Vermischtes

Wissenschaftlerin der Uni Mannheim und DKFZ-Forscher erhalten Leibniz-Preis

Bonn.Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Michèle Tertilt von der Universität Mannheim und der Immunologe Prof. Hans-Reimer Rodewald vom Deutschen Krebsforschungsinstitut Heidelberg (DKFZ) werden mit dem Leibniz-Preis 2019 ausgezeichnet. Auch Prof. Wolfgang Wernsdorfer vom Karlsruher Institut für Technologie (Experimentelle Festkörperphysik) wird ausgezeichnet,  teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Donnerstag mit. Somit erhalten gleich drei Forscher aus Baden-Württemberg die mit je 2,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnung. Diese Gelder können die Preisträgerinnen und Preisträger bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwenden. Verliehen werden die Leibniz-Preise 2019 am 13. März in Berlin.

Aus der Mitteilung der DFG:
Prof. Dr. Michèle Tertilt (46), Wirtschaftswissenschaften, Universität Mannheim

Michèle Tertilt erhält den Leibniz-Preis 2019 für ihre Leistungen an der Schnittstelle von Makroökonomie, Entwicklungsökonomie und Familienökonomie, mit denen sie den Wirtschaftswissenschaften neue Perspektiven aufgezeigt hat. Tertilts Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Einfluss von Geschlechterrollen und Familienstrukturen auf wirtschaftliches Wachstum, Investitionen in Humankapital und ökonomische Entwicklung. Mit diesem Ansatz integrierte sie die Familienökonomie in die Entwicklungs- und die Makroökonomie. In ihrer Arbeit „Women’s Liberation: What’s in It for Men?“ von 2009 untersuchte sie beispielsweise die Durchsetzung von Frauenrechten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Diese fiel vor allem in ihrer frühen Phase in Großbritannien und den USA mit einem drastischen Rückgang der Geburtenrate und einem schnellen Anstieg der allgemeinen Schulbildung zusammen. So wie bei diesem Thema verbindet Tertilt generell komplexe ökonomische Gleichgewichtsmodelle mit empirischen und wirtschaftshistorischen Untersuchungen. Darüber hinaus bringt sie sich auch in Debatten über aktuelle wirtschaftspolitische Fragen ein.

Michèle Tertilt studierte Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld und an der University of Minnesota, an der sie auch promoviert wurde. Anschließend war sie acht Jahre als Assistant Professor an der Stanford University tätig, bevor sie 2010 einem Ruf an die Universität Mannheim folgte und nach Deutschland zurückkehrte. In Mannheim ist sie zurzeit Projektleiterin im DFG-geförderten SFB „Economic Perspectives on Societal Challenges“. Von 2013 bis 2017 war sie zudem leitende Herausgeberin der „Review of Economic Studies“, einer der renommiertesten Zeitschriften der Ökonomie. 

Prof. Dr. Hans-Reimer Rodewald (60), Immunologie, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg

Für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Blutbildung erhält Hans-Reimer Rodewald den Leibniz-Preis 2019. Er leistete zum einen wegweisende Beiträge zum Verständnis der Biologie des Thymus, einem lymphatischen Organ. Zum anderen analysierte er die Entwicklung von Zellen des Immunsystems, insbesondere von T-Zellen, die sich im Thymus entwickeln und zentral bei der zellulären Immunantwort sind, sowie von Mastzellen, die an vielen Allergien beteiligt sind. In seinen Forschungsarbeiten zur Entwicklung des Thymus und von T-Zellen konnte Rodewald durch akribische Experimente nachweisen, dass sich beim Ausbleiben des Nachschubs im Thymus eine autonome Zellproduktion herausbildet, die in einer leukämischen Transformation münden kann. So gelang es ihm mithilfe biologischer Grundlagenforschung, die Leukämieentstehung nach einer Gentherapie hämatopoetischer, also blutbildender Zellen zu erklären. Im Bereich der Hämatopoeseforschung konnte Rodewald mit seinen Untersuchungen die Bildung spezieller Blutzellen aufklären. Zudem erforschte er, wie sich verschiedene Arten von Immunzellen aus Stammzellen entwickeln und zusammen ein funktionsfähiges Abwehrsystem bilden.

Hans-Reimer Rodewald ist seit 2010 Leiter der Abteilung für Zelluläre Immunologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Er studierte Tiermedizin in Hannover und fertigte seine Promotion am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg an. Nach Aufenthalten am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston, der Harvard Medical School und dem Baseler Institut für Immunologie wurde er 1999 Professor an der Universität Ulm; von dort wechselte er auf seine jetzige Position. 2016 erhielt Rodewald den Deutschen Immunologie-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. (Quelle: DFG)

"Dass in diesem Jahr gleich drei der zehn Leibniz-Preise nach Baden-Württemberg kommen, ist ein ausgezeichnetes Ergebnis, auf das wir stolz sind. Die Würdigung der drei Wissenschaftler ist eine große Anerkennung ihrer Arbeit und eröffnet ihnen weitere Forschungsspielräume", teilte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) mit.

Folgende Wissenschaftler erhalten den Leibniz-Preis 2019:

  • Prof. Dr.-Ing. Sami Haddadin, Robotik, Technische Universität München
  • Prof. Dr. Rupert Huber, Experimentelle Physik, Universität Regensburg
  • Prof. Dr. Andreas Reckwitz, Soziologie, Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder
  • Prof. Dr. Hans-Reimer Rodewald, Immunologie, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
  • Dr. Melina Schuh, Zellbiologie, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut), Göttingen
  • Prof. Dr. Brenda Schulman, Biochemie, Max-Planck-Institut für Biochemie (MPIB), Martinsried
  • Prof. Dr. Ayelet Shachar, Rechts- und Politikwissenschaften, Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Göttingen
  • Prof. Dr. Michèle Tertilt, Wirtschaftswissenschaften, Universität Mannheim
  • Prof. Dr. Wolfgang Wernsdorfer, Experimentelle Festkörperphysik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Prof. Dr.-Ing. Matthias Wessling, Chemische Verfahrenstechnik, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen und Leibniz-Institut für Interaktive Materialien (DWI), Aachen

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Millionen Euro verliehen werden. Mit den zehn Preisen für 2019 sind bislang insgesamt 368 Leibniz-Preise vergeben worden. Eine Leibniz-Preisträgerin und sechs Leibniz-Preisträger haben nach der Auszeichnung mit dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch den Nobelpreis erhalten. (dls)