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Tourismus Personal begehrt gegen miserable Arbeitsbedingungen auf / Ausstand zur Hochsaison

Zimmermädchen in Spanien streiken

Archivartikel

Alicante.Amalia beteuert, dass sie nicht übertreibt. „Wir werden schlechter behandelt als Tiere. Mit uns kann man praktisch alles machen“, versichert die 52-Jährige aus Alicante. Mit „wir“ meint Amalia die etwa 200 000 Zimmermädchen Spaniens, die eine „zunehmend brutale Ausbeutung“ seitens der Hotels und anderer Unterkünfte beklagen.

Nun steigen sie auf die Barrikaden. An diesem Sonntag wollen die „Camareras de piso“ in zahlreichen Städten Spaniens auf die Straßen gehen. Auf den Balearen-Inseln Ibiza und Formentera wollen sie mitten in der Hochsaison das gesamte Wochenende über streiken.

Die Streiks werden von Regionalverbänden der Interessenvertretung „Las Kellys“ organisiert. „Las Kellys“ wird von den Anfangssilben des Spanischen „Las que limpian“ (Die, die sauber machen) abgeleitet. „Die Gewerkschaften haben uns kaum geholfen“, erzählt Maria Fresneda, Sprecherin der Gruppe in Alicante.

Die „Kellys“ berichten, dass jede „Camarera“ 20 bis 30 Zimmer pro Tag schaffen muss. Man finde Erbrochenes, Sand, schmutzige Windeln und „vieles mehr“.

Da die Frauen auch für die Reinigung anderer Bereiche zuständig sind, reicht die Zeit oft nicht. Die Folgen sind unbezahlte Überstunden und ein stressiges Rennen gegen die Uhr, dem oft Toiletten- oder Essenspausen zum Opfer fallen.

Geschätzt 99 Prozent der Putzkräfte sind Frauen. Es müssen Möbel gerückt, Matratzen gehoben und schwere Wäschewagen geschoben werden. Dazu kommen ständig wiederholte, gleichartige Bewegungen und der Einsatz aggressiver Reinigungsmittel.

Gesundheitliche Probleme

Amalia erzählt auch von Problemen an der Halswirbelsäule. „Bin für immer und ewig kaputt.“ Maria sagt: „Im Sport ist Doping verboten. Bei uns ist es aber Alltag. Ohne Medikamente hält man die unmenschliche Arbeit, die wir machen, nicht aus.“

Am Postiguet-Strand von Alicante hört man im August neben Englisch, Spanisch, und Italienisch auch viel Deutsch. Martin aus Bremen meint: „Ich glaube nicht, dass es den Putzfrauen so schlecht geht. Das ist ja nicht Afrika hier.“ Mehr Anteilnahme zeigt Stefanie aus Frankfurt. „Man achtet nicht so auf sie. Aber wenn ich erfahren würde, dass sie schlecht behandelt werden, wäre das ein Grund, nächstes Mal das Hotel zu wechseln.“

Viele Gäste beschwerten sich, wenn das Zimmer nicht schon nach dem Frühstück wieder sauber sei. „Dann wälzen Rezeption und Etagenchefin Druck auf uns ab“, sagt Vicky. Es gebe psychischen Druck, Mobbing und Drohungen.

Verträge über wenige Stunden

Seit der Arbeitsmarktreform, die der damalige Regierungschef Mariano Rajoy 2012 zur Bekämpfung der Krise beschloss, sind befristete Verträge auch für zum Teil wenige Stunden erlaubt. Immer mehr wird auf Leiharbeit zurückgegriffen. Das Personal hat einen schlechteren Kündigungsschutz, eine schlechtere Altersvorsorge, bekommt weniger Lohn. „Wir bekommen im Schnitt 1000 Euro pro Monat, Kolleginnen der Fremdfirmen weniger als 700“, klagt Vicky.

Die wenigen Hoteliers, die Stellung beziehen, räumen ein, dass es Probleme geben könne. Diese seien aber nicht weit verbreitet. Antonio Catalán hingegen, Gründer und Chef der AC-Hotel-Kette und einer der Erfolgreichsten der Branche, fordert die Abschaffung der Reform. „Wenn man das Personal opfern muss, um mehr zu verdienen, verdiene ich lieber weniger.“ dpa

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