Vermischtes

Lebensmittel Opfer stammen aus Südhessen / Firma und Behörden für fehlende Transparenz kritisiert

Wurst-Produktion nach Todesfällen gestoppt

Archivartikel

Korbach/Twistetal/Berlin.Nach zwei Todesfällen und mehreren Erkrankungen durch Listerien-Keime in Fleischwaren ist die Produktion eines Wurstherstellers in Nordhessen geschlossen worden. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg habe gegen das Unternehmen Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren in Twistetal-Berndorf entsprechende Schritte eingeleitet, teilte der Kreis mit. In Wurstprodukten der Firma sollen monatelang Listerien nachgewiesen worden sein.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe einen unmittelbaren Zusammenhang zu zwei Todesfällen – zwei ältere Menschen aus Südhessen – ergeben. Woher genau sie kommen, konnte Landkreis-Veterinär Martin Rintelen am Donnerstag auf Anfrage nicht beantworten. Auch der Wursthersteller war nicht zu erreichen.

Staatsanwaltschaft ist informiert

Laut dem Landkreis wurden die Keime in Pizzasalami und Brühwurst nachgewiesen. Den ersten Fund in einem Wilke-Produkt habe es bereits im März gegeben. „Das ist unserer Lebensmittelüberwachung gemeldet worden“, sagte Kreissprecher Hartmut Wecker. Die Behörden hätten dann Proben in dem Betrieb genommen und eine Grundreinigung angeordnet. Das habe nicht geholfen. „Deswegen war es jetzt notwendig, den Betrieb zu schließen, um Quelle und Keimherd zu finden.“ Denn wie die Listerien in die Wurst kamen, sei weiter unklar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Todesfälle mit Wilke-Produkten in Zusammenhang stünden, liege laut dem RKI-Gutachten bei 99,6 Prozent. Man habe dann schnell reagiert. „Da ist nicht lange abgewartet worden.“ Es gebe zudem 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stünden. Die Staatsanwaltschaft sei über die Vorgänge informiert worden.

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Betroffene unterdessen aufgerufen, sich zu melden. Dies gelte für Erkrankte ebenso wie für Angehörige, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Die Organisation wolle prüfen, ob Unternehmen und Behörden auch wirklich alles getan hätten, „um Erkrankungen zu vermeiden und die Menschen zu warnen“, hieß es. Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland, teilte auf dem sozialen Netzwerk Twitter mit, dass er zum Fall Wilke beim Landkreis Waldeck-Frankenberg alle „amtlichen Kontrollberichte und Analyseergebnisse der vergangenen fünf Jahre“ beantragt habe.

Produkte auch in Altenheimen

Das Portal des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit „lebensmittelwarnung.de“, das Umweltministerium Hessen sowie der Landkreis müssten „endlich alle Erkenntnisse veröffentlichen, wo Produkte des Unternehmens verkauft wurden“. Eine Liste mit bekannten Verkaufsstellen sei überfällig, um Menschen zu warnen.

Seit Mittwoch wird auf dem Portal „lebensmittelwarnung.de“ vor sämtlichen Wilke-Produkten mit dem Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ gewarnt. Die Menge der Produkte, die in Umlauf sind, kann der Landkreis nach eigenen Angaben nicht abschätzen. Es handele sich um einen großen Betrieb, der bundesweit und weltweit geliefert habe. „Nach unseren Erkenntnissen haben Altenheime und Krankenhäuser über Großhändler auch Produkte von Wilke bezogen.“

Die Wurstwaren wurden nicht nur verpackt, sondern auch in loser Form verkauft. Wie die Verbraucher diese Waren erkennen sollen, blieb unklar. Behörden zufolge betrifft die Warnung die Länder Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen. ) (mit mica

Zum Thema