Vogelstang

Vogelstang Initiative will den „Nagel-Platz“ hinter der Zwölf-Apostel-Kirche neu beleben

Statt Rost ein Raum zum Rasten

An den Skulpturen, nach deren Schöpfer der Platz hinter der katholischen Zwölf-Apostel-Kirche benannt ist, nagt der Rost, Farbe blättert ab, und dort, wo sie noch an den aufrecht stehenden Röhren haftet, wirkt sie verschossen, ihren ursprünglichen Ton haben das Blau und das Orange längst verloren. Hans Nagel (1926 bis 1978) hat die Kunstwerke in den 1960er Jahren geschaffen, „heute stehen die beiden Werke hier weitgehend unbeachtet herum“, findet Uwe Sievers. Der SPD-Bezirksbeirat beschäftigt sich schon seit mehr als fünf Jahren mit den Röhren-Kunstwerken – und mindestens genauso intensiv mit der Idee, den Platz an der Thüringer Straße mit neuem Leben zu füllen.

Idyllische Lage

„Man kennt das Areal hier auch als Platz der Begegnung oder Platz der Verständigung“, sagt Sievers und steckt mit einer weit ausholenden Armbewegung den Bereich ab. Eigentlich ein Idyll zwischen Wohnbauten und Kirche, inmitten von Bäumen, Hecken und Rabatten erstreckt sich der terrassenförmig angelegte Platz mit Sitzgelegenheiten und weitläufigen, gepflasterten Flächen und Wegen, dazwischen die beiden Skulpturen. „Die Betonung liegt auf eigentlich“, sagt Sievers, „denn aus diesem wunderschönen Platz könnte man viel mehr machen“, findet der Stadtteil-Politiker.

Ideen haben Sievers und seine Mitstreiter Elsa Hennseler-Etté vom Kulturarbeitskreis und Patrick Hohenecker, der neu für die SPD in den Bezirksbeirat Vogelstang einzieht, schon gesammelt. „Das wäre doch richtig gut als Begegnungsplatz zu nutzen, ein Markt könnte hier abgehalten werden“, zählt Sievers auf, „oder die Grundschule könnte doch beispielsweise hier Projekte machen“. Hennseler-Etté bringt auch die Kirche gleich nebenan ins Gespräch: „Freiluftgottesdienste, das wäre doch wunderbar, und bei Veranstaltungen könnte man die Küche von Zwölf-Apostel drüben nutzen. „Man kann auf jeden Fall was draus machen“, findet auch Hohenecker.

Ganz einfach ist das freilich nicht: Der Platz gehört zur Liegenschaft einer Eigentümergemeinschaft in der Thüringer Straße, er befindet sich also in Privatbesitz. Norbert Frey verwaltet die Immobilie Thüringer Straße im Auftrag der Eigentümer, er hat von den Ideen zur Zukunft des Platzes gehört: „Die Eigentümerversammlung braucht allerdings eine konkrete Anfrage, man muss dann ein klares Konzept vorlegen“, sagt er. Was mit dem Areal geschehen soll, sei nicht entschieden, es gebe unterschiedliche Gedanken dazu.

Ein klarer Plan – genau das haben Sievers und seine Mitstreiter als Aufgabe für die kommenden Woche auch erkannt: „Wir werden uns jetzt daran setzen, ein Konzept zusammenzustellen. Was uns dazu noch fehlt, ist eine Visualisierung unserer Ideen“, meint Sievers. Er denkt da beispielsweise an ein Studentenprojekt an einer Hochschule, in dessen Rahmen eine solche Darstellung dazu, wie der Nagel-Platz künftig aussehen soll, entstehen könnte.

Kein Denkmalschutz

Nach wie vor ungeklärt bleibt freilich die Frage nach der Finanzierung einer solchen Sanierung. Auf den terrassenförmigen Ebenen fehlen an manchen Stellen Pflastersteine, die Holzbänke bräuchten ebenso dringend mindestens eine neue Lasur, zwischen den Steinen wuchert das Unkraut, die Platzbeleuchtung ist an manchen Stellen auch defekt, und um die Skulpturen müsste sich laut Sievers eine Fachfirma kümmern, die die Röhren entrostet und ihnen einen neuen Anstrich gibt. Dass irgendwann einmal wieder – wie ursprünglich – Wasserspiele den Platz erfrischen, können sich die Drei freilich nicht vorstellen – Sievers: „Das wäre vermutlich zu aufwendig und zu teuer.“

Laut Auskunft von Stadtsprecher Jan Krasko stehen die Nagel-Skulpturen auf dem Platz nicht unter Denkmalschutz. Der derzeit gültige Bebauungsplan für diesen Bereich erlaube den Eigentümern auch eine viergeschossige Wohnbebauung auf dem Areal des Platzes, hieß es auf Anfrage des „MM“ aus dem Rathaus.