Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Markus Stroh und Steffen Schillinger bemalen Miniaturfiguren für strategische Tischspiele / Taktik und Positionierung im Mittelpunkt

Duo erweckt Fantasiewelt zum Leben

Archivartikel

Papa Jambo schaut ziemlich verkniffen in Richtung Kamera: Ein Auge ist fast geschlossen, die grüne Kappe tief ins Gesicht gezogen. Lila-grüne Haarsträhnen fallen ihm ins zerfurchte Gesicht, auf dem man jede Falte und jedes Schmuckstück, das sich durch seine grau-blaue Haut mit den wulstigen Lippen bohrt, genau erkennen kann. Papa Jambo ist eine Miniaturbüste, ein Ork-Schamane der schwarzen Piraten.

Die beiden Waldhöfer Markus Stroh und Steffen Schillinger bemalen Miniatur-Figuren wie Papa Jambo. Ruhige Hände sind bei ihnen Pflicht: Denn die kleinste Unsicherheit oder ein kaum spürbares Zittern ruinieren bei den Hobby-Künstlern die Arbeit von Tagen oder gar Wochen. Sie sind Tabletop-Spieler und gestalten die Figuren, die für das Strategiespiel nötig sind, selbst.

Zeitintensive Beschäftigung

Ob schuppige Drachenmenschen, opulent geschmückte Krieger oder weniger als millimetergroße Details an bunten Fantasiewesen: Das Hobby der beiden Waldhöfer ist zeitintensiv: „Manchmal dauert es eine ganze Woche, bis eine Figur fertig ist, weil die Basis, auf der sie steht, auch gefertigt werden muss“, sagt der 36-jährige Steffen Schillinger und deutet auf einen kleinen japanischen Froschgeist, der von Schilf und Wasser umgeben ist und eine winzige Krabbe festhält.

Mitunter arbeiten beide 20 bis 30 Stunden pro Woche an ihrem Hobby, sofern es die Zeit zulässt. Schließlich haben sie auch einen „normalen“ Job: Schillinger als Programmierer für Industriemaschinen und Stroh im Marketingbereich einer Firma: „Ich habe den ganzen Tag mit Linien und Zahlen zu tun, die Malerei ist im Gegensatz dazu ganz frei“, erklärt Schillinger.

Dem Schachspiel ähnlich

Tabletop ist dem Schach ähnlich und simuliert oft Kriege: „Aber nicht nur das, es gibt auch Fantasy-Varianten oder Historisches“, sagt Stroh. Jeder Teilnehmer hat dabei seine eigene Armee im Gepäck: „Es geht immer um Taktik und Positionierung“, so Schillinger, „und darum, die Figuren zum Leben zu erwecken.“ Vor etwa 30 Jahren kam diese Art der Spiele mit Regeln aus England nach Deutschland, berichtet Stroh. Nicht unähnlich ist dem System „Risiko“, eines der berühmtesten Strategiespiele, das in den 50er Jahren auf den Markt kam.

Preise abgeräumt

Markus Stroh, 38 Jahre alt, hat sich der Miniaturmalerei seit 20 Jahren verschrieben, Steffen Schillinger ist seit sechs Jahren dabei. Zu finden sind ihre Werke auch in speziellen Geschäften oder auf Spielwarenmessen: „Es gibt ganze Kunstausstellungen, die sich dem Thema widmen“, berichtet Stroh. Beide haben schon Preise für ihre Figuren abgeräumt. „Jedes Stück ist ganz individuell, jeder kann malen, wie er möchte“, sagt Stroh.

Zwar halten sich manche Künstler an die Originalvorlagen aus zum Beispiel Herr der Ringe oder Star Wars: „Aber manche sagen auch, dass ihr Stück zu ihnen einfach in einer anderen Farbe spricht, für sie also ganz anders aussehen muss“, erklärt Schillinger.

Stroh erinnert sich noch gut an seine erste Miniatur: „Ein Barbaren-Krieger. Die Augen sind immer das schwierigste, einfach weil sie so klein sind. Man benötigt eine gute Lampe, denn nach ein paar Stunden tun einem selbst die Augen weh.“ Zudem sei handwerkliches Geschick nötig: „Das Zubehör geht außerdem echt ins Geld“, weiß Schillinger.

„Wollen Hobby verbreiten“

Wichtig ist dem Duo die Vernetzung mit anderen. So sind beide Waldhöfer bei den „Quadrate-Kämpfern“, einem Freundeskreis, der sich in der Innenstadt trifft. Regelmäßig steht auch die weltgrößte Messe „Spiel“ im Kalender der Tabletop-Experten: „Das ist wie eine Art Maimarkt für Gesellschaftsspiele“, erklärt Schillinger. Unter den sieben Hallen, die dort auf 80 000 Quadratmetern zu finden sind, widmet sich eine ausschließlich Tabletops. Seit 2014 zeigen die Mannheimer dort Demonstrationen: „Und wir geben Infos, woher das alles kommt, wir wollen einfach unser Hobby verbreiten“, so Schillinger. Stroh hält zusätzlich außerdem besonders Malkurse, bei denen er zeigt, wie Figuren vorbereitet und gefärbt werden: mit dem Pinsel oder Airbrushtechnik.

Dass sich bei Tabletops oft Menschen verschiedenster Nationalitäten an den Tischen gegenübersitzen und im digitalen Zeitalter nicht nur über einen Computerbildschirm kommunizieren, befürworten übrigens beide Waldhöfer: „Das wäre vielleicht auch mal was für manche Regierungschefs oder Diktatoren in dieser Welt“, findet Schillinger. „Denn die könnten dann einfach mit ihren Figuren spielen und nicht Menschenleben opfern“, findet Schillinger.