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Waldhof Caritas betreibt seit zehn Jahren das Projekt „Kisiko“ für Kinder suchtkranker Eltern / Dringender Wunsch nach Regelfinanzierung

Berater bieten Betroffenen Hilfe an

Archivartikel

Mit einer Feier in der Franziskuskirche auf dem Waldhof hat der Caritasverband Mannheim das zehnjährige Bestehen seines Projektes „Kisiko – Kinder sind kompetent“ begangen. Dabei betonten alle Redner die Bedeutung dieses Angebots der Caritas-Suchtberatung für Kinder, deren Eltern alkohol-, medikamenten- oder drogenabhängig sind. Zugleich unterstrichen sie die Notwendigkeit einer gesicherten Finanzierung.

„Wir wollen uns heute dafür bedanken, dass wir in den vergangenen Jahren für das „Kisiko“-Projekt so viel Unterstützung erfahren haben und entsprechend viel Hilfe leisten konnten“, sagte Caritas-Vorstand Roman Nitsch vor zahlreichen Gästen und Mitarbeitern.

Schon in den ältesten Zeugnissen über die Caritas-Tätigkeit in Mannheim aus den 1920er Jahren sei die Suchthilfe genannt worden. „Wir sehen in dieser Tradition eine Verpflichtung, aber auch eine ungebrochene gesellschaftliche Bedeutung des Themas“, so Nitsch.

Leider habe man die Erfahrung machen müssen, dass der öffentliche Stellenwert Suchtkranker eher gering sei. „So ist es uns trotz vielerlei Bemühungen nicht gelungen, eine Regelfinanzierung für das „Kisiko“-Projekt zu erhalten“, bedauerte der Vorstand. Nur dank Spenden habe man es, wenn auch zeitweise in abgespeckter Form, geschafft, das Angebot in all den Jahren aufrechtzuerhalten.

„Was haben wir denn eigentlich an Angeboten für Kinder, die doch sehr gefährdet sind?“ Mit dieser Frage an ihren Dienststellenleiter Thomas Wenz gab Annett Rönnau, Mitarbeiterin der Suchtberatung, vor mehr als zehn Jahren die Initialzündung. „Wir hatten auf diese Frage keine klare Antwort“, berichtete Wenz. Schnell sei er aber von der Notwendigkeit überzeugt gewesen. Denn das Risiko für Kinder aus Suchtfamilien, eine eigene Suchterkrankung zu entwickeln, sei um ein Sechsfaches erhöht.

„In der Regel werden die Kinder mit den Auswirkungen dieser Krankheit konfrontiert, aber kaum jemand spricht mit ihnen darüber“, so Rönnau. Scham und die Angst vor Stigmatisierung ließen die Kinder verstummen. Aus der Forschung wisse man aber, dass es sie schütze, wenn sie über die Suchtkrankheit informiert würden und in der Familie darüber gesprochen werde. Das will man mit dem Angebot erreichen.

Jugendchor aus Glücksburg

Die Kinder könnten lernen, dass Sucht eine Krankheit ist, die sie nicht verursacht hätten und die sie weder heilen noch in irgendeiner Form kontrollieren könnten. „Aber sie können erfahren, dass es Hilfe gibt“, erklärte Rönnau.

„Dass so ein wichtiges Projekt wie ,Kisiko’ keine gesicherte Finanzierung hat, ist eine Schande“, befand Grünen-Stadtrat Raymond Fojkar, der die Grüße des Oberbürgermeisters, der Verwaltung und des Gemeinderates überbrachte. Der Kinder- und Jugendpsychiater bezeichnete es als extrem wichtig für die Stadtgesellschaft, dass ein Träger wie der Caritasverband sich dieses Themas angenommen habe. Er hoffe, dass man beim 20-jährigen Bestehen von „Kisiko“ nicht nur ein Projekt, sondern ein fest installiertes Angebot feiern könne.

Begeisterten Beifall erhielt der Jugendchor Kikuyu der evangelischen Gemeinde Glücksburg in Schleswig-Holstein für sein Musik-, Tanz- und Theaterprogramm unter dem Motto „Armes Deutschland“. Er gastierte im Rahmen seiner Deutschlandtournee in Mannheim und trat ohne Gage auf. Die 63 Jugendlichen thematisieren in dem Stück, wie sich Armut auf den Alltag junger Menschen auswirkt und im gesellschaftlichen Kontext darstellt.

Glücksburg an der Ostsee war schon mehrfach das Ziel von Sommerfreizeiten der „Kisiko“-Kinder. Dort wurden sie in den Räumen der evangelischen Gemeinde kostenfrei untergebracht. „Wir haben die Lütten sofort ins Herz geschlossen“, sagte Pastor Thomas Rust, der dem „Kisiko“-Team zu seiner zehnjährigen Arbeit und „dem Durchhalten“ gratulierte. bhr/red