Vogelstang

Wallstadt Interessengemeinschaft der Vereine lud zur Gedenkstunde auf dem Friedhof

Gefahr für Demokratie erkennen

Archivartikel

„Der Volkstrauertag ist einer der stillen Feiertage. Er ist ein Tag des Besinnens und der Reflexion, ein Tag des Erinnerns und des Ermahnens“, erklärte Stadträtin Claudia Schöning-Kalender (SPD). Der Projektchor Christ König unter Leitung von Martin Geissler stimmte die Stücke „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“, „Meine Hoffnung und meine Freude“ und „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ an. In der Trauerhalle auf dem Wallstadter Friedhof feierte man den Volkstrauertag, organisiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Interessengemeinschaft Wallstadter Vereine (IWV).

Wissen wachhalten

Im Jahre 1919 habe der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge nach einem vernichtenden weltumspannenden Krieg einen besonderen Tag zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges vorgeschlagen. „1922 wurde er zum ersten Mal feierlich im Reichstag begangen“, schilderte Schöning-Kalender, die aus der historischen Rede des Reichstagspräsidenten Paul Löbe zitierte: „Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch die Toten zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet die Abkehr vom Hass, bedeutet die Hinkehr zur Liebe.“ Gleichzeitig beleuchtete Schöning-Kalender eine dunkle Phase des Volksbundes kritisch, als sich diese Vereinigung durch die Nationalsozialisten instrumentalisieren ließ. „Der Volksbund ließ sich bereitwillig gleichschalten und bediente das NS-Regime mit einem Heldengedenktag, der menschenverachtende Gräueltaten zu Heldentaten stilisierte“, erinnerte die SPD-Politikerin.

Aktives Erinnern sei das Wachhalten des Wissens um das Vergangene. „Lassen Sie uns nicht falsch erinnern. Lassen Sie uns erinnern, wie zerbrechlich der Frieden ist.“ Schöning-Kalender mahnte: „Lassen Sie uns die Gefahr auch gerade da erkennen, wo sie im Mantel, im Schafspelz, der Einbettung in demokratische Strukturen daherkommt.“

Anschließend ergriff Bernhard Kohl, der Diakon der katholischen Seelsorgeeinheit Maria Magdalena, das Wort, um sich selbstkritisch zu zeigen. „Was tun wir als Kirche gegen Hass und Gewalt? Meiner Meinung nach zu wenig.“

Danach begaben sich die Besucher zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte vor der Trauerhalle, wo Diakon Kohl ein Franz von Assisi zugeschriebenes Gebet verlas. hfm