Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Nord/Gartenstadt Kabarettist Hans-Peter Schwöbel unterhält Besucher im Bürgergarten

„Dorscht“ als kurpfälzische Real-Angst

Eine solch schöne Anlage müsse man intensiv nutzen, gerade jetzt zur Corona-Zeit. Deshalb freute sich Kabarettist Hans-Peter Schwöbel, in der grünen Idylle des Bürgergartens im Stadtteil Gartenstadt auftreten zu dürfen – auf Einladung des Bürgervereins, vor 40 sitzenden Besuchern, zwischen denen der körperliche Corona-Mindestabstand herrschte.

Letztes Jahr war Humorspezialist und Mundartexperte im Bürgerhaus zu Gast gewesen. Nun kehrte der Sozialwissenschaftler zurück, um sein Publikum über die Eigenwilligkeiten des kurpfälzischen Dialekts aufzuklären. Zum Beginn des Auftritts läuteten die Glocken der benachbarten evangelischen Gnadenkirche. „In einen so schönen Klang darf man nicht reinschwätzen“, betonte Kabarettist Hans-Peter Schwöbel. Deshalb nahm der 74-Jährige Platz und wartete einige Minuten, bis die Glocken im Kirchenturm fertig mit Läuten waren. „In der Gnadenkirche bin ich konfirmiert worden, von Pfarrer Weber“, erzählte Schwöbel, der schon lange im Stadtteil Wallstadt wohnt.

Ausdrucksstarke Stimme

Anschließend ging der Satiriker, der in den 1970er und 1980er Jahren in Somalia, Gambia und Senegal lebte, um dort im Auftrag des Internationalen Genossenschaftsbunds im Rahmen einer Alphabetisierungsmaßnahme den Bauern das Lesen und Schreiben beizubringen, dem Begriff „Kotzbrocken“ sprachwissenschaftlich auf den Grund. Zwischendurch verlas Schwöbel einige Gedichte, wobei seine ausdrucksstarke Stimme im kurpfälzischen Dialekt rumpelte und dröhnte. Im Laufe seines Lebens ist der ruhelose Kabarettist Hans-Peter Schwöbel, der am 2. November seinen 75. Geburtstag feiern wird, unterschiedlichsten Berufen nachgegangen. Um sich auszuprobieren, seinen eigenen Horizont und den anderer Menschen zu erweitern und seine Gedankenwelt in Bewegung zu halten. Als Jugendlicher hatte Schwöbel eine Ausbildung zum Autoschlosser absolviert, mit Gesellenprüfung. In jenen Jahren sei das noch ein richtig dreckiger Beruf gewesen, so dass sich das Öl tief in die Hautporen der Mechaniker setzte. Auch die körperlich harte Arbeit im Hafen blieb dem Wallstädter nicht fremd. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Schwöbel an die alte Kneipenkultur längst vergangener Jahrzehnte, als Tabak und Alkohol beste Freunde von ihm waren. „Damals war das Jugendamt morgens um fünf Uhr noch nicht aktiv“, schmunzelte Schwöbel zur Belustigung seiner Zuhörer.

„Wir Kurpfälzer haben vor nichts Angst. Die Ludwigshafener rauchen wir in der Pfeif’“, verkündete er. „Nur haben wir Angst vor dem Durst“, räumte Schwöbel ein, wobei er das Wort „Durst“ rauschend in der Intonation „Dorscht“ aussprach. Der Durst sei eine Realangst, die tatsächlich existiere, nicht abstrakt, sondern körperlich spürbar.

Über den Durst nach einem kühlen Bier ließ sich ebenfalls Schriftsteller Charles Bukowski aus. Kürzlich jährte sich der Geburtstag von Bukowski zum 100. Mal. „Der Durst ist bei uns ein geistig-philosophischer Zustand“, klärte der Kabarettist auf, der nebenbei Henrik Ibsen und abgewandelte Aphorismen aus der Bibel zitierte. Mit vielen weiteren Anekdoten und Gedichten unterhielt Schwöbel die Zuhörerschaft, bis die sommerliche Sonne über der Gartenstadt unterging.