

Oktoberfest Mehr als 800 000 Besucher stürmen Gelände am ersten Wochenende

Wiesn legt Bilderbuchstart hin

Archivartikel

München.Das Bier strömte – die Massen auch: Das Münchner Oktoberfest hat einen Bilderbuchstart hingelegt. Mehr als 800 000 Gäste drängten am ersten Wochenende über die Festwiese. Bei blauem Himmel und milden Temperaturen gab es am Samstag kein Halten: Die Ersten kamen noch bei Dunkelheit, glühten schon mal mit Dosenbier vor und stürmten nach der Öffnung des Geländes die Zelte. Gestern ging es bei morgendlichem Regen erst mal etwas ruhiger zu. Schon wenig später vertrieb aber die Sonne die Wolken – entgegen den Prognosen. „Der Petrus ist ein Münchner“, hatte Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) schon zum Auftakt festgestellt. Er habe tagelang gebetet. „Man sieht: Ich bin erhört worden.“

Politikverbot gebrochen

Auch die Prominenz zeigte sich in Feierlaune. Ex-Profiboxer Henry Maske, Boris Becker und auch Produzent Ralph Siegel mit seiner neuen Frau Laura schunkelten mit. „Terminator“ Arnold Schwarzenegger – mit weißem Vollbart und Lederhose – stattete mit Sohn Patrick und Schauspieler Ralf Moeller dem Fest einen Besuch ab.

Misslich: Eine Frau trennte sich an einem kaputten Maßkrug den kleinen Finger teilweise ab. OP noch auf der Wiesn, dann Klinik. Tapfer hielten andere Besucher durch, die fast eine halbe Stunde hoch über dem Fest in der Luft hingen: Ein technischer Defekt legte den Riesenpropeller lahm, der die Fahrgäste auf bis zu 55 Meter Höhe befördert. Vor der Wiesn hatte der TÜV Süd alle Fahrgeschäfte eingehend überprüft. Sonst lief das Volksfest entspannt –bis auf die üblichen Vorfälle: Grapschereien, Taschendiebstähle.

Am Samstag hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Wiesn eröffnet. Erstmals war beim Anzapfen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als Regierungschef dabei. „Hätte fast von mir sein können“, kommentierte er Reiters erfolgreiche Anzapftechnik. Dem Oberbürgermeister beim Anzapfen zuzusehen, sei „staatspolitische Aufgabe“ – auch wenn die Wiesn politikfreie Zone sei. Der Wahlkampf in Bayern, der Söder derzeit von Termin zu Termin treibt, spiele hier keine Rolle. Kurz stellt er aber klar, worum es am 14. Oktober im Freistaat gehe: Ob Bayern stark und ein Musterland bleibe – „oder werden wir normal wie alle anderen Länder?“ Draußen vor den Zelten hielt sich auch Söders SPD-Kontrahentin Natascha Kohnen nicht ganz an das Politikverbot. Dem Bayerischen Rundfunk gab die SPD-Spitzenkandidatin und Söder-Kritikerin ein Interview zum Streit um Hans-Georg Maaßen.

Ohne besondere Botschaft, dafür aber auf eigene Einladung, erschien als Überraschungsgast Altkanzler Gerhard Schröder mit seiner Frau So Yeon Kim zum Blitzbesuch im Anzapfzelt. Neben bayerischen Politikern und Kabinettsmitgliedern prostete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) – in Lederhose – mit, obwohl die Wiesn mit dem Konsum Zehntausender Brathendln, Ochsen, Haxn und vor allem Millionen Litern Bier nicht gerade eine Gesundheitsoase ist.

Männer im Dirndl

Das zeigt sich regelmäßig auf der Wiesn-Sanitätswache: Schon am ersten Tag mussten die Sanitäter und Ärzte 469 Patienten versorgen, 91 davon wegen Vergiftungserscheinungen – zumeist wohl durch Alkohol. Der erste Patient – ein Mann in Mönchskutte – wurde schon 32 Minuten nach dem Beginn des Bierausschanks wegen zu viel Alkoholkonsums behandelt. Später zeigte sich, dass es sich nicht um einen Ordensmann handelte. Die Kutte sei aber echt gewesen, hieß es.

Die meisten Besucher kamen allerdings in Tracht – wobei hier die Grenzen verwischen. Damen in knappen Lederhosen waren ebenso unterwegs wie Herren im Dirndl. Englischsprachige Besucher kamen in froschgrünen Bundhosen, andere in Anzügen mit weiß-blauer Raute.

An Ständen rund um das Festgelände boten Händler Last-Minute-Trachten an. Ungebrochen ist daneben der Trend zum weißen Turnschuh. Auch Boris Becker kam mit der sonst auf Tennisplätzen und in Krankenhäusern üblichen Fußbekleidung.

Info: Video unter morgenweb.de/vermischtes

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