Vogelstang

Vogelstang Projektabschluss des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in der Kunsthalle

Bilder und Skulpturen entdeckt

Archivartikel

Die Schulausstellungen brachten es schon lange an den Tag – das große Kunstinteresse der Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG). Zeitgenössische Kunst entdecken und analysieren und selbst künstlerisch tätig sein stand seit September auf dem Stundenplan der Fünftklässler. Jeden Donnerstag fuhren die Schüler der Klassen 5a, 5b und 5c mit der Straßenbahn von der Vogelstang zur Kunsthalle in der Oststadt. Dort haben die 86 Schüler viel über Gemälde, Graphiken, Plastiken, Skulpturen und Installationen der Sammlung und der Sonderausstellungen erfahren.

Großzügige Unterstützer

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung sowohl des Schulfördervereins des GSG als auch des Lions Clubs Mannheim Rhein-Neckar, dessen Motto lautet „Wir machen Mannheimer Kinder stark“. Ein ganz besonderes Projekt, da der Lions Club bisher ausschließlich Grundschulen förderte. Auslöser war der bekannte Mangel an Kunstlehrern an den Gymnasien. So besteht die Fachschaft am GSG derzeit aus nur zwei Lehrkräften. „Bei der Dreizügigkeit ist es kaum möglich, den Bedarf zu decken“, berichtete Schulleiterin Silke Herr. Hilfesuchend wandte sie sich daher an Dorothea Höfert, die Leiterin der Kunstvermittlung an der Kunsthalle.

Und diese bot sofort Unterstützung an. In bewährter Kooperation mit der Abendakademie organisierte Höfert für das Projekt nicht nur vier kompetente Kunstpädagoginnen, sondern stellte auch den Kontakt zum Lions Club her. Auch von dort kam sogleich ein positives Signal. „Unser Ziel ist die nachhaltige Förderung von Kindern“, erklärte Präsident Kaspar Leistner. Man wolle nicht die Aufgaben der öffentlichen Hand ersetzen, aber Kindern, die von Hause aus keine Möglichkeit dazu haben, Kunst und Kultur näherbringen. Neben zwei Schul-Projekten für Grundschulen in der Kunsthalle ermöglichte der Lions Club Rhein-Neckar nun mit dem GSG erstmals auch ein Projekt in der Kunsthalle für eine Gymnasial-Klassenstufe.

Kinder experimentieren selbst

Im Rahmen des Projekts lernten die Fünftklässler in jeweils zehn aufeinanderfolgenden Terminen verschiedene künstlerische Konzepte kennen und experimentierten in den Ateliers der Kunsthalle selbst mit kreativen Techniken. Dazu nutzten die Mädchen und Jungs unterschiedliche Materialien und kamen so den Aussagen und den Strukturen der gesehenen Kunstwerke auf die Spur. Beim Projekt-Abschluss der Klasse 5c führte der Weg von der räumlichen Film-Installation des Filmpioniers und Zeichners Heinz Emigholz, der die Entstehung des Neubaus der Kunsthalle in einem ungewöhnlichen, filmischen Langzeit-Porträt begleitete, zum Mano Merz Raum. Schlichtes Behaustsein zeigt der Künstler prägnant mit seinen Iglus.

Interessant und spannend waren die Gedanken der Schüler zur Beurteilung seines Werks „Von Grundmauern“ aus Stahlrohr, Schraubzwingen und Marmorplatten. „Was wollte wohl der Künstler den Betrachtern zeigen?,“ fragte Kunsterzieherin Daniela Rosenberg. Der Blick von Jan, Melek und ihren Klassenkameraden in die Tiefe war erstaunlich und demonstrierte, dass Kunst Gefühle hervorruft, Fragen stellt und dabei auf ganz unterschiedliche Antworten stößt. Das Motiv des Künstlers und der jungen Betrachter traf sich oft, war andererseits aber auch mal ganz konträr.

„Der Besuch in der Kunsthalle ist eine enorme Bereicherung für die Kinder“, sagte Sabine Oberfell, Leiterin des Fachbereichs Kunst am GSG. Sie schauten sich Kunstwerke zwar auch anhand von Bildern im Unterricht an. „Aber es ist was ganz anderes, die Werke der Künstler im Original zu sehen.“ Was Oberfell freut, ist, „wie sich die Kinder hier bewegen und keine Berührungsängste haben“. „Das ist schon nach nachhaltig“, glaubt sie. „Inzwischen haben auch einige Schüler mit ihren Eltern die Kunsthalle besucht“, berichtete Klassenlehrerin Susanne Bach.