Vogelstang

Vogelstang/Wallstadt Expertenrunde diskutiert auf Einladung des SSV Chancen und Herausforderungen für Vereine

Sport - Perspektiven im Grünzug

Können angrenzende Sportvereine von der Gestaltung des Grünzugs Nordost profitieren? Und sollte man die Planung - gerade vor dem Hintergrund der städtebaulichen Entwicklung am Rand von Spinelli und auf dem Areal von Benjamin Franklin Village - zum Anlass nehmen, über mögliche Synergieeffekte bei Sportstätten oder Vereinskooperationen nachzudenken? Diese und andere Themen stellte der 2. SSV-Vorsitzende Wolfgang Gottmann bei einer Gesprächsrunde mit sportpolitischen Sprechern der Gemeinderatsfraktionen sowie Vertretern von Stadt und Verband zur Diskussion.

Dabei war sich die im Clubhaus der Sportvereinigung Wallstadt versammelte Runde einig: Die Anforderungen an die Vereine steigen. Wer zukünftig als Sportverein bestehen will, muss strategisch planen und sollte im Vorstand professionell aufgestellt sein. Es geht nicht nur um eine solide Finanzplanung, wie Uwe Kaliske, der Leiter des Fachbereichs Sport und Freizeit, verdeutlichte, sondern auch um eine realistische Verortung der eigenen Ziele. Diese müssten - etwa für eine verlässliche Planung der Hallenbelegungen - aber auch frühzeitig an die Stadtverwaltung kommuniziert werden.

Was die Grünzug-Planungen im Zusammenhang mit Spinelli angehe, sei eine Studie in Auftrag gegeben worden, die speziell Anwohner frage, wie sie sich Sport- und Freizeitangebote vorstellen. "Wir wollen das in die Freiraumplanung für die Buga 2023 mit einfließen lassen", informierte Kaliske. Der Sportpark Nordost sei als fester Bestandteil mitten im Grünzug gesetzt. "Das ist die einzige Fläche in Mannheim, wo wir noch Sportentwicklungsmöglichkeiten haben", sieht Kaliske noch Chancen für eine Erweiterung.

Stadträtin Claudia Schöning-Kalender (SPD) hätte hier gerne auch die Vereine mit im Boot: "Inwieweit kann man diese Sportgelände nicht auch als eine Modellregion betrachten, wo die Vereine überlegen, wie sie sich als Teil des Grünzugs sehen?" schlug sie vor. So erkundigte sich der DJK-Vorsitzende Karl-Heinz Moll, nach Möglichkeiten, sich in die Franklin-Planung einzubringen. Bernd Kupfer (CDU) wünschte sich eine bessere Förderung für die Vereine: "Die Vereine brauchen eine bessere Ausstattung." Das sei ein Riesenaufgabe in der Stadt.

In Mannheim fließen pro Jahr fast sechs Millionen Euro an direkten und indirekten Zuschüssen, informierte Uwe Kaliske. Er stelle aber immer wieder fest, dass die Mitgliedsbeiträge in manchen Vereinen erschreckend niedrig seien. "Ich frage mich manchmal, ob Vorstände ihre eigene Arbeit nicht wertschätzen". Es gebe Kommunen, die als Bedingung für Zuschüsse einen Mindestmitgliedsbeitrag forderten.

Brüchige Strukturen

Bernd Kielburger, Vizepräsident des Badischen Sportbundes, sieht die Vereinsförderung in Mannheim gut aufgestellt. "Wenn ihr auf der Basis, die ihr habt, weiter denkt, dann seid ihr auf dem richtigen Weg", sagte er. Es sei aber auch jeder einzelne Verein gefordert, zu überlegen, "was will er und was kann er". Kielburger warnte vor "brüchigen Strukturen". Die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen, sei eine Managementaufgabe, mahnte er eine gemeinsame Linie an, sonst sei die Stadt irgendwann nicht mehr handlungsfähig.

Alle waren sich darin einig, dass Sportvereine weitaus mehr leisten, als ihren Mitgliedern ein Bewegungs- und Freizeitangebot zu unterbreiten. "Sport ist auch Bewegungskultur", stellte Wolfgang Gottmann klar und verwies auf die besondere soziale Aufgabe der Vereine etwa bei Inklusion oder der Integration von Flüchtlingen: "Über eine bessere Qualifizierung von Übungsleitern könnte man in anderen Bereichen viel Geld sparen."

Wie lassen sich die Kapazitäten der vorhandenen Sportstätten besser ausnutzen? lautete eine weitere Frage. Gottmann brachte das Stichwort hybrider Sportplätze ins Gespräch, die von Vereinsseite zu bestimmten Zeiten auch für öffentliche Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Auch eine Teilüberdachung von Sportstätten sei denkbar. Ein Kunstrasenplatz, der nur zu 30 Prozent genutzt werde, sei kaufmännisch eine Katastrophe, so Gottmann. "Wir müssen hier praktikable Lösungen finden, sonst haben wir auf Dauer Sportplätze, die einen Haufen Geld kosten, aber schlecht ausgelastet sind."

Raymond Fojkar (Grüne) forderte am Beispiel der Integrationsbemühungen der DJK im Jungbusch ein engeres Zusammenwirken der Vereine. Die DJK habe mühsam ehrenamtliche Aufbauarbeit geleistet, und jetzt kämen Vereine mit Sponsoren und würden den Nachwuchs mit attraktiven Angeboten abwerben. "Hier müssen Vereine miteinander Standards vereinbaren, wie man Talentförderung betreibt, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen", forderte Fojkar. Gottmann schlug vor, alle regionalen Vereine an einen Tisch zu holen. "Viele haben die gleichen Probleme, also warum setzt man sich nicht an einen Tisch, um sie gemeinsam zu lösen?"