Vogelstang

Vogelstang Stadtteil-Parlament beschäftigt sich mit dem Jugendhaus / Frage nach neuem Unterstand heftig diskutiert

Bezirksbeiräte fordern mehr Personal und längere Öffnung

Archivartikel

Musikalisch und choreographisch geht es oft heiß her im Jugendhaus – bei den Konzerten mit Metalcore-Bands oder wie zuletzt beim Street Dance Contest, bei dem die Mädchen der Mash Up Crew, die Lokalmatadorinnen sozusagen, einen tollen zweiten Platz ertanzten. Ähnlich hitzig verlief jetzt die Diskussion um die Einrichtung im Bezirksbeirat. Dass die Belegschaft, vier pädagogische Fachkräfte auf drei Personalstellen, dort hervorragende Arbeit leistet, dass die Qualität der Angebote für die Jungs und Mädchen aus dem Stadtteil passt und das Haus beliebt ist unter den Jugendlichen auf der Vogelstang, steht allenthalben außer Frage. Und einig ist man sich im Bezirksbeirat auch in der Forderung nach mehr Personal in der Einrichtung. Die Geister scheiden sich freilich bei dem immer wieder diskutierten Unterstand als Treffpunkt für die Jugend.

Persönlichkeit entwickeln

Die Persönlichkeit der jungen Menschen entwickeln, sie zur Mitgestaltung und gesellschaftlichem Engagement motivieren, ihre Kreativität fördern, die Jungs und Mädchen im Umgang mit Medien begleiten, aber auch Tanz und Konzerte anbieten oder sie beim Gärtnern lehren, auf die Umwelt zu achten – genau darum geht es im Jugendhaus, wie Klemens Hotz und Gerda Merkel vom Fachbereich Jugend den Bezirksbeiräten erläuterten. 18 800 Besucher hatte das Haus im vergangenen Jahr, an 2530 Stunden gab es darin Angebote, 65 Prozent der Jugendlichen, die hierher kommen, haben einen Migrationshintergrund, fast die Hälfte der Besucher sind Mädchen.

Wirklich gute Zahlen, das sieht auch Tatjana Sievers (SPD) so, ihr liegt ein neuer Unterstand am Herzen, der vorherige wurde mutwillig von Unbekannten zerstört. „Wir brauchen wieder einen, und zwar am Jugendhaus. Die Lärmbelästigungen im Hof der Geschwister-Scholl-Schulen, wo Parties gefeiert werden, wenn es wieder warm wird, führen zu Lärmbelästigungen“.

Gunter U. Heinrich, der für die ML im Gremium sitzt, will den Unterstand auch – aber in Vogelstang-West, darauf hätten sich Bezirksbeirat, Polizei und Jugendhaus verständigt, hob er hervor. Etwas anderes als dieser Standort sei den Anwohnern am Jugendhaus nicht zuzumuten, forderte er vehement. Auch Volker P. Kögel (CDU) favorisierte diese Variante, „mitten in der Wohnbebauung ist sowas ungeeignet“. Seine Parteifreundin Gabriele Reisigel war aus anderen Gründen „stinksauer. Wir haben auf Initiative von Uwe Sievers zwei Unterstände herangeschafft, alles war vorbereitet, dann hieß es von der Verwaltung, das gehe nicht ohne Fundament. Die Jugendlichen hatten sich darauf gefreut und sich dann verarscht gefühlt. Erst danach kam es zum Vandalismus“.

Problem mit Vandalismus

„Wir können den Unterstand nicht rund um die Uhr bewachen“, gab Klemens Hotz zu bedenken, „das muss sich selbst tragen“. Die Erfahrung habe freilich gezeigt, dass man das Problem mit dem Vandalismus nicht in den Griff bekomme. „Für uns gibt es daher keinen Ansatz derzeit, das hier wieder zu planen.“

Der Platz in Vogelstang-West werde aber nicht angenommen, gab Tatjana Sievers zu bedenken, „die Jugendlichen sagen, das ist zu weit. Wir müssen mutig sein und zu den Jugendlichen sagen, dass sie zu uns gehören, und klar machen, dass sie sich an Regeln halten müssen.“ Auch ML-Stadtrat Roland Weiß meldete sich hier zu Wort und berichtete von guten Erfahrungen mit einem solchen Treff in der Gartenstadt. „Die Erfahrungen zeigen, solche Treffs kann man nicht auf der grünen Wiese planen.“ Die Probleme jedenfalls seien mit der Personalausstattung nicht zu bewältigen. Sein Kollege von den Grünen, Stadtrat Raymond Fojkar, sieht den Bereich Jugendarbeit „massiv unter Druck“, er forderte aber auch mehr Zivilcourage beim Umgang mit Vandalismus. Fojkar hob hervor, dass im Jugendhaus trotz dieser Personalausstattung hervorragende Arbeit geleistet werde, „dass man trotz geringer Ressourcen gemeinsam mit dem Drogenverein auch noch ein Projekt gegen Drogenkonsum etabliert hat, ist hervorragend“.

Heinrich bezeichnete den Personalschlüssel für das Jugendhaus „angesichts der veränderten Strukturen im Stadtteil als skandalös“. Er forderte die Stadträte auf, „die Personalausstattung zu überdenken“. SPD-Stadträtin Claudia Schöning-Kalender sah die Forderung nach mehr Personal im Jugendbereich als „stadtweites Thema“.

Walter Schaffar, er sitzt für die SPD im Bezirksbeirat, merkte schließlich an, dass es „früher deutlich mehr Treffpunkte“ im Stadtteil gegeben habe, „aber die sind inzwischen verwahrlost“. Er regte an, diese Stellen „in gemeinsamer Arbeit“ zu pflegen – und sprach sich für einen Kompromiss aus: „Zwei Unterstände, einen im Westen, einen am Jugendhaus“.