Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Gartenstadt Walter Spagerer wäre heute 100 Jahre alt geworden / Morgen gedenken seine Witwe und der SV Waldhof des langjährigen Präsidiumsmitglieds

Engagierter Politiker und Fußballer

Walter Spagerer war ein Mann mit Prinzipien. Ein Mensch, der sich für Schwächere einsetzte, der sich für die SPD engagierte und dessen Fußballerherz für den SV Waldhof schlug. Heute wäre der bekannte Mannheimer 100 Jahre alt geworden. Er starb am 20. Februar 2016.

Seine Witwe Karla Spagerer erzählt gerne über ihren Walter: Er wurde 1918 auf dem Waldhof geboren, ging in die Waldhof-Schule und machte danach seine Ausbildung zum Feinmechaniker bei Bopp & Reuther. „Kurz nach Beendigung der Lehre musste er im April 1938 zum Reichsarbeitsdienst einrücken und noch im selben Jahr zur Wehrmacht“, berichtet die 89-Jährige.

Für Kollegen eingesetzt

Zum Kriegsende war Walter Spagerer in Berchtesgaden; die amerikanische Besatzungsmacht habe ihn nach Hause geschickt, wo er drei bis vier Wochen später angekommen sei, so Karla Spagerer. Daraufhin habe Spagerer wieder seine Stelle bei Bopp & Reuther angetreten und musste von dort aus bei den Amerikanern arbeiten. Dort habe er sich zunächst unbeliebt gemacht, weil er für bessere Arbeitsbedingungen für seine Kollegen kämpfte. Trotzdem wurde er zum „Vormann“ ernannt.

Kurz danach fand die erste Betriebsversammlung statt. Der Sozialdemokrat Karl Eichhorn sprach Spagerer dort an: „Du kannst reden, dich brauchen wir.“ Daraufhin habe sich Spagerer aufstellen lassen und auf Anhieb die zweitmeisten Stimmen bekommen. So wurde der Gewerkschaftsmann geboren.

Zur IG Metall kam er 1951, 1961 wurde er 1. Bevollmächtigter in Mannheim, und das bis zum Jahre 1982. Auf sein Drängen hin wurde das Mannheimer Gewerkschaftshaus von der IG Metall errichtet. 1952 trat er in die SPD ein und kam 1968 in den Mannheimer Gemeinderat. Mit Herbert Lucy und Karl Feuerstein hielt er 1968 die Mannheimer SPD auf Kurs. Als Nachrücker für Kurt Angstmann, der ausschied, zog Spagerer 1972 in den Stuttgarter Landtag ein.

Klinikums-Pläne verwirklicht

Eines der ersten Projekte, die er im Sozialausschuss in Stuttgart vorantrieb, war die Verwirklichung der Mannheimer Klinikums-Pläne. Zu seinem 85. Geburtstag gratulierte ihm der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel mit den Worten: „Obwohl wir verschiedenen Fraktionen angehörten und uns in (...) Sachfragen auseinander setzten, war diese Zeit von gegenseitigem Respekt und menschlichem Umgang (...) miteinander gekennzeichnet“.

Zu Walter Spagerer gehörte schon immer auch der SV Waldhof. Als Kind spielte er auf dem Roggenplatz mit Heiner und Otto Siffling Fußball. Ganz klar, dass er schon mit neun Jahren zum SV Waldhof kam; er war ein guter Rechtsaußen und hatte Erfolg als Spieler. Diesen Erfolg hatte er später auch als Trainer bei Olympia Lorsch und führte sogar den SC Käfertal zur Meisterschaft.

Ins SVW-Präsidium gewählt

1979 wurde er ins Präsidium des SV Waldhof gewählt, war zudem im Ehren- und Ältestenrat des Vereins und erhielt alle Auszeichnungen, die der SVW zu vergeben hatte. Maßgeblich verhalf er dem SVW 1994 zu seinem neuen Stadion neben dem Luisenpark. Am 26. August 2014 wurde die Haupttribüne des Carl-Benz-Stadions Mannheim, im Rahmen eines Benefizspiels gegen Borussia Dortmund, vom Fan-Verband Pro Waldhof e.V. in Walter-Spagerer-Tribüne umbenannt.

Ehrungen erhielt Walter Spagerer auch für sein engagiertes Wirken: Die Staufer Medaille des Landes Baden-Württemberg und das Verdienstkreuz 1. Klasse am Bande der Bundesrepublik Deutschland. 1987 wurde er zum „Bloomaul“ gekürt und ein Jahr zuvor erhielt er von den Paulanern auf dem Waldhof den „Hosenträgerorden“.

Mit seiner Frau Karla war Walter Spagerer 69 Jahre verheiratet. Er eher bedächtig, obwohl er heftig diskutieren konnte, und sie, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielt. Beide liebten die Geselligkeit, bei den „Bloomaul-Ordensträgern“ oder bei den Freunden des Nationaltheaters und des Planetariums. Dort waren beide Mitglied und Karla besucht auch heute, wann immer es ihr möglich ist, deren Veranstaltungen. Walter und Karla ergänzten sich hervorragend und waren stolze Eltern und Großeltern von zwei Söhnen, zwei Enkeln und zwei Urenkeln. „Wir waren alle so dankbar, dass Walter seine Urenkel noch erleben durfte“, berichtet Karla Spagerer.

Der SV Waldhof gedenkt Walter Spagerer am morgigen Samstag, 3. November, mit einer besonderen Geste: Spielführer Kevin Conrad wird Karla Spagerer beim Spiel gegen Astoria Walldorf mit einem Trikot mit der Nummer 100 ins Stadion führen. Neben Karla wird auch Renate Kobberger morgen aufs Spielfeld einlaufen: Die Frau des verstorbenen Meistertrainers der A-Jugend-Elf, die 1980 mit einem 2:1 über Schalke 04 Deutscher A-Jugend Meister wurde, hat am 3. November Geburtstag und war gemeinsam mit ihrem Mann Kurt im Betreuerstab des damaligen Sieger-Teams.