Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg

Waldhof Bezirksbeirat beschäftigt sich erneut mit Kindergartenplätzen / Verwaltung hält stärkeren Ausbau für erforderlich

Engpässe in der Übergangsphase

Für den Vater von drei Kindern, 14, neun und fast drei Jahre alt, hat es im letzten Moment geklappt. Aber „für meine Tochter hätte ich fast keinen Kindergartenplatz bekommen“, sagt er bei der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Waldhof. So ähnlich sei das auch bei seinen beiden Älteren gewesen: „Das ist jetzt das dritte Mal, dass wir das mitmachen.“ Während die Tochter unter ist – wenn auch in keiner der drei angegebenen Wunscheinrichtungen – ringt ein anderer Vater um Fassung: „Mein Sohn ist drei Jahre alt geworden und hat noch keinen Platz. Mir reicht’s jetzt“, schimpft er.

Die beiden sind keine Ausnahmen. Klagen über fehlende Kindergartenplätze gibt es seit Jahren. Und seit Jahren macht auch der Bezirksbeirat auf die prekäre Situation in den Stadtteilen Waldhof und Gartenstadt aufmerksam. Im Oktober 2018 hatte der Leiter des Jugendamts, Peter Schäfer, lediglich auf die bestehende städtische Ausbauplanung verwiesen und zusätzliche Verbesserungen als unnötig erachtet. Inzwischen gibt es seitens der Verwaltung allerdings Bewegung.

Nachdem der Gemeinderat die Bevölkerungsprognose 2038 im Mai als Planungsgrundlage beschlossen habe, sei der höhere Bedarf erkennbar gewesen, sagte Schäfer jetzt dem Bezirksbeirat. Deshalb fasste die Stadt im Sommer auch ins Auge, zusätzlich zu den bisherigen Vorhaben eine viergruppige Einrichtung im Rottannenweg, auf dem Gelände des Victor-Lenel-Heims, zu bauen. Dort wird nach dem Umzug des Mutter-Kind-Heims in den Schönauer Gryphiusweg Platz frei.

Umdenken im Rottannenweg

Den wollte die Verwaltung eigentlich für eine Wohnbebauung nutzen – was der Bezirksbeirat Anfang des Jahres rundheraus ablehnte. Die entsprechende Beschlussvorlage nahm der Gemeinderat denn auch von der Tagesordnung. Aber jetzt sind die vorgesehenen Wohneinheiten ohnehin Makulatur – wegen der Kita-Pläne.

Die habe der Bezirksbeirat angeregt, sagte Grünen-Vertreter Markus Corcelli. „Wir freuen uns, dass das aufgegriffen wurde“, lobte er die Verwaltung. „Aber bis wann wird das umgesetzt“, fragte der Politiker. „Das lässt sich schwer sagen“, antwortete Schäfer. Erfahrungsgemäß, so Jochen Tölk vom Fachbereich Stadtplanung, müsse man allein für die Aufstellung eines Bebauungsplans mit mindestens eineinhalb bis zwei Jahren rechnen. „Dann muss das Gebäude noch geplant und gebaut werden.“

Mit anderen Worten. Es wird dauern – nicht nur am Rottannenweg. Auch am Friedrich-Ebert-Kinderhaus, das saniert und erweitert werden soll, stehen neue Plätze nicht vor 2021 zur Verfügung. Und selbst Übergangslösungen mit etwa 40 Ganztagsplätzen in Containern, die für die Wiesbadener Straße vorgesehen sind, greifen frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020.

„Das heißt, dass wir in der Übergangsphase ein großes Problem bekommen“, stellte Stadtrat Roland Weiß (Freie Wähler/ML) fest. Wobei die Interimslösung am Ebert-Kinderhaus mit 40 Plätzen ohnehin nicht reichen werde. Weiß fragte deshalb nach weiteren Übergangslösungen. Eine genaue Antwort darauf gibt es noch nicht. Von Peter Schäfer nur so viel: „Wir müssen jede Möglichkeit nutzen.“ In Sachen Interim sei „Bewegung drin. Darüber denken wir konkret nach, auch hier auf dem Waldhof.“

Abendröte-Neubau als Ersatz

Zuletzt hat sich die Situation im Stadtteil aber noch einmal verschärft: Zum 19. August schloss die Evangelische Kita Wiesbadener Straße. Die zuletzt 17 Kinder, die noch nicht in die Schule kamen, wurden auf vier andere evangelische Einrichtungen verteilt. Aber ein Ersatz für die zwei Gruppen wird mit einem Neubau in der Abendröte erst im nächsten Jahr geschaffen. Die viergruppige Einrichtung auf dem Gelände der Auferstehungsgemeinde soll dann auch bisherige Abendröte-Kinder und Besucher der Einrichtung Hessische Straße aufnehmen. Sie wird ebenfalls geschlossen.