Vogelstang

Stadtteile Ost Wirtschaftsförderung will Zentren stärken / Bürger sollen im Umkreis von 500 Metern Lebensmittel kaufen können

Lücken in der Nahversorgung

Käfertal und die Vogelstang, Feudenheim und Wallstadt – die Stadtteile im Mannheimer Osten rücken mehr und mehr in den Blickpunkt der städtischen Wirtschaftsförderung. Das liegt nicht allein an den Konversionsgebieten, wo die Experten des Fachbereichs wichtige Aufgaben bei der Ansiedlung von Handelsunternehmen und Gewerbetreibenden zu stemmen haben (wir berichteten mehrfach). Auch die Handlungsfelder, die die Verwaltung in ihrem Zentrenkonzept festgelegt hat, beschäftigen die „Wifö“, wie der Fachbereich verwaltungsintern genannt wird. So geht es etwa darum, die Nahversorgung der Bürger zu verbessern – außer auf der Vogelstang hat die Untersuchung durch das externe Gutachterbüro Dr. Acocella hier doch Lücken aufgezeigt.

Kaufkraft binden

„Es geht ganz grundsätzlich darum, die Zentren in den Stadtteilen zu stärken“, umreißt Wolfgang Miodek die Aufgaben, der Wirtschaftsexperte kann auf eine langjährige Erfahrung auf diesem Feld bauen, Miodek verfügt über gute Kontakte zu großen Handelsunternehmen in Deutschland und Europa – und er kennt die Stadtteile aus dem Effeff. Ein wichtiger Gradmesser bei der Beurteilung der Leistungskraft eines Zentrums als Nahversorger ist etwa die sogenannte Bindungsquote. Liegt sie – vereinfachend gesagt – bei einem Wert von 100, bedeutet das, das eine Handelslage rein rechnerisch die gesamte Kaufkraft eines Stadtteils bindet. Mancherorts ist sie sogar deutlich höher, wie das Beispiel Vogelstang zeigt.

Sie lag bei der jüngsten Untersuchung bei 290, hier zieht das Vogelstang-Center also Käufer aus anderen Stadtteilen zusätzlich an. 83 Prozent der Bürger im Stadtteil haben die Möglichkeit, sich fußläufig in einer Entfernung bis zu 500 Metern mit dem zu versorgen, was sie kurz- und mittelfristig einkaufen müssen. Im Großen und Ganzen geht es auf der Vogelstang darum, die positive Situation zu erhalten und zu stärken.

Ganz anders sieht es mit der Bindungsquote in Käfertal aus, ein Wert von 66 zeigt, dass hier deutlich Kaufkraft abfließt. Und auch bei der Nahversorgung besteht Nachholbedarf, lediglich 54 Prozent der Einwohner finden fußläufig einen Lebensmittelbetrieb, der maximal einen halben Kilometer entfernt liegt. Durch Rewe am Standort Mannheimer Straße verbessert sich noch in diesem Jahr die Situation allerdings deutlich. „Ich bin sicher, dass das Vorhaben letztendlich dann doch gut gelingt, der jetzt ausführende Projektentwickler Schoofs hat unlängst eine Auszeichnung für das beste Nahversorgungskonzept deutschlandweit bekommen“, zeigt sich Miodek zuversichtlich.

Gute Nachrichten gibt es auch für den ehemaligen Edeka-Markt Im Rott – Miodek: „Ein großer Filialist ist an diesem Standort hier sehr interessiert, noch 2019 wird es eine Lösung geben, die Versorgungssituation für die Menschen dort wird sich ebenfalls deutlich verbessern.“

Schauen wir hinüber nach Wallstadt, so zeigen sich auch hier Versorgungslücken. Rund 67 Prozent der Wallstädter können sich mit Lebensmitteln versorgen, wenn sie einen halben Kilometer weit zu Fuß von ihrem Zuhause aus laufen. Die Kaufkraft der Wallstädter wird nur zu 58 Prozent im Stadtteil gebunden, hier wirkt sich natürlich auch die Nachbarschaft zum Vogelstang-Center und zum Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim aus. Mit dem Rathausplatz ist das Zentrum aufgewertet worden, die Wirtschaftsförderung setzt daher auf eine Stärkung des aktuellen Einzelhandelsbesatzes und hat nicht zuletzt deshalb im Gewerbegebiet Gotenstraße zentrenrelevante Einzelhandelsbetriebe ausgeschlossen. Zwischen Mosbacher- und Römerstraße wird zudem geprüft, ob sich dort zusätzlich Betriebe im kompakten Zentrum ansiedeln lassen.

Noch Nachholbedarf

Nachholbedarf sieht die Wirtschaftsförderung auch in Feudenheim. Hier konzentriert sich die Nahversorgung entlang der Hauptstraße, wo es attraktive inhabergeführte Fachgeschäfte gibt. Die Kaufkraft der Feudenheimer wandert dennoch fast zur Hälfte ab, viele davon in die Innenstadt und die nicht zentralen Märkte. Nur 50 Prozent der Bevölkerung findet im Radius von 500 Metern Dinge des täglichen Bedarfs. Das Ziel ist damit klar abgesteckt: „Wir müssen dieses Nahversorgungsangebot im Zentrum stärken“, so Miodek, wie andernorts auch setzt man dabei zusätzlich auf Marketingaktionen, etwa zusammen mit dem BDS. Für Spinelli, wo sich die Vorhaben eigentlich auf Wohnungsbau konzentrieren, läuft derzeit das Bebauungsplanverfahren. „Hier ist ein neuer Einzelhandelsstandort am Quartiersplatz, Völklinger Straße, Knoten B 38, geplant“, erläutert Miodek. Auch dieses Vorhaben soll die Nahversorgung der Bewohner sichern.