Vogelstang

Vogelstang Diskussion über die Schule der Zukunft befasst sich mit dem Einfluss von Architektur auf den Lernprozess

„Müssen Schule neu denken“

Entwicklung und Neubau der Geschwister-Scholl-Schule hin zu einem modernen Lernort sollen unter frühzeitiger Einbeziehung der Schulgemeinschaft erfolgen. Dies hat Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb bei einer Diskussionsveranstaltung angekündigt, zu der der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei eingeladen hatte. „Wenn die Schulen das pädagogische Konzept entwickelt haben, geht es in ein Beteiligungsformat, in dem auch Leute ihre Ideen einbringen können, die nicht direkt etwas mit der Schule zu tun haben“, formulierte Freundlieb als Zusage für ein breites Beteiligungsverfahren.

Vorzeigeprojekt in Karlsruhe

Als Vorbild für die Vogelstang könnte der Planungs- und Entwicklungsprozess der Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule in Karlsruhe dienen. Die Ganztagsschule hat seit 2015 schon zahlreiche Landespreise für ihr innovatives Medien- und Digitalisierungskonzept erhalten und lebt in Kooperation mit finanzstarken Partnern und dem Innovation Lab Schule von Morgen. Konrektor Dominik König-Kurowski und Architekt Jon Steinfeld erläuterten das Pilotprojekt. Ihre Botschaft: Es geht nicht mehr darum, in Räumen zu denken, sondern in Lernszenarien. „Wir müssen etwas entwerfen, das sich in kleinem, aber auch in großem Maßstab immer wieder verändern kann“, sprach Architekt Steinfeld von einer „passfähigen Planung“.

„Wir müssen Schule neu denken“, teilte Ulrike Freundlieb zwar die Grundintention, stellte den paradiesischen Zuständen in der Karlsruher Waldstadt aber die weitaus weniger komfortable Situation der Mannheimer Schulen gegenüber und übte generelle Kritik am System. Seit Jahren jage eine Schulreform die nächste. Die Digitalisierung an Schulen scheitere zum einen an unzureichenden Finanzmitteln für den Breitbandausbau, aber vor allem auch daran, dass Bund und Land in der Umsetzung von Standards und Förderrichtlinien zu wenig konkretisierten. „Wir kommen überhaupt nicht vorwärts“, so Freundlieb. „Wir stecken unser Geld in Reparaturen für ein System, das in der eigenen Verortung nicht funktioniert.“

Auf der Vogelstang habe man eine Menge Platz, aber alles sei marode. „Wann erkennt das Land an, dass wir hier einen Ersatzneubau erstellen und nicht sanieren?“ Bei der räumlichen Gestaltung gelte es, möglichst wenig fest zu definieren, um für sich ändernde Anforderungen schnell umbauen zu können. Die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft, individuelle Lernformen und Inklusion erforderten flexible Raumgrößen und unterschiedliche Kernausstattungen. Auch müsse Schule außerhalb der Unterrichtszeiten für die Bürger nutzbar sein.

Stadtrat Reinhold Götz sieht Handlungsbedarf bei der Verteilung von Kompetenzen zwischen Bund, Land und Kommunen. Am Beispiel der anstehenden Generalsanierung der Humboldtschule forderte er mehr Mitspracherecht seitens der Stadt in der Entscheidung über eine weiterführende Ganztagsschule. Auch bei der Besetzung frei werdender Schulleiterstellen sollte die Kommune ein Mitspracherecht haben.

Am Ende waren sich alle einig: Entscheidend für gute Lernerfolge ist das pädagogische Konzept. Die Räumlichkeiten sollten diese ergänzen. So wünscht sich Silke Herr, Direktorin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, größere Klassenzimmer mit flexiblen Elementen.