Vogelstang

Vogelstang Entertainer Stefan Schael singt charmante Lieder von Frank Sinatra und Nat „King“ Cole

Spitzname geht auf Papierkrone zurück

Archivartikel

„Ich bin gestolpert. Nicht über meine Füße, sondern über meine Gedanken“, erklärte Entertainer Stefan Schael. Jazz, was ist das, wo kommt dieser Begriff her? Mit dieser kniffligen Frage eröffnete der 52-Jährige seinen Auftritt. Und hielt sogleich für sein Publikum eine Antwort parat: „Dieses Wort kommt aus dem Slang und bedeutet nichts weniger als Sex“, amüsierte sich Unterhaltungskünstler Stefan Schael. Im Rahmen der Kulturtage war der Thüringer Künstler in die Stadtbibliothek Vogelstang gekommen, um dort die musikalische Lesung „Swinging Lyrics“ zu singen und vorzutragen.

Nach dem intonierten Song „Can I steal a little love?“ philosophierte der Jazz-Sänger über den stilistischen Begriff „Swing“, eine dem Jazz artverwandte Gattung. „Entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Der Fuß darf nicht still stehen“. In sein altmodisch schickes Silbermikrofon schmetterte er weitere Titel wie „It don’t mean a thing (If it ain’t got that Swing)“ oder „Fly me to the Moon“. Zwischendurch wechselte der 52-Jährige hinter ein Stehpult, setzte sich seine Brille auf und las Passagen vor aus den drei Büchern „Frank Sinatra ist erkältet“ von Schriftsteller Gay Talese, „Nat King Cole – Das Pianowunder mit der Samtstimme“ von Leslie Gourse, und „Yeah, Man! Wilde Jahre des Jazz“ von Uwe Wiedenstried.

Gottesfurcht und Prügelstrafe

Als stehender Erzähler berichtete der ostdeutsche Jazz-Sänger von der schwierigen Kindheit Nat King Coles, der in einem strengen Predigerhaushalt aufgewachsen war. In diesem konservativen Haushalt, der großen Wert auf Gottesfürchtigkeit und Arbeitsmoral legte, herrschte noch die Prügelstrafe. „Das bekamen die Cole-Kinder auf die Hinterbacken geschrieben“, erzählte Schael von der Zeit vor der Bürgerrechtsbewegung, als amerikanische Hotels noch keine schwarzen Menschen beherbergen wollten. Künstlertum und professionelles Musikmachen, waren das zu Lebzeiten von Pionier Nat King Cole, der von 1919 bis 1965 gelebt hatte, angesehen Berufe? Nicht nach jedermanns Auffassung. Seinen Spitznamen erhielt Cole durch eine ihm während eines Konzertes aufgesetzte Papierkrone: der König war geboren.

Mit seinen Songs und den rezitierten Texten holte Entertainer Stefan Schael die schillernde Großstadt der Musikclubs und zwielichtigen Bars in die kurpfälzische Bücherei. Jazz und der damit verbundene urbane Moloch als „niemals schlafende Sünde“. hfm