Vogelstang

Vogelstang Beim Festakt anlässlich 50 Jahre Geschwister-Scholl-Schule beschwören die Redner das Vorbild von Hans und Sophie Scholl

Aufruf zu Mut, Haltung und Gemeinsinn

Archivartikel

„Der Beton bröckelt, aber die Bäume sind schön gewachsen“ – eine Anspielung auf die marode Bausubstanz der Geschwister-Scholl-Schulen konnte sich „Chako“ Habekost doch nicht verkneifen. Zum 50-jährigen Bestehen kehrte der Comedian an seine alte Bildungsstätte zurück. 1981 hatte er hier sein Abitur gemacht und erinnerte sich an Sitzfußball und Entspannungsübungen im Literaturkurs: „Wir haben uns flach auf den Boden gelegt, damit wir runterkommen.“ Doch bei allem Klamauk fand der Satiriker auch ernste Worte: „Freut euch an der Schule, aber achtet auf die Worte“, gab er den Schülern mit auf den Weg.

Den Finger in die Wunde legen

„Wenn wir Worte überstrapazieren, sind sie nichts mehr wert“, mahnte Habekost zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Sprache. Seinem Empfinden nach würden Worte wie „Nazi“ und „Rassist“ ausgeleiert. „Was passiert, wenn die wirklichen Nazis um die Ecke kommen? Was haben wir dann noch für Worte?“ Ganz bewusst sprach Habekost auch unangenehme Dinge an, redete in einer Wortverdrehung von „Verziehungsberechtigten mit Migrationsvordergrund“ und rief dazu auf: „Wir müssen die Sachen aussprechen und konkret überall die Finger in die Wunden legen, damit das mit der Demokratie klappt.“

Damit griff er die Grußworte seiner Vorredner auf. „Demokratie geht nicht ohne Rechtsstaat“, stellte Oberbürgermeister Peter Kurz klar und versuchte, das Beispiel von Hans und Sophie Scholl, die gegen die Diktatur aufgestanden seien, in die heutige Zeit zu übertragen. Die Würde des Menschen sei eben keine demokratische Frage. Öffentlich-rechtliche Einrichtungen wie Schulen könnten sich in Fragen der Demokratie nicht neutral verhalten, sondern hätten den Auftrag, das Grundgesetz zu verteidigen und seine Wertehaltung zu vermitteln. In Sachen Schulentwicklung wünschte sich Kurz mehr Verlässlichkeit: „Wir rudern mit Blick auf die aktuelle Stimmungslage zu oft zurück und tragen das nicht durch, was uns für die Zukunft weiterbringt.“ Der Anspruch, Dinge zu verändern und besser zu machen, sollte nicht aufgegeben werden.

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl leitete aus dem Vorbild der Geschwister Scholl drei zentrale Aspekte ab, die als pädagogische Leitbilder auch auf der Vogelstang praktiziert würden: Mut, Aufrichtigkeit und Gemeinsinn. Denn sich auf Hans und Sophie Scholl zu berufen, sei kein nostalgischer Blick in die Vergangenheit, sondern ein Sprungbrett für die Gegenwart und Zukunft: „Ein aufrichtiger Mensch hält seine Ansichten nicht zurück, auch wenn es Überwindung kostet.“

Hartwig Weik, der Leiter des Staatlichen Schulamtes, erinnerte an etliche Dinge, die es in den zurückliegenden 50 Jahren an der Schule gegeben habe – Mengenlehre, mechanische Schreibmaschinen, Commodore 68 –, doch wesentliche Konstante bei all diesen Veränderungen seien die Lehrer gewesen, welche die Schüler gefördert und gefordert hätten. Fördern und Fordern – das nannte auch Realschulrektor Rainer Fischer als pädagogische Zielsetzung. Gemeinsam mit Silke Herr (Gymnasium) und Matthias Kaiser (Werkrealschule) richtete er den Blick nach vorne.

Mit einem Schulerweiterungsneubau rechnet Fischer frühestens in sechs Jahren. Bis dahin gelte es, die besten Voraussetzungen für die Lernenden zu schaffen. „Die Bildungspolitik befindet sich im Umbruch, den wir aber als Aufbruch verstehen“, betonte er, und Matthias Kaiser fügte hinzu: „Auf Basis von gegenseitigem Vertrauen kann ein starkes pädagogisches Konzept entstehen.“ Mit einem gemeinsamen Positionspapier habe man die nötige Planungssicherheit für die bauliche Modernisierung geschaffen.