Vogelstang

Eröffnung Der Bürgervereinsvorsitzende Gunter U. Heinrich findet gewohnt deutliche Worte / Aus für Stadtteilfest befürchtet

Beim Helfen fehlt der Nachwuchs

Archivartikel

Ein Raunen ging durch die Menge, als der Bürgervereinsvorsitzende Gunter U. Heinrich gleich zu Beginn seiner Begrüßungsrede plötzlich die Zukunft des Stadtteilfestes Vogel-stang infrage stellte. Seit 35 Jahren findet die Traditionsveranstaltung vor der Freizeitstätte statt – immer unterstützt von zahlreichen Vereinen und Institutionen des Stadtteils. „Daran mangelt es nicht“, betonte Heinrich. Allerdings habe die aktive Mithilfe beim Auf- und Abbau sowie bei der Besetzung der Ess- und Trinkstände stark nachgelassen.

Von den ursprünglichen Mitstreitern seien nur noch die Gartenfreunde Vogelstang übrig geblieben, bedauerte Heinrich und stellte ernüchtert fest: „Aktive Helfer ziehen sich mit zunehmendem Alter zurück, Nachwuchs weitgehend Fehlanzeige.“ Deshalb kam er zu dem Schluss: „Es erscheint mir fraglich, ob 2019 das 36. Stadtteilfest stattfinden wird.“ Es gelte Wege zu finden, wie man das Stadtteilfest erhalten könne. Im Mittelpunkt stehe „die Förderung des Miteinanders in unserem Stadtteil“. Auch für die zahlreich vertretenen Kommunalpolitiker biete es eine Chance des persönlichen Kennenlernens. Man solle nach den Ergebnissen der Landtagswahl in Baden-Württemberg – 2016 hatte die AfD auf der Vogelstang 28,6 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten – nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, mahnte Heinrich.

Mit dem Erhalt des Hallenbades, der Verkehrsplanung für das Taylor-Gewerbegebiet und der Anbindung der Spreewaldallee an die B 38 griff Heinrich einige stadtteilpolitische Themen auf. „Laut, aber nicht laut genug“ zitierte er mit Blick auf das Verkehrsaufkommen auf der Magdeburger Straße die Äußerung einer Expertin aus der letzten Bezirksbeiratssitzung und fragte: „Was ist der Mensch hier noch wert, wenn so mit Themen umgegangen wird?“

Kritik an Taylor-Planung

Auch zu Taylor fand Heinrich klare Worte: „ Hier hat man den Investoren das Feld überlassen. Da ist nichts mehr zu machen.“ Keine Frage, Mannheim brauche Gewerbegebiete, aber man sollte auch Rücksicht nehmen auf die Struktur der bestehenden Wohngebiete, „und das geschieht zunehmend nicht“, so Heinrich. Zu den Planungen, einen Gastronomiebetrieb am Oberen Vogel-stangsee anzusiedeln, verwies Heinrich auf den Protest der Anwohner. Denen sei sehr daran gelegen, das Stück Natur mit seiner parkähnlichen Landschaft zu erhalten. Vor allem der Zugriff auf den im Bebauungsplan ausgewiesenen Parkplatz bereite Sorge. „Da kommen 100 bis 150 Autos“, so Heinrich. Sein Appell an die Investoren und die Stadt: „Man sollte ordnungsgemäß und verantwortungsvoll Standorte überprüfen.“ Als Alternativen schlug Heinrich die ehemalige Sternwarte vor oder das Brachgelände in Vogel-stang-West an der Römerstraße. SPD-Stadtrat Reinhold Götz meinte Bezug nehmend auf einen Vororttermin seiner Partei zu diesem Thema: „Die überwiegende Mehrheit lehnt den Standort am Oberen See ab.“

Vom Vogelstangsee und vom Wind im Stadtteil sang eingangs der Bürgerchor unter der Leitung von Florian Moser. Kinder vom Jugendhaus spielten gemeinsam mit dem Akkordeon-Verein Rheingold ein russisches Volkslied, und die Girlsforce Slam um Trainerin Chantal Ritter zeigten eine tolle Choreografie. Musikalisch klang das Fest mit dem Musikverein Altlußheim aus.