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Gartenstadt Eltern und Leiter von Delp- und Waldschule lehnen einen gemeinsamen Campus an der Walkürenstraße ab

„Das Konfliktpotenzial steigt“

Waldschule und Alfred-Delp-Schule haben einiges gemeinsam. Sie liegen beide in der Gartenstadt – 600 Meter Fußweg voneinander entfernt. Sie verfügen beide über ein vergleichsweise großzügiges Freigelände. Vor allem: Sie sind beide dringend sanierungsbedürftig. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee eines Schulcampus mit Neubauten auf dem Gelände der Werkreal- und Realschule an der Walkürenstraße. Die Delp-Grundschule an der Waldpforte könnte dorthin ziehen.

Von dieser Idee halten beide Schulen und deren Elternbeiräte überhaupt nichts. Das klang bereits bei einer Bezirksbeiratssitzung im Januar und bei informellen Gesprächen mit dieser Zeitung an – und wurde jetzt überdeutlich bei einer Veranstaltung der SPD Gartenstadt im Bürgerhaus. „Wie geht es weiter mit der Schulsanierung?“ Um dieser Frage nachzugehen, hatten die Stadtteilkandidaten für den Gemeinderat, Benjamin Herrmann und Gilbert Blank, eingeladen. „Beide Schulen sind in marodem Zustand, und das schon seit Jahren“, sagte Herrmann. Und sprach damit den mehreren Dutzend Gästen wohl aus dem Herzen.

Da ist zum einen die Waldschule. Da sie eine der wenigen verbleibenden Werkrealschulen ist, steigt die Schülerzahl kontinuierlich an. Die Räume sind knapp – vor allem müssen Gebäude wie der C-Bau genutzt werden. Er entstand 1967 als Provisorium, konzipiert für 25 Jahre. Inzwischen hat er mehr als das Doppelte auf dem Buckel.

Da ist zum anderen die Alfred-Delp-Schule mit zurzeit 400 Kindern. Sie ist die letzte Mannheimer Stocké-Schule. Solche Schulen wurden Anfang der 70er Jahre von der gleichnamigen Firma gebaut – als Übergangslösung für 25 bis 30 Jahre. Auch diese Zeit ist längst überschritten. Vor einem Jahr kam deshalb der Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung, Lutz Jahre, zu dem Schluss: „Es steht eigentlich ein Neubau an.“

Während die Waldschule laut Verwaltung „nicht unter den vorrangig priorisierten Maßnahmen“ ist – es also „keine konkrete zeitliche Perspektive“ gibt – stehe ein Neubau für die Delp-Schule „mittelfristig“ an. In die konkrete Planung einsteigen könne man aber erst, wenn es ein abschließendes Votum zum Bau einer Ganztagsschule gebe. Der erste Schritt dazu ist getan. Delp-Rektorin Kirsten Mühlum teilte mit, die Schulgemeinschaft habe „einstimmig beschlossen, uns auf den Weg zur Ganztagsschule zu machen“. Die Details seien aber noch „völlig offen“. Die grundsätzliche Bereitschaft, Ganztagsschule zu werden, begrüßt die Verwaltung. Die Waldschule möchte das schon lange werden. Vor neun Jahren habe man dazu ein Konzept vorgelegt, sagt Leiter Jörg Schuchardt. Aber „das landete in der Schublade der Verwaltung, es ist nichts passiert“.

Stadt respektiert Entscheidung

Die Idee eines gemeinsamen Campus fand Schuchardt zunächst „ganz reizvoll, weil in Aussicht stand, dass das die Dinge beschleunigen könnte“. Inzwischen hat er seine Meinung aber geändert. Die damalige Schülerzahl sei wegen der Schließung umliegender Werkrealschulen und der Konzentration auf den Standort Gartenstadt von 640 auf 770 gestiegen. „Wahrscheinlich werden es einmal mehr als 800. Dann wird es eng, obwohl wir ein Riesengelände haben“, so Schuchardt.

Delp-Rektorin Kirsten Mühlum lehnt einen gemeinsamen Campus ebenfalls ab. Auch die Zahl der Grundschüler, derzeit sind es 400, werde in Zukunft steigen. Fasse man beides zusammen, werde „das Konfliktpotenzial steigen“. Außerdem sei es „bedenklich, wenn wir weiter verdichten. Wir nehmen uns jegliche Luft und Raum, um wachsen zu können“ – zumal dann, wenn später einmal Ganztagseinrichtungen wie Mensa oder Halle dazu kämen.

Das einzige Argument für einen Campus ist aus Sicht vieler Diskussionsteilnehmer der wirtschaftliche Aspekt. Das bisherige Delp-Gelände ließe sich mit rund sechs Millionen Euro Erlös gut vermarkten, so ein Redner. Die Stadtverwaltung führt stattdessen ins Feld, eine „enge räumliche und pädagogische Zusammenarbeit“ ermögliche einen „leichteren Übergang in den Schularten“. Aber man respektiere den Wunsch der Delp-Schule, sich am derzeitigen Standort weiterzuentwickeln. Das führe „zu keiner Verzögerung eines erforderlichen Neubaus“.

Die Gartenstädter machen klar, dass sie gegen einen Campus sind: „Ich habe Bedenken, dass die Kleinsten darunter leiden müssen“, sagt eine Mutter – und erhält dafür viel Zuspruch. Eine weitere Rednerin hat „große Sorge, dass das schiefläuft. Ich kenne viele Eltern, die würden ihre Kinder im Falle eines Campus nicht mehr an die Schule geben.“