Vogelstang

Vogelstang Polizei veröffentlicht auf Anfrage des Bürgervereins Einsatzstatistik 2018 / Stadtteil kein Kriminalitätsschwerpunkt

Mit Streife und Prävention frühzeitig gegengesteuert

Es war ein nicht eben üblicher Schritt, zu dem sich Jürgen Schwehm, der Chef des für die Vogelstang zuständigen Polizeireviers Käfertal, entschloss: Auf Bitten des Bürgervereins und seines Vorsitzenden Gunter U. Heinrich legte die Polizei ihre Kriminalitätsstatistik 2018 für den Stadtteil offen. Normalerweise veröffentlicht allein das Präsidium in Mannheim die Zahlen für seinen gesamten Dienstbezirk. „Es gab Befürchtungen und viel Gerede bei uns hier oben, was die Kriminalitätszahlen betrifft“, erklärte Heinrich seine ungewöhnliche Bitte, „wir wollten einfach die nüchternen Fakten haben“. Und die belegen, dass die Vogelstang beileibe kein Kriminalitätsschwerpunkt geworden ist.

„Der Stadtteil liegt im Trend des gesamten Dienstbezirks“, führte Schwehm aus, „die Zahlen für Diebstähle und Einbrüche, aber auch die für Körperverletzung und Raub gehen sogar zurück“. Die der Sexualdelikte sind gestiegen – aber das hat einen einfachen Grund: „Der Paragraf 184i, der sogenannte ’Grapscher-Paragraf’, ist im Strafgesetzbuch neu hinzugekommen, und damit haben sich die statistischen Erfassungskriterien geändert.“

Neuer Paragraf

Fünf Sexualdelikte hatte die Polizei auf der Vogelstang 2017 registriert, für 2018 sind es elf gewesen. Vergewaltigungen waren nicht dabei, erläutert Schwehm, „das waren allesamt Fälle nach dem Grapscher-Paragrafen, den es seit jetzt 2018 gibt“. Die Polizei registriere übrigens keinerlei Auffälligkeiten hinsichtlich der Herkunft der Täter, „das geht quer durch die Gesellschaft“. Schwehm und sein Kollege Alfred Kopke steuern mit Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen bereits dagegen.

Erfreuliches kann Schwehm für den Bereich der sogenannten Rohheitsdelikte vermelden, darunter fallen Körperverletzungen oder beispielsweise auch Raub-Taten: Hier sind die Zahlen von 96 in 2017 auf 83 Fällen im vergangenen Jahr gesunken. So positiv diese Entwicklung ist, fällt doch ein Wermutstropfen in die Statistik: „Wir bemerken leider, dass Aggressionen gegen Polizeibeamte zunehmen, hier ist die Hemmschwelle offenbar niedriger geworden“, bedauert der Revier-Chef.

Eine deutschlandweite Entwicklung, der man unter anderem mit den Body-Cams, also Video-Kameras, die die Beamten bei bedarf einschalten können, entgegenwirkt. „Damit ist die Beweislage dann eindeutig“.

Schwehm erklärt detailliert die Hintergründe, etwa, wenn es um Diebstähle geht, die sind deutlich gesunken, sie gingen von 194 auf 168 Fälle zurück. Das Gleiche gilt für die Wohnungseinbrüche, sie werden in der Statistik unter „Diebstahl unter erschwerenden Umständen“ geführt: Diese Delikte sanken von 139 auf 114 Fälle. „Darin zeigt sich die Wirkung unserer Präventionsmaßnahmen und des erhöhten Kontrolldrucks“, Kopke und seine Kollegen waren regelmäßig im Stadtteil unterwegs, suchten das Aufklärungsgespräch mit den Menschen auf der Vogelstang und boten kostenlose Beratungstermine an. Zudem habe man die Streifen gerade in den dunklen Monaten noch einmal verstärkt – offensichtlich mit Erfolg.

„Genau das ist wichtig“, lobte Heinrich, „die Menschen wollen Streifen sehen, das erhöht das Sicherheitsgefühl und schreckt ab“. Er berichtete von Klagen über aggressives und pöbelhaftes Verhalten im Bereich der Haltestellen, das vor allem ältere Menschen verschrecke. „Wir kümmern uns darum, versprach Schwehm.

Einen Anstieg gab es bei Vermögens- und Fälschungsdelikten, es waren 133 und damit 32 mehr als im jahr zuvor. „Das liegt auch am verstärkten Einkaufen im Internet“, erläuterte der Revier-Führer und auch für den Anstieg von Sachbeschädigungen (2018 waren es 178, 2017 lediglich 141) hatte er eine Erklärung: „Das war eine Serie von Taten von einem Täter, der mit einem Schlüssel Autos zerkratzt hatte“. Die 21 Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz (elf waren es 2017) registrierte das Revier allesamt im Zusammenhang mit der Erstaufnahmeeinrichtung auf Franklin, „die ist mittlerweile geschlossen“.

Einsatz gewürdigt

Bei den Rauschgiftdelikten weisen die Statistiken der Polizei ebenfalls ein Plus aus, 41 Fälle in 2018 gegenüber 37 im Jahr zuvor. „Das erklären wir damit, dass wir einen beamten der Ermittlungsgruppe Rauschgift neuerdings bei uns im Revier haben, der sich verstärkt um das Thema kümmern kann.“ Ein Schwerpunkt sei aber auch hier nicht zu erkennen: „Ich kann Ihnen versichern, dass es keine organisierten Täterstrukturen gibt auf der Vogelstang“, beruhigte der Experte. Er will weiterhin den engen Dialog mit dem Bürgerverein führen, „wir erfahren von Gunter U. Heinrich, der sein Ohr nahe bei den Bürgern hat, Entwicklungen frühzeitig und werden da auch in Zukunft schnell gegensteuern“.

Der so gelobte Bürgervereins-Chef hörte das mit Genugtuung: „Ihre Arbeit ist sehr wichtig für uns“, würdigte Heinrich den Einsatz der Polizisten im Stadtteil.