Vogelstang

Vogelstang Club 60 thematisiert Sprache und Denken

„Ton verletzender geworden“

Das Besucherinteresse überraschte Helmut Acker nicht. „Obwohl das heute ein schwieriges Thema ist“, wie der Sprecher des Club 60 hervorhob. Tatsächlich hatte sich eine große Anzahl von Teilnehmern beim Club 60 im Kellergeschoss des evangelischen Gemeindezentrums eingefunden, um Stefan Artmann von der Landeszentrale für politische Bildung in seinen Ausführungen zur Bedeutung der Sprache zu lauschen.

Verrohung festgestellt

Schließlich hat nicht nur Helmut Acker in den vergangenen Jahren eine Verrohung der Sprache ausgemacht. „Der Ton ist verletzender geworden“, meinte der 78-Jährige. Darin sehe er auch eine Gefahr. „Wir denken in Sprache“, jedoch präge die Sprache auch das Denken, betonte gleichfalls der Referent aus Heidelberg. Sie sei eben nicht nur ein Werkzeug zur Mitteilung, unterstrich Artmann.

Was der eine sage, erzeuge in der Vorstellung des Gegenüber ein Bild. Nur würden sich die beiden Bilder eben voneinander unterscheiden. „Sie stellen sich unter einem Vogel vermutlich ein anderes Bild vor als ich“, verdeutlichte er. „Vielleicht denke ich an einen Pinguin, während Sie das Bild von einem Spatz im Kopf haben.“ Wie etwas bezeichnet werde, habe dabei aber ganz entscheidende Auswirkungen darauf, „wie wir die Dinge sehen.“ Es mache eben einen Unterschied, „ob von Schwangerschaftsabbruch oder Kindsmord gesprochen wird, von Asylschwemme oder Flüchtlingsbewegung“, zeigte Stefan Artmann auf. Auch die Bedeutung der Anrede sei wichtig: „Sind bei Ärzten keine Ärztinnen gemeint oder ist die Anrede einfach geschlechtsneutral formuliert?“

Er sei das Jahr über regelmäßig auf Veranstaltungen unterwegs, berichtete Stefan Artmann. Im Prinzip biete er ein breites Spektrum an Themen und referiere auch schon mal über den UN-Sicherheitsrat. „Wir sind nicht nur in der Erwachsenenbildung engagiert, sondern besuchen ebenso Schulen.“

Seit 26 Jahren aktiv

Die Herangehensweise unterscheide sich nach dem Alter des Zielpublikums. Älteres Publikum verfüge über eine bessere Vorbildung in geschichtlichen Dingen. Schülerinnen und Schüler seien dagegen mehr mit der digitalen Welt vertraut.

Über ein Plus an jüngeren Besuchern würde sich Helmut Acker freuen, wie der Sprecher des Club 60 bestätigte. „Wir organisieren alle zwei Wochen eine Veranstaltung wie diese und das seit 26 Jahren“, wie er verriet: „Hin und wieder machen wir einen Museumsbesuch oder eine Weinverkostung.“ Da seien es dann schon mal 50 Teilnehmer.