Vogelstang

Keinen verloren geben

Archivartikel

Roger Scholl zu Jugendhaus und Unterstand

Das „Geschäft“ ist nicht eben einfach: Unterschiedlichste Interessen unter einen Hut bringen, Integration voranbringen, Jugendliche motivieren, sich zu engagieren für andere, für gemeinsame Ziele. Ihre Talente fördern, ihnen Spaß an der Kreativität geben, Lust auf Entdeckungen. Und dabei keinen verloren geben, keinen abdriften lassen auf die Abseite von Drogen, Alkohol, Gewalt und Radikalismus. Regeln des verträglichen Zusammenlebens aufstellen und diese auch dem Widerborstigsten vermitteln. Das alles leisten vier Mitarbeiter im Jugendhaus Vogelstang – und sie machen einen wirklich guten Job.

Keiner, der sich mit ihrer Arbeit beschäftigt, zweifelt daran, aber vielen im Stadtteil geht das Angebot, vor allem an Wochenenden und am Abend, zeitlich nicht weit genug. Sie fordern eine Ausweitung, doch das geht selbstverständlich nur mit mehr Personal. Auch in der Frage nach dem Unterstand als Treff für Mädchen und Jungs offenbart sich, dass ein betreutes Angebot die bessere Alternative wäre.

Probleme mit Vandalismus zeigen freilich auch auf, dass hier Regeln nicht eingehalten werden, dass einige der Jugendlichen unter Freiheit nur die eigene verstehen und die der anderen – etwa der Nachbarn, die sich Ruhe wünschen – nicht achten. Wer Regeln nicht kennt oder nicht beachtet, muss das lernen. Am besten von den Eltern, doch wenn die versagen, kann die Gesellschaft ihre Kinder doch nicht allen Ernstes verloren geben. Frühzeitige Betreuung mit klaren Ansagen ist jedenfalls besser, als beim Abrutschen zuzusehen.

Und eines noch: Wer Jugendliche an den Rand des Stadtteils schicken will, damit sie sich dort treffen, ohne Nachbarn zu stören, muss sich nicht wundern, wenn die sich dann irgendwann auch am Rand aufhalten.