Vogelstang

Vogelstang Organist Wolfram Koloseus mit Werken von Reger und Buxthehude in der Zwölf-Apostel-Kirche

Der Klang entsteht im Augenblick

„Man hört den Klang am besten, wenn man nicht direkt vor der Orgel sitzt, sondern mittig in der Kirche“, empfahl Organist Wolfram Koloseus vor seinem Konzert in der Zwölf-Apostel-Kirche . „Die Orgel stammt von dem Orgelbauer Michael Weise aus dem niederbayerischen Plattling, den es nicht mehr gibt. Ich habe seinen Namen mal daheim im Internet gegoogelt“, erklärte der 54-Jährige, der sich vor seinem Auftritt mit dem Instrument beschäftigt hatte. Im Rahmen der Kulturtage Vogelstang gab der viel beschäftigte Organist unter der Überschrift „Mendelssohn und mehr“ ein famoses Konzert in der katholischen Kirche.

Akustik ausgelotet

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn wandelte Musiker Wolfram Koloseus, der zudem Dirigent des kurpfälzischen Johann-Strauß-Orchesters ist, durch das Gotteshaus mit dem markanten Zackendach, um die Akustik auszuloten und sich ein Bild von der Klangbeschaffenheit dieses Ortes zu machen. „Mendelssohn klingt auf dieser Orgel hervorragend“, versicherte Koloseus, der als Dirigent bereits in der Dresdener Semperoper konzertieren und im August 2005 im japanischen Hiroshima die Matthäus-Passion zur Aufführung bringen durfte, damals anlässlich des 60. Jahrestages des Bombenabwurfs im Zweiten Weltkrieg.

In dem interessanten Blatt, das Koloseus an die Besucher verteilen ließ, hatte Koloseus technische Daten über die von ihm zu bespielende Michael-Weise-Orgel in Bezug auf die beiden Manuale und die Pedale zusammengestellt. Auf dem Programm standen ein Präludium in G-Moll von Buxtehude, zwei recht unterschiedliche Stücke namens „Vater unser im Himmelreich“ von Bach und Max Reger sowie eine ungewöhnliche Sonate in A-Dur von Mendelssohn-Bartholdy.

Um die Gäste in die Grundmelodien der dargebotenen Stücke analytisch einzuführen, wechselte Wolfram Koloseus zwischen der Orgel und einem bereitgestellten Klavier hin und her. An dem Klavier, das neben dem Altar stand, spielte er einige Akkorde. Doch als Zuhörer sollte man – wie der Musikexperte empfahl – nicht zu wissenschaftlich an Kompositionen und historische Persönlichkeiten herangehen. Stattdessen sollte man die Klänge einfach zurückgelehnt auf sich wirken lassen. „Wenn Sie im Odenwald spazieren gehen und verschiedene Grüntöne sehen, hinterfragen sie das auch nicht – Sie schauen nur hin“, verglich Organist Koloseus das Musik-Erleben mit dem Sehen.

„Völlig frei“

In dem Präludium in G Moll des Komponisten Dietrich Buxtehude erklingt die Stilrichtung „Stylus Phantasticus“, eine der Improvisation ähnliche Spieltechnik. „Das soll nicht konstruiert klingen, sondern so, als würde es dem Musiker gerade in diesem Moment überraschend einfallen, völlig frei“, schilderte Kirchenorganist, der 2005 mit einem japanisch-amerikanischen Orchester in Hiroshima aufgetreten war – damals als musikalisches Zeichen der Versöhnung zwischen diesen beiden Staaten.

In der Zwölf-Apostel-Kirche stimmte Koloseus schließlich noch das Werk „Fantasie und Fuge in G-Moll“ (BWV 542) von Johann Sebastian Bach an.