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Gartenstadt Kneippanlage in der Nähe des Karlsterns soll am Wochenende öffnen / Stadt nennt neue Vorgaben und Arbeiten an Zuleitung als Grund für Verzögerung

Durststrecke für Wassertreter geht zu Ende

Archivartikel

Geplant war alles ganz anders: Bis zum März hatte die Stadt die Abwasserleitung der Kneippanlage im Erholungswald zwischen Karlstern und Wasserwerk sanieren lassen. Danach sollte es eigentlich wie üblich losgehen mit dem beliebten Wassertreten in idyllischer Umgebung. Damit wurde es bekanntlich nichts – viele treue Nutzer der Gesundheitseinrichtung, die das Terrain sonst in Scharen bevölkern, haben das in den vergangenen Wochen feststellen müssen.

Noch immer sperrt ein weiß-rotes Flatterband die Becken ab. Offenbar stammt es vom Forstamt, denn auf der Banderole ist zu lesen: „Betreten verboten – Lebensgefahr – Holzfällung“. Holz fällt hier allerdings niemand. Stattdessen geht es um die Wasserleitungen für die Anlage. Sie sind auch der Grund dafür, dass die Becken erst in wenigen Tagen wieder befüllt werden können.

Verkeimung ausschließen

Das ist fast ein Vierteljahr später als von der Verwaltung ursprünglich vorgesehen. Als Grund dafür nennt Stadtsprecher Kevin Ittemann: „Zum Zeitpunkt der geplanten Inbetriebnahme der Kneipp-Anlage hat uns die MVV mitgeteilt, dass es für die Wasserzuleitung mittlerweile geänderte Vorgaben gibt und die Anlage bis zur Umsetzung der Maßnahme nicht betrieben werden darf.“ Die Wasserzuleitung dürfe künftig „nicht mehr unter Wasserniveau in das Becken einmünden, sondern das Wasser muss frei in das Becken fließen können“, teilte Ittemann mit. Damit solle „sichergestellt werden, dass es zu keinem Zeitpunkt zu einer Verkeimung der Trinkwasserleitung und damit des Trinkwassernetzes kommen kann“.

Und so mussten die Besucher im Wald zwischen Käfertal und Gartenstadt auf laminierten Hinweisschildern der Stadt Mannheim seit Monaten lesen: „Aufgrund eines technischen Problems verzögert sich die Inbetriebnahme der Kneippanlage. Wir bitten um etwas Geduld.“

Zwischenzeitlich habe eine Fachfirma den Auftrag zur Neuverlegung der Wasserzuleitung erhalten. Die Installationsarbeiten zur Schaffung des neuen Zulaufs sollen nach Angaben von Ittemann in dieser Woche über die Bühne gehen. Schon zuvor hatten die Handwerker im Becken einige Schadstellen ausgebessert und es ebenso neu angestrichen wie die Sitzbänke und hölzernen Begrenzungen rund um die Freizeiteinrichtung. „Nach dem derzeitigen Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass die Arbeiten bis zum 28. Juni abgeschlossen sind, die Endabnahme durch die MVV erfolgreich verläuft und die Anlage zum Wochenende wieder in Betrieb genommen werden kann“, teilte Ittemann mit.

Immer wieder hatte es Anfragen von Bürgern gegeben, warum die Kneippanlage noch nicht offen sei und wann sie wieder in Betrieb gehe. Da die Anfragen auf verschiedenen Wegen eingingen – per Mail, über die Behördenrufnummer 115 oder indirekt über den Förster – kann Ittemann zwar keine Zahlen nennen. Aber dass das Thema viele bewegte, ist offensichtlich.

Das hat auch Wolfgang Katzmarek festgestellt. Der Vorsitzende des Fördervereins Freunde des Karlstern (FdK) berichtet dieser Zeitung von etlichen Anfragen. Der FdK kümmert sich um das Umfeld der Anlage und räumt etwa zwei Mal wöchentlich bei „Müll-Touren“ den Abfall im Naherholungsgebiet weg.

Relativ gelassen bleibt angesichts der Schließung Rosa Schmidt. Sie ist die Vorsitzende des 2012 gegründeten Kneipp-Vereins Mannheim. Rosa Schmidt schwört auf die Fünf-Säulen-Lehre des bayerischen Pfarrers Sebastian Kneipp, die neben der Heilkraft des Wassers auf gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, innere Balance und Heilkräuter setzt. Aber insbesondere für Wasserkuren brauche man nicht unbedingt solche Anlagen – wie es sie beispielsweise auch im Herzogenriedpark oder im Weinheimer Exotenwald gibt. Stattdessen reiche auch eine Stelle mit „Wasser, das bis zur Kniekehle geht“. Man könne so etwas schließlich „überall machen, wo Wasser ist. Das ist kein Problem“.

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